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Tatort-Sicherung : Beschäftigen Ausländerbehörden Spitzel?

  • -Aktualisiert am

Letzter Fall für Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) Bild: SR/Manuela Meyer

Im neuen „Tatort“ aus Saarbrücken wird unter Ärzten, Schwestern und Asylsuchenden ermittelt. Sind die Zusammenhänge realitätsnah dargestellt? Wir haben Experten gefragt.

          Schwesterschülerin Vanessa wird nachts in ihrem Zimmer erdrosselt. Ihre Kommilitonin, Anika (Lucie Hollmann), die ihr verblüffend ähnlich sieht, ist entsetzt: Wer könnte Vanessa das angetan haben? Zunächst verdächtigen die Kommissare Stellbrink (Devid Striesow) und Marx (Elisabeth Brück) den Assistenzarzt Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchia), der kurz vor Vanessas Tod mit ihr geschlafen hat. Er zeigt sich den Kommissaren gegenüber jedoch überaus selbstbewusst. Das beeindruckt.

          In Anspruch genommen werden Stellbrink und Marx auch von Kamal (El Mehdi Meskar), Anikas Freund, ein geflüchteter Christ aus Ägypten, der mit seinem kleinen Bruder in Saarbrücken „geduldet“ wird. Anika hat kürzlich herausgefunden, dass Kamal als Spitzel für die Ausländerbehörde arbeitet. Was, wenn Kamal eigentlich Anika töten wollte und Vanessa bloß in der Dunkelheit verwechselt hat? Wäre Anikas Wissen um seine Informantentätigkeit nicht ein Motiv?

          Während Stellbrink sich mit der Ausländerbehörde auseinandersetzt, gerät die ehrenamtlich arbeitende Ärztin Dr. Bindra (Franziska Schubert), für deren Verein „Medizin für Asyl“ Anika und Vanessa ehrenamtlich arbeiteten, erst spät in das Blickfeld der Kommissare. Dabei lagen sich Dr. Bindra und Vanessa erst kürzlich in den Haaren.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Schwesternschülerin Vanessa wird erdrosselt, während ihre Kommilitoninnen auswärts feiern. Als diese ins Schwesternwohnheim zurückkehren, beginnen die Kommissare sogleich mit der Befragung (Minute 14), obwohl die Schülerinnen noch alkoholisiert wirken. Sollte man hier nicht auf eine „Ausnüchterung“ warten?

          Dr. Bindra (Franziska Schubert) tröstet Anika (Lucie Hollmann), deren Kommilitonin Vanessa getötet wurde.

          Antwort von Melanie Mohrbach (Kriminaloberkommissarin und Pressesprecherin beim Landespolizeipräsidium Saarland):

          Zunächst ist es für die Polizei wichtig, möglichst viele Informationen in einem solchen Fall zu bekommen. Um sich einen allgemeinen Überblick über den Tathergang zu verschaffen, werden die am Tatort anwesenden Personen zunächst informatorisch befragt. Kommt eine der befragten Personen als Zeuge beziehungsweise Zeugin, aber auch Tatverdächtiger beziehungsweise Tatverdächtige in Betracht, belehrt sie die Polizei entsprechend ihrem Status im Ermittlungsverfahren über ihre Rechte. Wirken die befragten Personen alkoholisiert, hält man das im Polizeibericht fest. Unter Umständen kann hier auch ein Atemalkoholtest durchgeführt werden; dessen Ergebnis wird ebenfalls schriftlich in der Akte vermerkt. Ob die Aussage nun vor Gericht verwertbar ist oder nicht, entscheiden die zuständigen Justizbehörden.

           ***

          Frage 2: Kurz vor ihrem Tod hat Vanessa mit Dr. Sharifi geschlafen, was dieser auch zugibt. Auf dem Präsidium macht man im Anschluss an die Befragung einen Penisabstrich (Minute 20). Was erhofft man sich mit diesem Abstrich herauszufinden, wenn er den Geschlechtsverkehr mit Vanessa ohnehin nicht leugnet?

          Ist sich keiner Schuld bewusst: Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchia) wird von Stellbrink (Devid Striesow) und Marx (Elisabeth Brück) befragt.

          Antwort von Melanie Mohrbach:

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