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„Tatort: Liebeswut“ aus Bremen : Da ist wirklich der Teufel los

Unheimliche Begegnung: Aljoscha Stadelmann und Jasna Fritzi Bauer im Bremer „Tatort“. Bild: Radio Bremen/Claudia Konerding

Im Bremer „Tatort: Liebeswut“ haben es die Kommissarinnen Liv Moormann und Linda Selb mit finsteren Gestalten und düsteren Motiven zu tun. Wir sehen einen bildgewaltigen Horrorschocker ohne Rücksicht auf logische Kleinigkeiten.

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          Im nunmehr nicht mehr ganz neuen Gespann des Bremer „Tatorts“ mit den Kommissarinnen Liv Moormann und Linda Selb ist die Erstgenannte nicht nur fürs Temperament zuständig, sondern auch für Vor- und Nachwort aus der Perspektive der Icherzählerin. Da sagt uns Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) etwas über die Liebe; über Liebe, die fehlt und über Liebe im Übermaß, die in perverse Kontrolle und Gewalt mündet. Womit sie den Topos der Episode „Liebeswut“ umreißt. Hier geht es um tödliche „Liebe“, das machen uns die Regisseurin Anne Zohra Berrached und der Kameramann Christian Huck nach einem Drehbuch von Martina Mouchot von der ersten Einstellung an mit aller Bildgewalt klar.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine Wohnung ist ausgebrannt, niemand zu Hause, für die Abteilung Mord gebe es hier nichts zu tun, meint der Polizist am Tatort. Das ändert sich, als die Kollegen eine verbarrikadierte Tür aufschlagen. Im Zimmer liegt die Leiche von Susanne Kramer (Ilona Thor), mit ihrem Hochzeitskleid in rotem Tüll bekleidet. An der Decke über ihr steht die Warnung geschrieben: „Der Teufel spricht zu ihnen durch die Wände. Er ist ganz nah. Er wird sie holen. Ich kann nichts mehr tun.“ Liv Moormann glaubt an einen Suizid und will gehen, Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) ist fasziniert, von einem Mord überzeugt und will loslegen. Warum? „Weil der Gegner der Teufel ist und der ist nie satt, wenn es um den Tod geht“, sagt sie. Sprüche der überhöhten Art sind ihr Markenzeichen.

          Nun erst geht den beiden Kommissarinnen auf, dass die beiden Töchter der Toten verschwunden sind. Für den – mutmaßlichen – Mord und die Entführung kommen zunächst drei finstere Gestalten infrage: der schmierig-kindliche Nachbar Gernot Schaballa (Aljoscha Stadelmann), der Liv Moormann in traumatischen Horror-Flashbacks erscheint; der noch abseitiger erscheinende Hausmeister Joachim Conradi (Dirk Martens), von dem wir schnell ahnen, warum er an der Schule arbeitet, aus der die beiden Mädchen verschwunden sind; und der Ehemann der Toten, Thomas Kramer (Matthias Matschke), der vor den psychischen Problemen seiner Frau floh und mit der jungen, naiv-beschränkten Jaqueline Deppe (Milena Kaltenbach) zusammenlebt. Wäre da noch der Vater der Toten, Burkhard Dobeleit (Thomas Schendel), der gleich weiß, wer der „Teufel“ ist, der hier sein Unwesen treibt.

          Trailer : Tatort: „Liebeswut“

          Nach der Logik im Detail darf man bei diesem „Tatort“ nicht fragen, nach hanebüchenen Wendungen und nach zu viel Klischees auch nicht. Die Schattierung der Charaktere hingegen gelingt, dank großer Besetzung. Platz für die beiden Kommissarinnen ist auch (mit Liv Moormanns Traumabewältigung sogar mehr als genug). Vor allem aber drehen die Regisseurin Anne Zohra Berrached und ihr Team in jeder Szene alle Regler hoch, auf dass jemand wie David Lynch seine Schauer-Freude daran hätte. Das muss man mögen.

          Tatort: Liebeswut, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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