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„Borowski“- „Tatort“ aus Kiel : Am Ende muss sie es alleine erledigen

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Braucht nicht lange, um sich zu orientieren: Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Sahin im Kieler „Tatort“. Bild: NDR/Christine Schroeder

Im Kieler „Tatort“ bekommt Kommissar Borowski eine neue Kollegin. Almila Bagriacik hat als Kommissarin Mila Sahin einen starken Auftritt. Fürs nächste Mal fehlt nur noch - ein gutes Drehbuch, statt einer lahmen Geisterstory.

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          Eigentlich ist Klaus Borowski (Axel Milberg) – auch als Spezialist für die Abgründe der menschlichen Psyche – Analytiker. Schon in seiner „Tatort“-Antrittsvorstellung „Väter“ doziert er – als Hochschulgast – über die Natur des Bösen und die Begrenzung des Eigennutzes durch Moral. Einerseits ist der Kommissar aus Kiel Kopfmensch, so hat ihn Chefautor Sascha Arango erfunden und weiterentwickelt, aber er hat ihm auch gelegentliche Fundamentalverwirrung aufgegeben. Denn andererseits hat Borowski eine ganz und gar uncoole Seite. Wenn es um Frauen geht, wird es brenzlig bei ihm. In Kurzformel: Je gestörter, desto anziehender. Nicht nur bei Polizeipsychologin Frieda Jung (Maren Eggert), mit der ihn längere Zeit eine schwierige Beziehung verband, auch in Fällen wie „Borowski und der Engel“ mit Lavinia Wilson als persönlichkeitsgestörter Altenpflegerin sorgt sich der Zuschauer dabei mehr um Borowskis Urteilsvermögen als um die Aufklärung der Morde.

          Immun ist er höchstens bei Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Nun hat sie den Psychopathologenthrillerreigen verlassen. Unvergessen bleiben Fälle wie „Borowski und der stille Gast“ mit Lars Eidinger als gestörtem Postboten Kai Korthals, dessen zweiter Teil, in dem es vor allem um einen Kampf der Intellekte ging, weitaus schwächer aussah. Neben den komplizierten Frauen hat Borowski ja eine weitere Schwäche: intellektuellen Hochmut oder die Eitelkeit überlegenen Denkens.

          Im neuen Fall, „Borowski und das Haus der Geister“, gibt es beides, Frauenfiguren, die den Kommissar täuschen, und eine Männerrolle, an der der Kommissar sich konkurrierend abarbeitet. Erst einmal also genderklassischer Borowski. Der Film aber ist erschreckend schwach geschrieben (Autor Marco Wiersch). Als Horrorfilm gibt er nach kurzer Zeit den übernatürlichen Geist auf. Die psychodramatische Familienverratsgeschichte ist überdurchsichtig, genau wie die redundanten Lolita-Rebecca-Reminiszenzen.

          Stark wirkt immerhin die selbstbewusste Selbstverständlichkeit, mit der Almila Bagriacik („NSU – Die Opfer“, „4 Blocks“) ihren Auftritt als neue, taffe Kollegin an Borowskis Seite hat. Zwei, die sich von Anfang an verstehen (dürfen). Die beste Szene hat mit der Handlung überhaupt nichts zu tun und spielt auf einem Parkdeck, auf dem Axel Milberg zu Easy-Listening-Warteschleifenmusik selbstvergessen tanzt. Als Almila Bagriacik mit Kaffeebecher dazukommt, tanzt sie einfach mit, für sich allein. Das swingt vielversprechend parallel (Regie Elmar Fischer).

          Die eigentliche Ermittlung beginnt als Landpartie im flirrenden Sonnenlicht, mit bukolischem Tafeln im Park eines Herrenhauses, mit Bienen und Blüten, Idyll und nostalgischem Blick auf eine alte, zerbrochene Freundschaft (atmosphärische Bildgestaltung Philipp Sichler). Und sie beginnt als Horrorfilm mit abgenutzten Motiven aus dem Freizeitpark-Spukhausarsenal. Huschende Schatten, pfeifende Töne, bedrohliche Kamerafahrten über Treppen und durch Flure.

          Ziel des Spuks ist Anna (Karoline Schuch), die neue Frau von Borowskis ehemals engem Freund und Ex-Richter Frank Voigt (Thomas Loibl), der nun Kriminalbestseller schreibt. Dass Anna unter paranoider Schizophrenie leidet und von irgendwem in den Selbstmord getrieben werden soll, wird gruselerledigend bald offengelegt. Ins Herrenhaus gerufen wurde Borowski durch einen Brief von Franks Tochter Grete (Emma Mathilde Floßmann). Sinja (Mercedes Müller), die zweite Tochter, verhält sich seltsam ungerührt, auch zu ihrem Freund, einem Ton- und Lichttechniker.

          Während die eine blauhaarig-wollmützig, mit Nasenpiercing und Jungsklamotten gegen den Mutterverlust wütet, gibt sich die andere übersexualisiert geschmeidig. Für Borowski ist die Partie ein schwerer Gang. Vor Jahren verschwand Heike, die erste Frau von Frank, mit der er und seine Exfrau Gabrielle Borowski (Heike Trinker), eine Ballettlehrerin, befreundet waren. Die Leiche blieb verschwunden. Der Kommissar als Chevalier und Detektiv, das kennt man so: Damen gilt es zu beschützen, den mutmaßlichen Mörder der einst blauäugig begehrten Frau des Freundes zu überführen. Wegen Befangenheit des Mannes schickt Vorgesetzter Schladitz (Thomas Kügel) Neukollegin Sahin schließlich allein auf die Zielgeradenpirsch. Das nächste Pas de deux der Kommissare wird hoffentlich aufregender.

          Der Tatort: Borowski und das Haus der Geister läuft heute, Sonntag, 2. September, um 20.15 Uhr im Ersten.

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