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Der „Tatort“ aus Dortmund : Angezählt beim Maskenball

  • -Aktualisiert am

Sind Sie es, Herr Kollege? Die Kommissare Martina Bönisch (Anna Schudt) und Jan Pawlak (Rick Okon) undercover vor dem Ring der illegalen Kampfveranstaltung. Bild: WDR

Im Dortmunder „Tatort – Tod und Spiele“ ermitteln Faber und Bönisch im illegalen Kampfsportmilieu. Leider fehlt es hier an Durchschlagskraft.

          Faber lächelt. Lachen will es der schwermütige Dortmunder Mordkommissar, der stets betont, zu keiner emotionalen Regung mehr fähig zu sein und seinen Therapeuten auf die Bahamas geschickt zu haben, nicht gleich nennen, aber ganz verstecken kann er es auch nicht: sein Lächeln. Was Peter Faber (Jörg Hartmann) dazu bringt, ist schwer zu sagen. Ein weiterer Fall ist gelöst, sicher, ein Kinderauge strahlt, gut, aber ausschlaggebend ist am Ende wohl doch, dass seine Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) nicht mit dem russischen Multimilliardär von dannen zieht, sondern an seiner Seite bleibt.

          Immer wieder hatte er das Telefon klingeln lassen, sie verzweifelt versucht zu erreichen, als sie zusammen mit diesem Gasoligarchen Kambarow (Samuel Finzi) zu einer gefährlichen Expedition in die Unterwelt aufgebrochen war und nicht zurückkam. Einfach nicht wiederkehrte und sich nicht meldete. Wenn er wüsste, was die beiden im Laderaum eines Kleintransporters miteinander angestellt hatten, während er unruhig auf die Wahlwiederholungstaste drückte, würde er jetzt kein Lächeln andeuten, sondern sofort wieder in tiefster Düsternis versinken. Nicht nur den BVB kann sich dieser charmante Russe nämlich kaufen, sondern auch das Herz einer einsamen Kommissarin in Wallung bringen.

          Gefährlich soll das alles nicht wirken

          Samuel Finzi spielt ihn als Anti-Macker mit scharfromantischem Sinn und Verstand. In der Hotelbar, die Martina Bönisch selbst von so manch einsamen Feierabenden kennt, schiebt er ihr eine Streichholzpackung mit Datevorschlag zu. Und sie, die hier diesmal beruflich Cocktails trinkt, um der illegalen Kampfsportszene auf die Spur zu kommen, geht darauf ein, lässt sich von dem geheimnisvollen kleinen Mann mit der fordernden Ausstrahlung verführen und mitnehmen zu einer Maskenparty, bei der die Gäste viel Geld auf den tödlichen Ausgang eines Boxkampfes setzen. Voller Aufregung stehen sie um einen vergitterten Käfig herum und verfolgen neorömisch geifernd den Gladiatorenkampf auf Leben und Tod.

          Regisseurin Maris Pfeiffer hat beim Maskenballdreh sicher an Kubricks „Eyes Wide Shut“ gedacht und bei den Boxkämpfen vielleicht auch an „Wie ein wilder Stier“ – mehr als eine gewollte Imitation ist dabei aber leider nicht herausgekommen. Die Regie wirkt bieder und unentschlossen: Gefährlich soll das alles nicht wirken, humorig auch nicht, aber irgendwie gefühlig, manchmal auch gallig. Die Schauspielerinnen und Schauspieler – allen voran die kühl-verwegene Anna Schudt als „die Bönisch“ – bleiben weit unter ihren Möglichkeiten, werden nicht gefordert, und die Kriminalgeschichte um verbrannte Leichen und einen Dortmunder Kampfsportclub erzählt sich schleppend, bleibt farblos.

          Ein beißender Kommentar zum Geschlechterkampf?

          Ein neuer, gut trainierter Polizeikollege (Rick Okon) hat seinen ersten Auftritt, bei dem auffällt, dass er als progressiver Familienvater spätestens um zwanzig Uhr alle Investigationsinstrumente fallen lässt und nach Hause spurtet, während seine erfahrenere, aber dienstniedere Kollegin (Aylin Tezel) die Nacht zusammen mit einem stummen kleinen Jungen, dessen Vater möglicherweise bei einem der illegalen Boxkämpfe ums Leben gebracht wurde, auf dem Revier verbringen muss. Ein beißender Kommentar zum Geschlechterkampf?

          Dortmunder Tatorte waren oft düster und verhangen. Jörg Hartmanns Faber strahlte stets etwas schicksalhaft Unwägbares, labil Geheimnisvolles aus. Jetzt sollte er zur Abwechslung einmal lächeln – und schon geht der Figur alle Aura verloren. Der Grundsatz muss also zukünftig lauten: Im Zweifel für den Unglücklichen.

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