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Bremer „Tatort“-Team hört auf : Vierzig Dienstjahre, endlich Rente!

Vierzig Dienstjahre und plötzlich ist Schluss, einfach so: Sabine Postel und Oliver Mommsen verlassen den Bremer „Tatort“. Bild: Radio Bremen/Christine Schroeder

Sabine Postel und Oliver Mommsen haben dem „Tatort“ von Radio Bremen jahrzehntelang ihre Gesichter geliehen. Nun hören sie auf. Einfach so! Ist das nicht ein wenig abrupt?

          Wissen Sie schon, was Sie in zwei Jahren machen? Sagen wir, 2019, am 28. Februar, um 23.59 Uhr? Nein? Dann sind Sie nicht Kommissar im „Tatort“. Wären Sie es, wüssten Sie, was Sie dann tun – und was nicht. Beim „Tatort“ nämlich denkt man in historischen Zeiträumen, wie die jüngste Mitteilung von Radio Bremen zeigt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Im Jahr 2019, heißt es da, beenden die Schauspieler Sabine Postel und Oliver Mommsen ihr Engagement bei der ARD-Krimireihe – „nach vierzig Jahren“. Vierzig? Das ist kein Druckfehler, sondern die Summe der Kontinuität: Sabine Postel spielt die Kommissarin Inga Lürsen seit 1997, Oliver Mommsen ist als Kommissar Nils Stedefreund seit 2001 dabei.

          „Gehen, wenn es am schönsten ist“

          Nach all diesen Jahren, sagt Sabine Postel, sei „die Zeit reif für einen Wechsel“. Sie höre „mit einem weinendem, aber auch mit einem lachenden Auge auf“. Man solle bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist, sagt Kollege Mommsen, „und das ist es gerade definitiv“. Wohl dem, der das von sich an ein und demselben Arbeitsplatz nach so langer Zeit sagen kann.

          Behalten den Durchblick: Sabine Postel und Oliver Mommsen im „Tatort“ aus Bremen.

          Und dann wird die Chefin – in diesem Fall ist das Annette Strelow, die Fiktionschefin von Radio Bremen – auch noch pathetisch: Mit „ihrem Herzblut, Können, Teamgeist und Leidenschaft“ hätten Sabine Postel und Oliver Mommsen ihre Kommissare Lürsen und Stedefreund „zu vertrauten und glaubwürdigen Ermittlern gemacht“. Gerne hätte man „noch viele Fälle mit beiden gelöst“, sie seien dem Publikum und ihr selbst „ans Herz gewachsen“. Doch könne sie den Wunsch der Schauspieler „nach kreativer Veränderung auch verstehen“. Nach kumulierten vierzig Dienstjahren, könnte man sagen, wurde es dafür auch langsam Zeit.

          Wobei diese den „Tatort“-Kommissaren nicht nur bei Radio Bremen in die Hände spielt, weil die Zuschauer es augenscheinlich schätzen, dass die Fernsehermittler mit ihnen altern. Da gibt die eine oder andere schwache Episode nicht den Ausschlag. Erinnert sich noch jemand, wie Ulrike Folkerts in Ludwigshafen loslegte? Oder Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec in München und Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär in Köln? In den dritten Programmen kann man ob der fortwährenden Wiederholungen den Reifeprozess der Damen und Herren vom „Tatort“ in Endlosschleife verfolgen – der Lieblingskrimi der Deutschen ist ein langsamer, ruhiger Fluss.

          „Ich sah aus wie eine Rumkugel“

          Fünfunddreißig Fälle hat Sabine Postel als Kommissarin Lürsen gelöst, bei Oliver Mommsen sind es deren dreißig. Knallig in den Vordergrund gespielt haben sie sich nie, doch auch das wird vom Publikum geschätzt. Der exaltierte Auftritt bleibt Jan Josef Liefers und Axel Prahl beim „Tatort“ aus Münster vorbehalten.

          Und - Abgang. Sabine Postel und Oliver Mommsen haben selbst bestimmt, wann für sie beim „Tatort“ die letzte Klappe fällt.

          Schade ist, dass die Selbstironie, die Sabine Postel zu eigen ist, in ihrer Rolle der doch häufig vor allem am Rande ihrer Kräfte wirtschaftenden Kommissarin nie so richtig zur Geltung kam. Ihren ersten „Tatort“ fand sie, wie sie sagt, „ein bisschen hölzern und auch mich ziemlich steif. Wir haben im eisigen Winter gedreht. Ich hatte gefühlt 33 Wärmejacken an, darüber noch einen flauschigen Wollmantel. Mein Sohn sagte, ich sähe aus wie eine Rumkugel. Und das stimmte leider. Zum Glück hat mich das nicht abgeschreckt, weiterzumachen.“

          Das war wirklich ein Glück. Eines, von dem man auf Bitten von Radio Bremen erst mit der Sperrfrist 28.Februar 2017, 23.59 Uhr, berichten sollte. Aber daran haben sich selbstverständlich nicht alle halten wollen, bei einer solch dringenden Nachricht. Was aber von jetzt an gerechnet in zwei Jahren beim „Tatort“ in Bremen los ist, wagen wir uns gar nicht auszumalen. Wir ziehen uns schon mal warm an.

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