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Tatort-Sicherung : Sollten Thüringer nach seltenen Erden suchen?

  • -Aktualisiert am

Lessing (Christian Ulmen) ist bei seinen Ermittlungen nur auf Teer gestoßen. Bild: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau

Das neue „Tatort“-Jahr läuten die klamaukigen Kommissare aus Weimar ein. Dabei wird die Frage aufgeworfen: Welche wertvollen Metalle schlummern im Osten der Republik? Wir haben Experten gefragt.

          In „El Doroda“, einer Westernstadt bei Weimar, herrscht Goldgräberstimmung. Allerdings ist ein Geologe nicht auf das Edelmetall gestoßen, das im 19. Jahrhundert etwa in Kalifornien, Colorado oder Montana für einen wahren Rausch sorgte.

          Er vermutet das Gold des 21. Jahrhunderts unter dem Gelände des Freizeitparks: Seltene Erden, die vor allem in der Produktion von modernen High-Tech-Geräten heiß begehrt sind. Er hat sogar ein neues Metall dieser seltenen Erden entdeckt: Pantazium.

          Der Parkbesitzer, sein Stellvertreter, aber auch die skrupellose Besitzerin einer örtlichen Baufirma wittern nun das Geschäft ihres Lebens, ein Kampf auf Leben und Tod um die Bohrrechte entbrennt. Werden nun alle Thüringer reich, wenn sie in ihrem Garten ein Loch graben? Ein Geologe weiß Rat.

          ***

          Kommissar Lessing: „Aber Sie wissen was Pantazium ist? Es geht um seltene Erden. Ich helf‘ Ihnen mal auf die Sprünge: Das sind ganz besondere Metalle, das Gold der Neuzeit. Finden sich alle im Periodensystem der Elemente. Und da frage ich mich natürlich, wer hat diese bislang unbekannte seltene Erde entdeckt?“(Minute 56/57)

          Frage 1: Bei einer Geothermiebohrung entdeckt ein Geologe bei Weimar ein neues Metall der seltenen Erden. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein solcher Coup gelingt?

          Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) ermitteln undercover in der Westernstadt „El Doroda“.

          Prof. Dr. Michal Bau (Geochemiker an der Jacobs University in Bremen):

          Herrlich, die Idee mit dem Pantazium, das passt zum Weimarer Tatort, völlig absurd! Aufgrund der Naturgesetze ist es nämlich völlig ausgeschlossen, dass ein neues Element der seltenen Erden entdeckt wird. Unser Periodensystem ist vollständig erschlossen, selbst Lücken, die noch lange offen waren, beispielsweise im Bereich der radioaktiven Elemente, wurden mittlerweile geschlossen. Selbst Promethium, ein radioaktives und extrem kurzlebiges Element der seltenen Erden, das einzige, das übrigens auch als wirklich selten vorkommend zu bezeichnen ist, wurde bereits 1945 als Spaltprodukt des Urans entdeckt und es ist Wissenschaftlern in den Vereinigten Staaten sogar gelungen, es wenigstens für kurze Zeit bevor es wieder zerfällt nachweisbar zu machen.

          ***

          Frage 2: Wenn schon nicht Pantazium: Lohnt es sich, nach anderen Metallen der seltenen Erden in Thüringen zu suchen?

          Lessing erzählt Dorn von seiner Vermutung: In „El Doroda“ wird nach seltenen Erden gesucht.

          Antwort von Michael Bau:

          Es gibt 17 Metalle der seltenen Erden, wie die Gruppe dieser Elemente eigentlich ganz korrekt heißt, es wird eben meist auf den Begriff „seltene Erden“ verkürzt. Die haben übrigens weder etwas mit Blumenerde zu tun noch kommen sie an sich selten vor, da führt viele der Begriff „selten“ etwas in die Irre. Sie sind ungefähr so häufig wie Blei. Metalle der seltenen Erden sind Mineralisationen, die in Erzen und anderen mineralischen Rohstoffen vorkommen können und deshalb alles andere als selten sind. Es gibt allerdings weltweit nur eine sehr geringe Menge, die förderbar ist, da sie nur sehr aufwendig zu extrahieren sind. Einige dieser Metalle der seltenen Erden oder seltene Erdelemente, wie sie auch genannt werden, sind allerdings besonders für die moderne Technologie sehr wichtig. Sie werden beispielsweise für den Bau von Windturbinen, in Kontrastmitteln für Magnetresonanztomografien, in Permanentmagneten oder in Katalysatoren verwandt – es sind also sozusagen High-Tech-Metalle, deshalb sehr begehrt in der Industrie und dementsprechend auch sehr wertvoll. Zudem hat China das Quasi-Monopol auf die seltenen Erden, von dort kommen 95 Prozent des weltweiten Abbaus. Insofern kontrollieren die Chinesen den Preis und dementsprechend gibt es in anderen Teilen der Welt immer wieder Bemühungen, eigene Quellen zu eröffnen. Gerade Thüringen und Sachsen sind sehr reich an Erzen und anderen mineralischen Rohstoffen, es ist insofern nicht unwahrscheinlich, dass dort auch Selten-Erd-Mineralisationen gefunden werden könnten. Allerdings ist der Abbau wie gesagt aufwändig und somit teuer, die Kosten stünden wegen der verhältnismäßig geringen Menge, die hierzulande zu vermuten ist, in keinem Verhältnis zum Ertrag. Und in anderen Ländern ist das genauso. Deswegen macht ja niemand den Chinesen ihr Vormachtstellung abspenstig.

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