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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie gefährlich ist die Wiesn?

  • -Aktualisiert am

Gerichtsmediziner nach der Obduktion: „Ich mein, viel hams ja noch nie vertragen, unsere italienischen Freunde. Wär' er mal lieber daheim bliebn, bei La Mamma.“ (Minute 7)

Frage 3: Alljährlich amüsieren sich viele Münchner über die „Zugreisten“, die angesichts des starken Biers in die Knie gehen. Vor allem die Italiener gelten als wenig trinkfest.

Nichts wie weg: Wenn die Italiener kommen, denkt Leitmayr nur noch an Flucht. Seine Wohnung vermietet er allerdings an feierwütige Schwedinnen.
Nichts wie weg: Wenn die Italiener kommen, denkt Leitmayr nur noch an Flucht. Seine Wohnung vermietet er allerdings an feierwütige Schwedinnen. : Bild: Wiedemann Berg Television/Bernd

Antwort von Prof. Dr. Randolph Penning (Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München):

Die Alkoholverträglichkeit hängt natürlich nicht von der Nationalität ab. Sie hängt davon ab, wie gut jemand „trainiert“ ist, sprich: Wer oft trinkt, verträgt auch mehr. Einzig Menschen aus dem asiatischen Raum haben eine genetische Veranlagung dazu, Acetaldehyd, ein Zwischenprodukt, das beim Abbau von Alkohol im Körper entsteht, nicht weiter abbauen zu können. Und dieser sogenannte „Zwischenalkohol“ sorgt für besonders schlimme Kopfschmerzen und Übelkeit. Das merken sie dann aber erst, wenn sie schon getrunken haben. Die Mär von den wenig trinkfesten Italienern ist aus wissenschaftlicher Sicht nur ein Mythos, der aber immer wieder befeuert wird - vor allem am sogenannten „Italiener-Wochenende“, dem zweiten Wiesn-Wochenende, an dem viele Italiener im Caravan nach München kommen, um dort zu campen und vor allem viel zu trinken, um dann oft öffentlich als Alkoholleichen zu enden.

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Frage 4: Im aktuellen Fall mit Batic und Leitmayr stirbt ein Italiener, weil er völlig betrunken an seinem Erbrochenem erstickt ist. Ein klassisches Szenario nach zu viel Alkohol?

Dieser junge Italiener (Luca Pandrelli) hat es von der Theresienwiese immerhin noch bis an den Marienplatz geschafft.
Dieser junge Italiener (Luca Pandrelli) hat es von der Theresienwiese immerhin noch bis an den Marienplatz geschafft. : Bild: Wiedemann Berg Television/Bernd

Antwort von Prof. Dr. Randolph Penning (Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München):

Ist ein Mensch nicht mehr Herr seiner Sinne, egal, welche Substanz er zu sich genommen hat, und er erbricht sich in diesem Zustand, dann sterben die Wenigsten daran, dass das Erbrochene die Luftröhre mechanisch blockiert. Die Meisten sterben, weil sie es in die Lunge einatmen. Erbrochenes wiederum ist ja mit Magensäure versetzte Nahrung. Magensäure ist Salzsäure und greift das feine Lungengewebe an. Daran sterben die meisten Alkoholtoten  - was genau in der Lunge passiert, das zum Tod führt, ist allerdings umstritten.

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Gerichtsmediziner: „Wennst zu viel davon nimmst, haut’s dich aus den Latschen. Vor allem in Verbindung mit Alkohol. Ein Klassiker unter den Rape-Drogen. – Aber an dem ist der Italiener ned gstorbn?“ – Na. Aber der war ja auch noch jung.“ (Minute 22)

Frage 5: Später stellt sich heraus, dass nicht das starke Wiesnbier für den desolaten Zustand des Italieners verantwortlich war, er hatte lediglich 0,7 Promille im Blut. Der toxikologische Befund weist darüber hinaus aber GHB, also Liquid Ecstasy, in seinem Körper nach. Weiter heißt es, dass diese Substanz in Kombination mit Alkohol tödlich sein kann – stimmt das?

Weder Bier, noch K.-o.-Tropfen: In seiner verwüsteten Wohnung findet Leitmayr nach der Untervermietung nur einfach keinen besseren Schlafplatz.
Weder Bier, noch K.-o.-Tropfen: In seiner verwüsteten Wohnung findet Leitmayr nach der Untervermietung nur einfach keinen besseren Schlafplatz. : Bild: Wiedemann Berg Television/Bernd

Antwort von Prof. Dr. Randolph Penning (Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München):

GHB ist ein Narkosemittel und kann in der falschen Dosis angewandt immer tödlich sein - egal ob Alkohol im Spiel war, oder nicht. In geringer Dosis kann es euphorisierend wirken, in hoher Dosis kann es, wie jedes andere Narkosemittel auch, einen Menschen so schwer betäuben, dass seine Atmung aussetzt und er stirbt. 0,7 Promille sprechen allerdings tatsächlich gegen einen hohen Alkoholkonsum: Das entspricht in etwa dem Zustand nach einer Maß Bier. 

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