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„Tatort“-Saison 2014/2015 : Plötzlich diskutieren alle über Fernsehkrimis

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Die junge Rita Holbeck, fabelhaft gespielt von Elisa Schott, versucht den skeptischen Kommissar Borowski (Axel Milberg) in der Folge „Der Himmel über Kiel“ um den Finger zu wickeln Bild: NDR/Christine Schröder

Beim „Tatort“ beginnt am Sonntag die Sommerpause. Es gab hohe Zuschauerzahlen, Ermittlerwechsel zuhauf und bemerkenswert viele politische Reizthemen. Ein Rückblick mit dem Ergebnis der FAZ.NET-Zuschauerumfragen.

          In der am Sonntag mit einer Schweizer Folge auslaufenden „Tatort“-Saison 2014/2015 ist in 40 Kriminalfällen viel passiert. Gezielt wurden politische Reizthemen wie “Stuttgart 21“, Windparkskandale oder das Flughafen-Debakel BER aufgegriffen. Bemerkenswert vor allem aber ist, dass man über Sonntagabendkrimis neuerdings (wieder) so intensiv spricht, wie über die Fußballbundesliga oder, in früheren Zeiten, die große Samstagabendshow. Ob an dieser neuen Popularität die sozialen Netzwerke Schuld sind, in denen die Kommentierung des jeweils jüngsten Falls zu Trendthemen werden, ob es an der Experimentierfreude der Produzenten liegt – oder daran, dass der Krimi als einzige Fernsehgattung noch dazu in der Lage ist, die Sehnsucht nach Kollektiverlebnissen zu stillen, werden künftige Forschergenerationen beantworten.

          Die höchste „Tatort“-Einschaltquote seit 22 Jahren holte am 21. September der Krimi „Mord ist die beste Medizin“ mit dem Ermittlerteam Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) aus Münster. Mehr als 13,2 Millionen Zuschauer wurden hier gezählt. Zweiterfolgreichster Krimi der Saison 2014/15 war ebenfalls ein Münsteraner „Tatort“ – „Erkläre Chimäre“ vom 31. Mai. Er kam auf 13,03 Millionen Zuschauer.

          Ramponiert, aber mit großer Zustimmung unkriminalistisch: Das Ermittlerteam aus Münster: Nadeshada Krusenstern (Friederike Kempter), Frank Thiel (Axel Prahl), Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)

          Auch in den Onlineplattformen war Münster am beliebtesten. In den ersten sieben Tagen nach der Fernsehausstrahlung wurden für „Erkläre Chimäre“ 308.605 sogenannte Streamviews in „ARD Mediathek“ und „Das Erste Mediathek“ sowie auf der Website „daserste.de“ (wozu auch „tatort.de“ gehört) gezählt.

          Beliebteste Sonntagabendkrimis auf FAZ.NET

          Keine Rekordergebnisse gelangen dem Münster-„Tatort“ 2015 in den Umfragen zum Sonntagabendkrimi auf FAZ.NET (hier die Top Ten unserer Leser des Jahres 2014), in denen sich unter den ersten fünf Plätzen übrigens zwei „Polizeirufe“ befinden.

          Die mit Abstand beste Bewertung erhielt dabei der am letzten Wochenende ausgestrahlte Fall „Kreise“ von Regisseur Christian Petzold mit Kommissar Meuffels aus München – ein betont poetischer Fall mit vielen einsamen Seelen und mäandernder Vernehmungstechnik.

          Widerständig, heimatlos: Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels
          Schenken sich nichts: Armin Rohde (links) und Joachim Król in der Folge „Das Haus am Ende der Straße“.

          ***

          Große Zustimmung fand auch die filmisch ebenfalls ambitionierte „Tatort“-Folge „Borowski und der Himmel über Kiel“, in dem Axel Milberg in einem schleswig-holsteinischen Drogensumpf ermittelt.

          Silke Althoff (Gabriela Maria Schmeide) beschützt ihre vermeintliche Tochter Fiona (Gro Swantje Kohlhof) vor Klaas (Tilmann Strauß).

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          Auf den Plätzen 3 bis 5 landeten in unserer FAZ.NET-Umfrage die folgenden Fälle:

          Blutiger Einstand: Die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke)

          Zur Kritik von Joachim Króls letztem Tatort – mit Armin Rohde

          Zur Tatortsicherung

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          Zur Kritik der Bremer Folge mit Sabine Postel  und Gabriela Maria Schmeide

          Zur Tatortsicherung

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          Zur Kritik des „Polizeiruf 110“ aus Rostock

          Zur Tatortsicherung

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          Die neuen Teams

          Drei neue Teams traten in den letzten Monaten den Fernsehdienst an: Am 22. März startete recht blutig das neue Berliner Team Meret Becker (als Nina Rubin) und Mark Waschke (als Robert Karow).

          Am 12. April lief der erste Franken-„Tatort“ mit Dagmar Manzel (als Paula Ringelhahn) und Fabian Hinrichs (als Felix Voss). Er hatte mit 12,21 Millionen Fernsehzuschauern eine bemerkenswert hohe Debütanten-Quote.

          Am 17. Mai folgten Margarita Broich und Wolfram Koch als Anna Janneke und Paul Brix in Frankfurt.

          Die Abgänge

          Aus der Ermittlungsmaschinerie verabschiedete sich nach 13 Jahren Boris Aljinovic, der im November als Kommissar Stark (möglicherweise sogar) bei der Dienstverrichtung starb.

          Nach 21 Fällen in sieben Jahren traten auch Simone Thomalla und Martin Wuttke als Saalfeld und Keppler in Leipzig ab sowie nach sieben Fällen in vier Jahren Joachim Król als Kommissar Steier in Frankfurt.

          Änderungen stehen beim norddeutschen „Tatort“ mit Hauptermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) an: So wird die Österreicherin Franziska Weisz die Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller ablösen, die nach sechs Einsätzen als Katharina Lorenz an der Seite von Möhring geht. Sebastian Schipper, der für seinen Film „Victoria“ gerade beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, ist als Falkes Freund Jan Katz bereits nach fünf Filmen ausgestiegen.

          Mit den Erstausstrahlungen neuer „Tatort“-Folgen geht es frühestens am letzten August-Sonntag im Ersten weiter.

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