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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie gefährlich ist die Wiesn?

  • -Aktualisiert am

Ja ist denn schon wieder Wiesn? Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) müssen einen Giftanschlag auf dem Oktoberfest aufklären. Bild: Bernd Schuller

Batic und Leitmayr müssen im Trubel des Oktoberfests einen Giftmischer jagen. Der kippt jungen Männern Liquid Ecstasy in die Maß, einer davon überlebt den Anschlag nicht. Doch wie tödlich ist die Partydroge wirklich?

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          Pünktlich zum Start des Oktoberfests sendet die ARD einen „Tatort“ aus München. Sein Titel „Die letzte Wiesn“ hält, was er verspricht - zumindest für einen jungen Italiener. Anders, als vom klischeegesteuerten Pathologen vermutet, ist er jedoch nicht verstorben, weil er das starke Wiesn-Bier nicht vertragen hat, ihm wurde GHB, besser bekannt unter dem Begriff „Liquid Ecstasy“, ins Bier gepanscht.

          Auch andere junge Männer gehen durch die K.-o.-Tropfen in die Knie, und die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) müssen bei laufendem Festbetrieb nach dem Täter fahnden - übrigens wurde letzten Herbst auch bei laufendem Betrieb gefilmt, wie uns Gabriele Papke, Leiterin der Wiesn-Pressestelle, berichtet.

          Für diesen „Tatort“ scheint der Bayerische Rundfunk einen guten Draht zur Stadt München, aber auch zur Polizei gehabt zu haben. Nur im Rechtsmedizinischen Institut hätte es die Handlung besser nochmal gegenlesen lassen sollen. Aber kein Problem, dafür gibt es ja die Tatortsicherung.

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          Frage 1: Im neuen Münchner Tatort „Die letzte Wiesn“ wird in einem bestimmten Zelt Festbesuchern immer wieder Liquid Ecstasy ins Bier geschüttet, ein Mensch stirbt sogar. Für die Kommissare beginnen schwierige Ermittlungen, denn das Zelt wird trotz der Vorkommnisse nicht geschlossen, sie müssen bei vollem Festbetrieb nach dem Täter suchen. Ein realistisches Szenario?

          Ermittlungen bei vollem Festbetrieb gehören nicht zu Kommissar Batics Lieblingsbeschäftigungen.
          Ermittlungen bei vollem Festbetrieb gehören nicht zu Kommissar Batics Lieblingsbeschäftigungen. : Bild: Wiedemann Berg Television/Bernd

          Antwort von Werner Kraus (Pressestelle Polizeipräsidium München): 

          Durchaus. Die Polizei würde tatsächlich zunächst klären: Wie viele Menschen kamen zu Schaden? Wo und wie wurde ihnen möglicherweise die Droge verabreicht? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Opfern? Solche Taten können zum Beispiel Beziehungstaten sein, denen ein Streit vorausging. Wenn bekannt würde, dass ein Tötungsdelikt im Raum steht, würde der laufende Betrieb im Festzelt eingestellt, bis die Tatortsicherung, darunter vor allem die Spurensicherung, beendet ist. Wenn dann nicht zu erkennen ist, dass weiter eine Gefahr für künftige Zeltbesucher besteht, ist eine darüber hinaus andauernde Schließung eines ganzes Zeltes aber nicht erforderlich, beziehungsweise nicht verhältnismäßig. Auch auf einem der kleinen Volksfeste würden wir so agieren. Das hat nichts damit zu tun, dass wir den Betrieb der Wiesn nicht stören wollen, weil es Münchens wichtigstes und einträglichstes Fest ist. Für uns hat vielmehr die Sicherheit der Bevölkerung stets oberste Priorität. Aber natürlich muss bei allen polizeilichen Maßnahmen stets die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

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          Frage 2: Die Giftanschläge wurden nur auf junge Männer verübt. Eine Fallanalytikerin glaubt an einen Einzeltäter, der „stellvertretende Aggressionsdelikte“ verübt. Eine gängige Diagnose?

          Batic und Kollegen bei der Fahndung zwischen Maßkrügen
          Batic und Kollegen bei der Fahndung zwischen Maßkrügen : Bild: Wiedemann Berg Television/Bernd

          Antwort von Werner Kraus (Pressestelle Polizeipräsidium München):

          Zunächst: In der Tat haben wir eine Abteilung für die operative Fallanalyse. Diese würde sich die Details der Anschläge ganz genau anschauen und versuchen, ein Täterprofil zu erstellen. Allerdings wären in der Realität für die Profilerstellung wesentlich mehr Fakten vonnöten. Außerdem erscheint mir die Zeit, in der die Analystin zu dieser Diagnose kommt, nicht sehr realistisch. Solch eine Analyse nimmt einige Zeit in Anspruch. Der Ausdruck „Einzeltäter, der stellvertretende Aggressionsdelikte verübt“ könnte bei einer Analyse der vorliegenden Fakten indes durchaus als mögliche Tätereinschätzung verwendet werden.

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