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„Tatort: Todesbilder“ im Ersten : Und sie lieben sich doch

Können die Dienstausweise bald stecken lassen: Die „Tatort“-Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) Bild: MDR/Steffen Junghans

Als Ehepaar geschieden, als Ermittler ein Paar: „Todesbilder“ ist bereits der zwölfte Leipziger „Tatort“ mit den Kommissaren Saalfeld und Keppler. Zeit, dass sich manches ändert.

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          Alles begann am 25. Mai 2008 und währte nun schon elf Folgen. Drei Jahre, sieben Monate und zwanzig Tage lang also schlugen sich die Ostfrau Eva Saalfeld und der Westmann Andreas Keppler mit dem Dilemma herum, einerseits ganz entschieden geschiedene Eheleute zu sein, andererseits aber als Hauptkommissare im Leipziger Morddezernat Fall um Fall - und durchaus nicht ungern - ein Ermittlerpaar zu bilden.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Im Vergleich zu jenen einundfünfzig Jahren, neun Monaten und vier Tagen, die Florentino Ariza und Fermina Daza im Jahrhundertroman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez in der Ambivalenz zwischen Abstoßung und Anziehung verharren müssen, ehe sie sich wiederfinden, steckt das Saalfeld-Keppler-Dilemma zwar noch in den Kinderschuhen. „Tatort“-Drehbücher aber sind nun mal keine Jahrhundertromane, weshalb uns das dauerrepetitive Hin und Her zwischen spürbarer Vertrautheit und entzweiender Quengelei auf der Polizeiwache, im Einsatzfahrzeug oder beim nächtlichen Telefonieren allmählich auf die Nerven zu gehen oder, schlimmer noch, zu langweilen drohte.

          Der deutsch-portugiesische Drehbuchautor und Regisseur Miguel Alexandre hat sich für den zwölften Leipziger „Tatort“ mit Simone Thomalla und Martin Wuttke nun aber ein Herz gefasst. Und so dürfen am Sonntagabend wohl um die acht Millionen Zuschauer erleben, wie Keppler, der spröde Philip-Marlowe-Adept aus dem Ruhrgebiet, seiner weit sinnenfreudigeren Exfrau aus dem auch zu DDR-Zeiten nicht ganz unschönen Leipzig aufs Neue seine Liebe gesteht - und damit offenbar Gehör findet.

          Der Fitnesstrainer Koll (Jörg Malchow, rechts) zählt zu den Verdächtigen im besonderes bestialischen Mord an einem Hochzeitspaar
          Der Fitnesstrainer Koll (Jörg Malchow, rechts) zählt zu den Verdächtigen im besonderes bestialischen Mord an einem Hochzeitspaar : Bild: dpa

          Über die Umstände, unter denen dies geschieht, ist damit noch nichts verraten. Sagen aber lässt sich, dass es sich bei Wuttkes Keppler-Geständnis keineswegs um eine rein private, dem zu lösenden Mehrfach-Mordfall einfach aufgesetzte Seelenangelegenheit handelt.

          Hochzeitspaar und Einser-Abiturientin

          Im Gegenteil, die Liebessache ergibt auch kriminalistisch Sinn und ist deshalb nicht nur Simone Thomallas Eva Saalfeld gegenüber, sondern auch gesamtdramaturgisch gerechtfertigt. Mal sehen, wie sich die kommenden Drehbücher mit der neuen Konstellation zurechtfinden - ein bloßer Rückfall ins alte Ambivalenzdilemma wäre jedenfalls reichlich banal.

          Der Mehrfach-Mordfall selbst ist sehr passabel konstruiert und verzichtet im Übrigen auf das so beliebte wie oftmals recht bemüht wirkende „Tatort“-Muster, Kapitalverbrechen und gesellschaftliche Missstände kausal miteinander zu verknüpfen. Die möglichen Motive sämtlicher Tatverdächtiger sind mithin nicht irgendwelchen außerpersönlichen Umständen geschuldet, sondern schlicht ihrer je eigenen, ins Pathologische und Böse pervertierten Triebdynamik.

          Bestialisch zu Tode kommen ein Hochzeitspaar im nächtlichen Park und einige Tage danach eine freudestrahlende Einser-Abiturientin auf dem Weg von ihrer Feier zum stockdunklen Parkplatz.

          Von ferne hat ein Hausmeister in diesem Fall mehrfach einen blitzartiges Licht wahrgenommen. Als Keppler herausfindet, dass über alle Mordopfer kurz vor ihrem Tod Artikel in den „Leipziger Nachrichten“ erschienen sind und die Bilder dazu von einem jüngst aus Afrika zurückgekehrten Kriegsfotografen stammen, scheint der Hauptverdächtige fast überführt. Dass dieser Roman Rustaveli (Merab Ninidze) einst Eva Saalfelds Leipziger Jugendliebe aus dem sowjetischen Bruderland war, macht die Spur naturgemäß besonders prekär.

          Weil aber auch sonst viel fotografiert wird in diesem „Tatort“ - bei der Hochzeit, bei der Abifeier, von schaulustigen Handyreportern, die sich für die Arbeit der Polizei interessieren - und weil eben auch Fotoamateure ihre Abgründe haben können, bleibt der Urheber der „Todesbilder“ lange im Ungefähren. Durchaus überraschend ist, wen Saalfeld und Keppler am Ende überführen - und das ist nach neunzig Minuten „Tatort“ ja nicht eben wenig.

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