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Nachspiel zum „Tatort“ : „Stuttgart ist keine Wiese für Heuschrecken“

  • Aktualisiert am

Was ist los in Stuttgart? Das fragt sich auch Thorsten Lannert (Richy Müller) in der „Tatort“-Folge „Der Inder“. Bild: SWR/Alexander Kluge

Fast zehn Millionen Zuschauer sahen den „Tatort“ rund um das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Oberbürgermeister Kuhn hatte auch eingeschaltet und macht sich jetzt Sorgen über das Image der Stadt.

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          Nach dem „Tatort“ rund um das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 macht sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) Sorgen um das Image der Landeshauptstadt. „Man darf die Fiktion des Krimis nicht mit der Wirklichkeit verwechseln“, sagte er am Montag. „Aber der Film hinterlässt bei vielen Zuschauern den Eindruck, dass finanzstarke und korrupte Investoren in Stuttgart den Immobilienmarkt bestimmen. Das stimmt so nicht.“ Der Stuttgarter SPD-Fraktionsvorsitzende im Rathaus, Martin Körner, sagte: „Es ist schon ein bisschen skurril, einem fiktiven Krimi mit bierernstem Unterton zu begegnen. Jeder blamiert sich halt, so gut er kann.“ Er fand den Film klasse. Ein guter Krimi entscheide sich eben nicht am Wahrheitsgehalt, „denn dieser ist meistens viel langweiliger“.

          Auch Schauspieler und S-21-Gegner Walter Sittler sagte: „Es ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Krimi.“ Er rege sich nicht darüber auf. Für ihn sei klar, dass der „Tatort“ nicht die Realität widerspiegele. Beschwerden beim Südwestrundfunk (SWR) habe es keine gegeben, sagte eine Sendersprecherin. Das sei erfreulich, da die Zuschauer anscheinend den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion erkennen würden.

          Für OB Kuhn kann indes nicht entschieden genug auf den Unterschied zwischen Fiktion und Realität hingewiesen werden. Während es im „Tatort“ bereits einen Bebauungsplan für die Gleisflächen gab, sollen in Wirklichkeit Bürger und Gemeinderat gemeinsam darüber entscheiden, was dort gebaut werden soll. „Das wird keine Wiese für Heuschrecken“, erläuterte Kuhn.

          Aus Sicht eines Sprechers der Parkschützer, einer Gruppe von Stuttgart-21-Gegnern, wurde das Interessengeflecht zwischen Wirtschaft und Politik im „Tatort“ gut auf den Punkt gebracht. Seiner Meinung nach wurden die Gegner des Bahnhofprojekts „als Autoanzünder und Farbbeutelwerfer“ aber nicht treffend dargestellt.

          Der am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlte „Tatort“ war mit 9,49 Millionen Zuschauern ein Quotenrenner. Der Marktanteil betrug 28,3 Prozent. In dem Krimi „Der Inder“ mit den Schauspielern Richy Müller und Felix Klare wird ein ehemaliger Staatssekretär im Bauministerium ermordet. Er war in einen Korruptionsskandal rund um S 21 verwickelt, das auf einer Fläche entstehen sollte, die durch die Tieflegung des Bahnhofs frei wurde.

          Filmtrailer : Tatort „Der Inder“

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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