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Tatort-Kommissarinnen : Und die Erkenntnis kam beim Bügeln

  • -Aktualisiert am

Es war ein langer, beschwerlicher Weg, bis die weiblichen Kommissarinnen zum „Tatort“ vorgelassen wurden. Inzwischen sieht man sie öfter: starke, einfühlsame, blitzgescheite Frauen, die jedoch ihr Privatleben allein und kinderlos bestreiten müssen.

          Es war eine schwere Geburt. Fast vierzig Jahre hat es am Ende gedauert, bis in der Folge „Erntedank e.V.“ unlängst das erste Kommissarinnen-Baby das Licht des „Tatorts“ erblickte. Bis dahin war es ein langer, beschwerlicher Weg. Manche wollten das Kind schon seit langem, viele allerdings finden es nach wie vor überflüssig. Beziehungsweise so lästig, wie sie seine Mutter Kommissarin einst fanden. Denn was hat eine Frau da zu suchen, wo gemordet und geschossen wird? Was hat sie, in Gottes Namen, mit der sonntagabendlichen Wiederherstellung der Ordnung der Welt zu tun? Der Mann ist Aktion. Die Frau ist Kontemplation. Sind im Übrigen nicht noch Strümpfe zu stopfen? So oder ähnlich dürften die Überlegungen gelautet haben, als im Lauf der Siebziger immer neue Ermittler in den Dienst der „Tatort“-Sender traten und die Frauenquote immer noch bei einer glatten Null lag.

          1978 schließlich durfte mit Kommissarin Marianne Buchmüller zum allerersten Mal eine Frau die Ermittlungen im „Tatort“ leiten. Erst in der 84. Folge - unter dem vielsagenden Titel „Der Mann auf dem Hochsitz“ - erlaubte sich der Südwestfunk, mit Nicole Heesters eine Chefin einzuführen. Ein wagemutiger Versuch, der prompt scheiterte. Die umstrittene Sache machte es jedenfalls nicht besser, dass Heesters versprach, ihre Fälle keineswegs mit unweiblicher Gewalt, sondern mit „plötzlicher Erkenntnis beim Bügeln“ und mit „Intuition in stillen Stunden beim Friseur“ lösen zu wollen. Bei Senderchefs und Polizeipräsidenten der Bundesrepublik - Motto: „Die Frau gehört in die Küche, nicht an die Leiche“ - kam die Selbstironie nicht besonders gut an. Erschwerend kam hinzu, dass zwei männliche Assistenten der Kommissarin lediglich zuarbeiten durften und - dass sie nicht kochen konnte. Im Beruf Spitze, aber eine Niete am Herd? Nach drei Folgen war Schluss.

          Abends bleibt sie allein

          Die Pause währte drei Jahre, dann trat 1981 mit Karin Anselm als Kommissarin Hanne Wiegand eine alleinstehende Karrierefrau auf den Plan, die immerhin achtmal zur Tat schreiten durfte, dabei aber als Figur blass blieb. Lea Sommer (Hannelore Elsner) musste sich noch 1997 eines Mörders erwehren, der es auf beruflich erfolgreiche Frauen abgesehen hatte.

          Und endlich ein Kind: Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm bekommt pflegeleichten Nachwuchs

          Von siebenhundert Folgen „Tatort“ sind mittlerweile immerhin 112 Ermittlungen von Frauen geführt worden. Von starken Frauen wie Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Inga Lürsen (Sabine Postel) und von Schmerzensfrauen mit schwarzem Herzen wie Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Und von einfühlsamen, blitzgescheiten Frauen wie Klara Blum (Eva Mattes). Die „Tatort“-Kommissarinnen sind in der Regel klug und meistens entschlossen, aber ansonsten defizient wie der Rest von uns. Manche haben ein größeres Ego als Horst Schimanski. Bei manchen funktioniert die weibliche Intuition wesentlich schlechter als bei den männlichen Kollegen. Es gibt WG-Bewohnerinnen mit und ohne Kater zum Kuscheln, es gibt Alleinlebende und eine Witwe unter ihnen. Alle sind Singles.

          Und nur ein einziges Kind

          Zählt man Simone Thomalla, die neue Kommissarin aus Leipzig, mit, haben in der Geschichte des „Tatorts“ insgesamt neun Frauen in leitender Funktion ermittelt. Künftig werden an fünfzehn Schauplätzen sechs von ihnen im Einsatz sein. Die neun hatten bis vor kurzem zusammen gerade mal ein einziges Kind. Betrachtet man den demografischen Trend, ist das nicht wirklich repräsentativ, aber auch nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt. Zumal die bislang einzige Mutter unter den Kommissarinnen, Inga Lürsen aus Bremen, nach wie vor als „bekennende Rabenmutter“ einer Siebzehnjährigen auftritt.

          Seit nun das erste „Tatort“-Baby geboren wurde, diskutiert seine Mutter Charlotte Lindholm mit ihrem Vorgesetzten über eine Halbtagsstelle. Solange er sich querstellt, klärt sie Fälle in ihrer reichlich bemessenen Eltern-(Frei-)Zeit eben auf eigene Faust. Überhaupt scheint uns das erste „Tatort“-Baby ungewöhnlich pflegeleicht zu sein. Es lässt sich stundenlang allein in Schreberkolonien ablegen und nervt auch sonst kaum. Wenn die Kommissarin sich mal wieder auf den Rand des Nervenzusammenbesuchs zubewegt, dann bestimmt nicht wegen ihres Nachwuchses. Das mag unrealistischer sein, als man es beim „Tatort“ für gewöhnlich mag, aber immerhin. Es war schließlich eine schwere Geburt. In welchem Land leben wir eigentlich?

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