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FAZ.NET-Tatortsicherung : Muss man solche Nachbarn ertragen?

  • -Aktualisiert am

Wie die Sternsinger laufen die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) von Haus zu Haus und versuchen, den verworrenen Nachbarschaftsstreit aufzuklären. Bild: WDR/Martin Menke

Verbittert streiten Nachbarn im neuen „Tatort“ aus Köln über Papageien und einen Zipfel Grundstück. Wer wäre im Recht gewesen, und hatte der Rechtsmediziner übersinnliche Kräfte? Wir haben Experten gefragt.

          Im neuen „Tatort“ aus Köln stürzt ein Mann von einer Brücke und wird von einem Lkw überrollt. Was wie ein Suizid aussehen soll, wird von den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ungewöhnlich schnell enttarnt: Werner Holtkamp (Uwe Freyer) wurde bereits Stunden vor dem Unfall ermordet.

          Befragt werden seine Nachbarn, die Holtkamp zu Lebzeiten aus den verschiedensten Gründen gegen sich aufbrachte. Sandra Voigt (Claudia Eisinger) kann nicht vernommen werden: Seit ein paar Tagen plagt sie eine Heiserkeit, wie vor elf Jahren, als ihre Mutter verschwand. Seither lebt sie mit ihrer Tochter und ihrem Stiefvater Leo Voigt (Werner Wölbern) zusammen, der von den Ermittlern besonders argwöhnisch beäugt wird. Holtkamp hatte einen Teil seines Grundstücks eingeklagt, obwohl die falsche Vermessung schon 50 Jahre zurückliegt. Hat er eine Chance? Und fliegt die derart gewiefte Vertuschung eines Mordes wirklich so schnell auf? Wir haben Experten gefragt.

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          Frage 1: Kann man, wie im Film, gegen eine falsche Grundstücksvermessung, die 50 Jahre zurückliegt, noch gerichtlich vorgehen?

          Antwort von Rechtsanwalt Dietmar J. Belz (Leiter des bau- und transportrechtlichen Dezernats der Kanzlei Froese und Partner in Köln):

          Es gibt den Fall der „Grenzverwirrung“. Normalerweise gibt es Grenzsteine, die Grundstücke abmarkieren. Wenn so ein Grenzstein verschwindet oder verrückt wird, beispielsweise bei Bauarbeiten, kann es dazu kommen, dass Ungewissheit besteht, wo die Grundstücksgrenze konkret liegt. In diesem Fall kann der eine Eigentümer nach § 919 BGB vom anderen Eigentümer verlangen, dass dieser zur Wiederherstellung mitwirkt. Die Kosten der Abmarkung sind von den Beteiligten zu gleichen Teilen zu tragen. Lässt sich im Falle einer Grenzverwirrung die richtige Grenze nicht ermitteln, so ist für die Abgrenzung der Besitzstand maßgebend. Kann der Besitzstand nicht festgestellt werden, so ist jedem der Grundstücke ein gleichgroßes Stück der strittigen Fläche zuzuweisen. Derartige Ansprüche verjähren nicht.

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          Frage 2: Kommissar Schenk streitet mit seinem Nachbarn über dessen lärmenden Papagei. Schenks Klage wird hinfällig, als sein Nachbar ein Gutachten vorlegt, das „die positive therapeutische Wirkung des Papageis auf die Klimakteriumdepression“ der Frau des Nachbarn bescheinigt. Ist Lärmbelästigung in diesem Fall zu dulden?

          Auch Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) liegt mit seinem Nachbarn im Clinch.

          Antwort von Rechtsanwalt Dietmar J. Belz (Leiter des bau- und transportrechtlichen Dezernats der Kanzlei Froese und Partner in Köln)

          Tiere fallen unter den Begriff der „Sache“, daher kann man anders als bei Kindern, bei denen furchtbarer Lärm ja manchmal zur Entwicklung dazugehört, gegen Lärm, der von Tieren ausgeht, vorgehen. Es ist schön, wenn dem Halter das Tier gesundheitlich guttut, wenn aber die Belastung für das Umfeld zu groß ist, kann man dem Halter zumuten, mit dem Tier umzuziehen oder sich ein anderes zu nehmen, das weniger Lärm macht. Dabei ist zum Beispiel auch ein Blindenhund, der ständig bellt, keine Ausnahme.

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