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„Tatort - Tod einer Lehrerin“ : In Ludwigshafen fallen Lösungen schwer

Auch sie bleiben sich in diesen „Tatort” fremd: die Eheleute Dafina (Florence Kasumba) und Enno Steger (Wolfgang Michael) Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Der „Tatort: Tod einer Lehrerin“ bietet ein Verstrickungsgeflecht aus Rache und Hilflosigkeit. Die Kommissare Odenthal und Kopper nehmen sich zurück und sind deshalb stark.

          2 Min.

          Alles beginnt als klassische Ermittlergeschichte. Das bleibt auch so, wenn sich hinter der Fassade von Ludwigshafen allmählich die Kulissen Afrikas erheben. Es ist vor allem das östliche Afrika, wo nun gerade, einmal mehr unverdrängbar unter aller Augen, Flüchtlingselend und Verhungern wüten, was dem Film eine zusätzliche Brisanz verleiht. Denn auch jenes andere Leid der Mädchen und jungen Frauen dort, das sich im Lauf der Handlung aus dem langen Schatten einer ermordeten Lehrerin schält, kennt ebenfalls noch immer kein Ende.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Der Ort der Tat ist die Wohnung ebendieser Lehrerin. Ihre schon verwesende Leiche wird nach den Sommerferien bei einem versuchten Einbruch entdeckt. Wer also war es und warum? Was hat vor allem das schöne schwarze Mädchen Eshe (Corazon Herbsthofer in ihrer ersten Rolle überhaupt) dort verloren, als die Kommissare am Tatort anrücken? Was weiß Eshes Mutter Dafina (Florence Kasumba), die mit ihren zwei Töchtern aus Somalia nach Ludwigshafen kam und dort vor knapp zwei Jahren ihren deutschen Mann heiratete? Welche Rolle spielt das deutsch-afrikanische Begegnungszentrum mit seinem Personal? Oder die Brennpunktschule? Und ist nicht bei einer Klassenfahrt ein Junge nachts im Meer ertrunken, dessen Eltern Rache gelobten, als ein Gericht die Lehrerin, die Begleitung war, direkt vor dem Mord freisprach? Sie, die einen anderen Jungen wegen seiner Aufsässigkeit um den Schulabschluss gebracht hat?

          Man spürt die Macht des Schicksalhaften

          Es zeigt sich bald, dass ihr wochenlang unbemerktes Verschwinden nicht nur auf die Einsamkeit einer nicht mehr jungen Frau verweist. Sondern dahinter tut sich eine Verkettung von Umständen auf, an deren Grund die Verstümmelung an afrikanischen Frauen liegt.

          Für die junge Corazon Herbsthofer ist es die erste Rolle überhaupt: Als Schülerin Eshe wird sie von Kommisarin Odenthal (Ulrike Folkerts) befragt

          Jeder gute Kriminalfilm - deshalb auch mancher sehr gute „Tatort“ - spürt die Macht des Schicksalhaften. „Tod einer Lehrerin“ bündelt, unaufgeregt und fast schon asketisch, mindestens drei Stränge: den einer Härte zwischen den Menschen am Rand der Städte, den einer fehlgeleiteten Hilfeleistung und den eines archaischen Ritus mitten in der sogenannten Zivilisation.

          Um das massive Pensum zu schaffen, nehmen sich Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) in ihrem branchenüblichen Pas de deux ganz zurück. Das macht dieses Duo richtig stark in dem Film und im Feld der anderen Darsteller, die das komplizierte Geflecht plausibel machen - herausragend dabei Wolfgang Michael, der Enno Steger spielt, Dafinas Ehemann, unglückselig zerrieben zwischen Zurückweisung, Pflichtgefühl und Gutmenschentum.

          Verzicht auf moralisierende Reden

          Es gibt eine kleine Nebenhandlung um Kopper und seine Vergangenheit als Italo-Galan, die den harten Stoff zunächst bloß abzufedern scheint, aber auf unerwartete Weise dann doch Bedeutung erhält für die Aufklärung. Ohne Zufälle geht es auch in diesem Drama nicht, das ansonsten straff auf seine Lösung hinarbeitet - mit jener aus Gespür und Erkenntnis gemischten Zähigkeit, die für Kommissarin Odenthal längst zur Marke geworden ist. Dass auch ihre Toleranz aufhören könne, sagt sie beinah am Ende des Films zu ihrem Verbündeten. Dass die Beschneidung von Frauen hierzulande ein Straftat ist, sei auch noch erwähnt.

          Was zur bloßen Schwarzweißmalerei hätte verkommen können, fängt der Regisseur Thomas Freundner, der gemeinsam mit Hans Gerd Müller-Welters auch das Drehbuch geschrieben hat, mit seiner Erfahrung auf. Es gelingt ihm, die Verstrickungen seiner Akteure auf Begegnungen, auf Bilder und auf wohltuend wenig hochtrabende, gar moralisierende Reden zu reduzieren - ohne das Geschehen, im Wortsinn, zu banalisieren. Und der Tod der Lehrerin verteilt sich auf mehr als eine Schulter.

          Aber die Geschichte schleicht sich nicht aus der Verantwortung, nicht mit dieser billigen Attitüde: Das bleibt jetzt im Raum stehen, weil es ja keine Lösung gibt. Es kommt zu Verhaftungen. Einfühlendes Verständnis ist eine andere Baustelle, das wird im Film dankenswert klar.

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