https://www.faz.net/-gsb-9goiw

Tatort-Sicherung : Wer räumt nach einem Mord auf?

  • -Aktualisiert am

Die Kommissare Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) haben alle Hände voll zu tun. Bild: NDR/Christine Schroeder

Im neuen „Tatort“ aus Hamburg fehlt ein Tatortreiniger und auch sonst wird die Arbeit der Kommissare von vielen Seiten angezweifelt. Was sagt die echte Polizei dazu?

          2 Min.

          Neugraben ist eine idyllische Siedlung im Speckgürtel von Hamburg. Doch hier brodelt es. Eine Einbruchswelle erschüttert die Bewohner, die Männer organisieren sich in einem Internetforum und schwadronieren von Selbstjustiz.

          Eines Nachts erwischt Dieter Kranzbühler (Jörg Pose) einen Einbrecher auf frischer Tat und erschießt ihn. Auf den ersten Blick ist klar, das muss Notwehr gewesen sein. Schließlich hat der Tote eine Waffe in der Hand. Die beiden Kommissare Falke und Grosz (Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz) glauben die Geschichte von Dieter und seinem Bruder Bernd (Andreas Lust) allerdings nicht.

          Schnell finden sie heraus, dass noch eine Komplizin (Michelle Barthel) mit im Haus war, die jetzt angeschossen durch die Wälder vor Hamburg irrt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Bernd will die Komplizin vor der Polizei finden und so seinen Bruder vor dem Gefängnis bewahren.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest:

          ***

          Frage 1: Dieter Kranzbühler hat einen Einbrecher in seinem Haus erschossen. Damit Spuren gesichert werden können, werfen ihn Grosz und Falke aus seinem Haus. Dürfen Menschen wirklich erstmal nicht mehr in ihr Haus, wenn es ein Tatort ist?

          Falke gibt Dieter Kranzbühler (Jörg Pose) klare Anweisungen.

          Antwort von René Schönhardt (Sprecher Polizei Hamburg):

          Das ist nicht der Normalfall, kann im Einzelfall aber tatsächlich erforderlich sein. Insbesondere dann, wenn die Spurensicherungsmaßnahmen im Haus noch andauern.

          ***

          Frage 2: Am Ende wird Bernd Kranzbühler von Maja Kristeva erstochen. Nachbar Siggi Reimers, in dessen Garage die Tat passierte, wischt die Blutlache unter Tränen auf. Wer räumt eigentlich nach einer solchen Gewalttat – wenn Polizei und Spurensicherung mit ihrer Arbeit fertig sind – auf?

          Antwort von René Schönhardt:

          Dafür ist die Polizei nicht verantwortlich. Es gibt allerdings unterschiedliche Möglichkeiten, zum einen den Tatortreiniger, aber auch die Bewohner selbst, die das Aufräumen übernehmen können.

          ***

          Frage 3: Im „Tatort“ taucht immer wieder die Beschwerde auf, dass die Polizei bei einem Notruf ewig braucht, bis sie da ist. Bernd Kranzbühler behauptet, die Polizei hätte sogar fast eine Stunde benötigt, bis sie bei seinem Bruder eingetroffen sei. Wie lange dauert es durchschnittlich vom Notruf bis zum Eintreffen der Beamten?

          Ermitteln mit ruhiger Hand: Falke und Grosz

          Antwort von René Schönhardt:

          Das Eintreffen der Beamten vor Ort hängt immer von der Priorität des Einsatzes ab. Diese ist bei beispielsweise einem Tötungsdelikt höher als bei einer Ruhestörung. Grundsätzlich gilt, dass dem Anrufer die Wartezeit immer vorkommt wie eine kleine Ewigkeit. Viele Nachmessungen haben aber ergeben, dass die Zeit in der Regel sehr kurz ist.

          ***

          Frage 4: Innerhalb von Minuten taucht ein Foto von Falke und Grosz in einem Internetforum auf. Es wird Stimmung gegen die beiden gemacht, Hass geschürt. Wie geht die Polizei damit um, wenn ihre Arbeit derart unter Beobachtung gestellt wird?

          Antwort von René Schönhardt:

          Dafür gibt es das Social-Media-Team der Polizei Hamburg. Das geht mit den Kommentaren und Meldungen jeweils abgestimmt auf den Einzelfall um. Hierzu erfolgt dann gegebenenfalls auch eine interne Abstimmung mit den beteiligten Dienststellen und der Polizeipressestelle. Sind Falschmeldungen im Umlauf, die eine nicht unerhebliche Reichweite erzielen, werden diese durch das Team korrigiert.

          ***

          Frage 5: Bernd will die angeschossene Maja unbedingt vor der Polizei finden, damit sie nicht aussagen kann. Immer wieder spricht er davon, dass sie sicherlich zu ihrem Clan zurückwill. Sie ist zwar offenkundig Mitglied einer osteuropäischen Einbrecherbande, aber sind die wirklich in Clans organisiert?

          Bernd (Andreas Lust) verfolgt seine eigene Agenda.

          Antwort von René Schönhardt:

          In Hamburg gibt es klassischen Clanstrukturen nicht. Sicherlich gibt es Gruppen, die gemeinsam agieren und Einbrüche begehen. Wir haben aber auch Einzeltäter, die sich für Einbrüche verantwortlich zeigen. Aber von Clans kann hier in Hamburg keine Rede sein.

          ***

          Wie fanden Sie den neuen „Tatort“?

          Umfrage

          Wie fanden Sie den „Tatort: Treibjagd“ aus Hamburg?

          Alle Umfragen

          Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Helikopter über den Schweizer Alpen auf dem Weg nach Davos: In einem sitzt der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Davos : Jahr der Megatrends

          In Deutschland besteht eine verhängnisvolle Neigung zu glauben, wer die Welt verändern wolle, müsse in erster Linie moralisieren. Die Wirtschaft ist aber nicht der natürliche Feind der Klimapolitik. Das zeigte sich gerade in Davos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.