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Tatort-Sicherung : Gab es dieses Mordkomplott wirklich?

  • -Aktualisiert am

Brisante Recherche im Salzkammergut: Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) Bild: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro D

Im neuen „Tatort“ aus Wien und Umgebung spielen die Todesumstände des früheren österreichischen Verteidigungsministers eine wichtige Rolle. Korrekt dargestellt? Dies und anderes haben wir Experten gefragt.

          Bibi Fellner und Moritz Eisner (Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer) werden zum Wolfgangsee gerufen. Taucher haben ein versenktes Auto gefunden, darin die Leiche der Journalistin Sylvie Wolter (Susanne Gschwendtner).

          Wolters Lebenspartnerin Sybille (Emily Cox) erzählt Fellner und Eisner von einer Recherche, an der die Journalistin vor ihrem Tod gearbeitet hat: Der ehemalige österreichische Verteidigungsminister Lütgendorf soll in kriminelle Waffendeals verstrickt gewesen sein. Weil er aussteigen wollte, habe man ihn erschossen und das ganze wie einen Selbstmord aussehen lassen.

          Sibylle verfolgt die Geschichte bis zu dem zwielichtigen Unternehmer David Weimann (Robert Hunger-Bühler), während die beiden Ermittler sich mit der Generaldirektorin für Innere Sicherheit (Franziska Hackl) herumschlagen müssen.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Eisner absolviert eine Schießübung, trifft aber nichts. Bibi zittert zwischenzeitlich so, dass sie gar nicht erst schießt. Welche Konsequenzen hat es, wenn bei diesen Übungen nicht getroffen wird?

          Mit der Waffe eher Underperformer: Moritz Eisner und Bibi Fellner bearbeiten ihren Vorgesetzten Obert Ernst Rauter (Hubert Kramar)

          Antwort von Paul Eidenberger (Sprecher der Landespolizeidirektion Wien):

          Probleme bei einzelnen Aspekten der Einsatztechnik oder -taktik werden bereits in der zweijährigen polizeilichen Grundausbildung erkannt und durch intensives Training beseitigt. Gravierende Probleme sind nach der Grundausbildung bei der LPD Wien bislang nicht aufgetreten, würden im Fall aber durch Spezialtrainings rasch beseitigt werden. Wie bei jeder zivilisierten Polizeieinheit üblich, sind auch bei der Landespolizeidirektion Wien regelmäßige Auffrischungen von Einsatztaktik und -technik für alle Exekutivbediensteten mit Ermächtigung zur sicherheitsbehördlichen Befehls- und Zwangsgewalt zwingend vorgeschrieben. Die sichere Handhabe der verschiedenen dienstlich zugewiesenen Waffen ist Teil des Einsatztrainings, in dem Kenntnisse in Schießtaktik und -technik aufgefrischt, geübt und weiterentwickelt werden. Schießtrainings finden zumindest mehrmals jährlich statt, je nach Verwendung des jeweiligen Polizisten, beispielsweise in Spezialeinheiten, auch öfter. Der genauere Ablauf wird aber nicht kommuniziert.

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          Frage 2: Die Spur führt zurück zum Selbstmord des ehemaligen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf. Der hatt sich 1981 in seinem Auto erschossen. Was ist damals wirklich passiert?

          Rätselhafter Mordfall: eine weibliche Leiche wurde in einem Auto versenkt

          Antwort von Thomas Riegler (Historiker):

          Lütgendorf verließ am 9. Oktober 1981 um 13 Uhr sein Bauernhaus in Schwarzau am Gebirge. Seine Frau hatte ihn gerade zum Mittagessen gerufen. Doch „Cary“ stieg ins Auto und fuhr weg. Emmy Lütgendorf machte sich schließlich Sorgen und fuhr dem Gatten nach. Gegen 13.20 Uhr fand sie dessen Lada Taiga vier Kilometer weit entfernt auf einem Wendeplatz vor. Am Lenkersitz saß Lütgendorf – aus Gesicht, Nase und Ohren blutend. In der etwas geöffneten rechten Hand hielt er einen Smith&Wesson-Revolver. Laut Bericht des Pathologen hatte sich Lütgendorf einen Teil des Laufs in den Mund geführt und abgedrückt. Er kam zum Schluss: „In Würdigung aller Umstände des Falles handelt es sich um einen Selbstmord.“

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          Frage 3: Der Film suggeriert allerdings einen ganz anderen Tathergang. Lütgendorf sei wahrscheinlich erschossen worden. Verschwörungstheorie oder gibt es tatsächlich Anhaltspunkte dafür?

          Durch den ausgebrabenen Altfall auf den Plan gerufen: Dr. Maria Digruber (Franziska Hackl), die Generaldirektorin für Innere Sicherheit

          Antwort von Thomas Riegler:

          Vielen Beobachtern kam verdächtig vor, dass dem Toten der Revolver nicht ganz aus der Hand gefallen war. Ob es nun tatsächlich ein Freitod war, ist bis heute umstritten. Es wurde kein Abschiedsbrief gefunden. Lütgendorf war eine dubiose Figur und in zahllose Machenschaften verstrickt. Im 2. Weltkrieg diente er zuletzt bei „Fremde Heere Ost“ unter Reinhard Gehlen. Er war einer jener Offiziere, die mit dem späteren BND-Präsidenten in die Vereinigten Staaten ausgeflogen wurden, um so die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Geheimdiensten zu begründen. Lütgendorf jedoch fiel mit antisemitischen Äußerungen auf und wurde 1946 nach Salzburg abgeschoben. Später als Verteidigungsminister reformierte Lütgendorf das österreichische Bundesheer, stolperte dann aber über illegale Geschäftsaktivitäten. Wegen eines nicht genehmigten Deals mit Syrien musste er 1977 zurücktreten. Er war auch danach als gut vernetzter Waffenhändler aktiv. Nach seinem Tod wurden auf einem Schweizer Konto rund vier Millionen Schilling an Provisionsgeldern aus unbekannter Quelle gefunden. Wenige Tage vor seinem Tod wurde der ägyptische Präsident Sadat ermordet – Lütgendorf soll daraufhin gesagt haben, „er wäre der nächste“, wie sein Sohn erzählt. Aber konkrete Beweise für ein Mordkomplott gegen ihn gibt es nicht.

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          Frage 4: Sibylle Wildering versucht den Waffenhändler Weimann zu verführen. Der kommt hinter ihr doppeltes Spiel und will sie töten. Es kommt zum Handgemenge, Wildering bekommt einen Durchschuss ab „direkt unters Schlüsselbein“. Trotzdem bringt sie die Kraft auf, weiter mit Weimann zu rangeln und ihn zu erschießen. Geht das körperlich überhaupt?

          Sybille Wilderin (Emily Cox) geht den Recherchen ihrer toten Freundin nach, in denen auch David Weimann (Robert Hunger-Bühler) eine Rolle spielte

          Prof. Christian Reiter (Diensthabender Gerichtsmediziner am Zentrum für Gerichtsmedizin Wien):

          Es gibt da viele verschiedene Möglichkeiten. Ein Schuss unters Schlüsselbein wie im Film kann tödlich sein, einen handlungsunfähig machen, oder nicht. In dieser Region liegt zum Beispiel die Lunge. Wenn die verletzt wird, kann das zu einer Handlungsunfähigkeit führen, muss aber nicht. Außerdem verlaufen dort große Gefäße und die Nerven für den Arm. Wenn diese verletzt werden, ist es schon unwahrscheinlicher, dass jemand noch Gegenwehr leistet. Wie groß der Schaden ist, hängt aber auch vom Kaliber der Waffe ab. Generell kann man sagen: Wenn jemand einen Schuss unter das Schlüsselbein abbekommt, dann ist es reine Glückssache, ob der Schuss tödlich ist, oder nicht. Daher ist es auch möglich, dass jemand weiter handlungsfähig ist und Gegenwehr leistet. Solche Fälle hatten wir hier in der Gerichtsmedizin auch schon öfter. Das Szenario ist also durchaus plausibel.

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