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FAZ.NET-Tatortsicherung : Der Wolf im Arzt-Pelz

  • -Aktualisiert am

Unter Wölfen: Constanze Hermann (Barbara Auer) und Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Christian Schulz

Der neue „Polizeiruf 110“ aus München kennt die Vorschriften im Obduktionssaal nicht. So kann das mit der Aufklärung nichts werden. Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

          3 Min.

          Zwei Leichen, beide von Tierbissen entstellt, und ein überforderter Gerichtsmediziner, der einen Zoologen zu Rate zieht: Sein neuer Fall bringt den Münchner Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) nicht nur in verlassene Wälder des Münchner Raums, sondern führt ihn auch zu seiner Hamburger Kollegin Constanze Hermann, die aus privaten Gründen in Bayern weilt. Halbherzig hat sie einen Alkoholentzug in einer Art Wellness-Center begonnen, landet dann aber doch im Wirtshaus und begegnet auf dem Heimweg einer Wolfsgestalt mit roten Augen. Sie schiebt ihre Entdeckung auf die neun Gin Tonic – bis am nächsten Morgen eine junge Frau tot im Wald gefunden wird. 

          Wie realistisch sind Übergriffe von Wölfen auf Menschen? Wie hungrig werden Katzen? Und sollte ein Gerichtsmediziner nicht versierter mit Bissspuren umgehen können als im Film? Wir haben nachgefragt.

          ***

          Frage 1: Im neuen „Polizeiruf 110“ aus München wird bei einer Leiche mit ausgekratzten Augen und angebissener Nase ein Zoologe zu Rate gezogen, später auch bei einer Leiche mit Bissspuren. Ist solch ein Vorgehen überhaupt nötig? Kommen Rechtsmediziner bei so etwas nicht alleine klar?

          Schaut nicht nur verdächtig, sondern ist auch oft am falschen Platz: Tierarzt Dr. Biesinger (Sebastian Hülk)
          Schaut nicht nur verdächtig, sondern ist auch oft am falschen Platz: Tierarzt Dr. Biesinger (Sebastian Hülk) : Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Christian Schulz

          Antwort von Prof. Dr. Oliver Peschel (Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München):

          Es kann gelegentlich schon vorkommen, dass wir Zoologen hinzuziehen Das ist aber sehr ungewöhnlich.

          ***

          Frage 2:  Welche Vorschriften gibt es für extern hinzugezogene Experten in der Rechtsmedizin? Im Film ist der Zoologe allein mit einer Leiche, die er auch entblößt.

          Antwort von Prof. Dr. Oliver Peschel (Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München):

          Das würde man definitiv nicht machen. Die Leiche kommt auf den Tisch und da stehen dann alle, die etwas mit der Untersuchung zu tun haben. Und wenn wir noch einen externen Experten brauchen, kommt dieser unmittelbar nach der Obduktion dazu. Wir haben in Deutschland historisch begründet ein Vier-Augen-Prinzip, das heißt, dass eine gerichtliche Obduktion immer von mindestens zwei Ärzten durchgeführt wird. Und von diesen beiden muss einer der Leiter eines gerichtsmedizinischen Instituts oder von diesem unmittelbar beauftragt sein. Die Strafprozessordnung regelt sehr streng, wer eine Sektion überhaupt machen kann und unter welchen Bedingungen sie abzulaufen hat.

          ***

          Constanze Hermann: „Wenn Frauchen oder Herrchen gestorben sind und die Katze mit der Leiche eingeschlossen ist und sie Hunger bekommt, dann fangen sie an die Toten anzunagen, solange das Fleisch noch frisch ist. Immer beginnen sie mit dem Gesicht. Augen, Nase, Lippen“. (Minute 5)

          Frage 3: Kommissarin Hermann und der Zoologe Dr. Wiesinger führen im Polizeiruf die oben genannten Wunden auf eine Katze zurück, die in einer abgesperrten Wohnung nach dem überraschenden Tod des Frauchens ihren Hunger nicht anders zu stillen wusste. Gibt es solche Fälle wirklich? Stimmt das auch bei Hauskatzen, die eine engere Bindung zu den Menschen hatten? Und reagieren Hunde tatsächlich anders, wie es im Film heißt?

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