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„Tatort“ aus Freiburg : Die Schulhofprinzessin

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Einst galt Sara (Johanna Wokalek) als Partygirl und reagierte provokant auf die Fragen des Kommissars Bauder (Werner Wölbern). Bild: SWR

Im Freiburger „Tatort: Saras Geständnis“ kehrt eine Frau aus dem Gefängnis zurück. Kaum ist sie draußen, stirbt ein Polizist. Und sie wird abermals verdächtigt.

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          Jetzt gilt es. Jetzt wird sich zeigen, ob die Welt einer Frau nach fünf Jahren Gefängnis eine neue Chance gibt. Sara Manzer (Johanna Wokalek) hört die Schlüssel in der Tür ihrer Zelle. Sie setzt die Sonnenbrille auf, um der Verwandlung auf die Sprünge zu helfen, folgt der Wache bis zur Pforte am Ausgang. Und immerhin: Marlene (Sophie Lutz) steht mit ihrem Beste-Freundin-Lächeln vor dem Tor. Sie hat sogar eine Überraschungsparty mit Saras Tochter Evi (Samirah Breuer), Saras Ex-Mann (Michael Klammer), dessen neuer Gefährtin und der quirligen Knastbekanntschaft Ines (Annette Strasser) organisiert. Alle bemühen sich um Normalität – verkrampft, aber der gute Wille ist da. Doch die Tat – Sara soll ihren Vater, einen mit Reisebüchern reich gewordenen Verleger aus Freiburg, im Alkoholrausch umgebracht haben – hängt über allem wie eine dunkle Wolke.

          Es folgt ein schicksalhaftes Telefonklingeln. Jeder klassische Krimi braucht ein Telefonklingeln, das alles verändert. Im Falle von „Saras Geständnis“, dem neuen „Tatort“ aus Freiburg, lenkt es Saras Blick aus dem Fenster: Der ehemalige Polizist Benno Rose, jener Beamte von der Motorradstaffel, der den Tatort vor sechs Jahren als Erster erreichte, will sie treffen. Sara lehnt ab und sieht ihn doch bereits im Dunkel vor dem Haus stehen. Am nächsten Morgen wird die Leiche von Benno Rose gefunden. Der Verdacht der Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) fällt schnell auf Sara – eine Frau, die einst als „Schulhofprinzessin“ galt und von Mitschülerinnen wie Tobler bewundert wurde.

          Zwei Rätsel in einem

          Bald kommen die Umstände des Totschlags vor fünf Jahren auf den Tisch. Im kreativen Chaos, das die Wohnung des vorzeitig pensionierten Polizisten Rose auszeichnet, finden sich neben Material zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Welt etliche Kopien zum Fall Manzer. Er ließ Rose nicht los. „Saras Geständnis“, benannt nach dem problematischen Moment, der für das Gerichtsurteil damals entscheidend war, lockt uns also mit zwei Rätseln in einem.

          Abgesehen von Toblers Erinnerungen an die „Schulhofprinzessin“ und neuen Schuhen, die Berg erfolglos von Kot zu befreien sucht (ein derbes Symbolbild), spielen die Befindlichkeiten der Kommissare in diesem „Tatort“ keine Rolle. Es ist das Klein-Klein der Ermittlungen, das im Drehbuch von Astrid Ströher im Mittelpunkt steht: recherchieren, Kaffee trinken, verstehen, Zeitungsartikel aus dem Archiv kramen, Überwachungsbilder sichten. Der knorrige frühere Ermittlungschef Werner Bauder (Werner Wölbern) und der eitle Geschäftsführer des Manzer-Verlags (Holger Stockhaus) werden besucht. Für Bewegung sorgen eine Verfolgungsjagd zur vereisten Wiwilibrücke und Dehnübungen auf der Suche nach einer stabilen, Videogespräche ermöglichenden Handyverbindung im Revier.

          Trailer : „Tatort: Saras Geständnis“

          „Saras Geständnis“ wird jedem gefallen, der den „Tatort“ als liturgische Veranstaltung schätzt. Die Hauptrolle der zurückhaltend inszenierten Episode (Regie Kai Wessel) spielt Johanna Wokalek, die man als Heimkehrerin Lene in Steinbichlers „Hierankl“, Gu­drun Ensslin im „Baader Meinhof Komplex“ und ­Claire Kornitzer im NS-Drama „Landgericht“ kennt. Sie mimt die unsichere Sara Manzer natürlich, leise und reserviert. Der Kameramann An­dreas Schäfer, ein Routinier, der hier seinen siebzehnten SWR-„Tatort“ filmt, bringt das Zögerliche und Tastende, das Saras erste Schritte in Freiheit prägt, unaufdringlich zur Geltung: eine Frau im Wartezimmer ihrer eigenen Geschichte, schwierig zu deuten.

          In einem Verhörvideo aus der Zeit nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters sehen wir Sara Manzer als überschminkte, vom Alkohol gezeichnete Partyfigur. Das ist die alte Sara, die mit ihrem Lebensstil kein Kandidat für die Verlagsnachfolge war, die aussieht, als hätte sie sich in ihrem Leben verlaufen, und von der Sensationspresse das Image der sexsüchtigen Vatermörderin aufgestempelt bekam.

          In der Gegenwart erleben wir Sara anders: ratlos rauchend, suchend in den Spiegel starrend, nur in Gegenwart ihrer Tochter unbeschwert lächelnd. Sie sehnt sich nach einem neuen Leben, aber unter den Bedingungen der Internet-Gesellschaft – „Du glaubst gar nicht, was man im Internet findet, wenn man erst einmal anfängt zu suchen“ – ist das noch schwerer als ohnehin. Und der Tod von Rose ist nicht gerade hilfreich. Der alten Sara würde man einen Totschlag zutrauen. Dass die neue Sara kurz nach ihrer Haftentlassung einen Mann umbringt, liegt eher fern. Sie habe, sagt sie den Ermittlern im Fall Benno Rose, nach der Willkommensparty nur noch mal einen kleinen Spaziergang gemacht. Weil das im Gefängnis ja lange nicht ging.

          Der Tatort: Saras Geständnis läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

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