https://www.faz.net/-gqz-7no2l

„Tatort“-Kommissarin wird umbenannt : Künstlicher Name für eine Kunstfigur

  • Aktualisiert am

„Stolperstein“ für Selma Jacobi Bild: dpa

Erst sollte die Kommissarin des neuen Frankfurter „Tatorts“ Selma Jacobi heißen – benannt nach einer 1943 nach Theresienstadt deportierten Jüdin. Nun besinnt sich der Hessische Rundfunk eines Besseren.

          1 Min.

          Der Hessische Rundfunk hat gemeinsam mit der Schauspielerin Margarita Broich beschlossen, in der aktuell laufenden Frankfurter „Tatort“-Produktion auf den Rollennamen Selma Jacobi zu verzichten. Die Kommissarin wird einen anderen Namen erhalten, obwohl der Ur-Enkel der Frau, deren Name entlohnt worden war, am Wochenende sein Einverständnis gegeben hatte.

          Die wirkliche Selma Jacobi war 1943 nach Theresienstadt deportiert worden. Die Idee, eine Kommissarin des „Tatorts“ nach ihr zu benennen, stammte von der Schauspielerin Margarita Broich selbst. Sie hatte Jacobis Namen vor ihrem Wohnhaus auf einem „Stolperstein“ entdeckt, also auf einem jener Steine, mit denen in vielen deutschen Städten der während des Holocaust deportierten und ermordeten Juden gedacht wird.

          Auch eine künstlerisch notwendige Entscheidung

          „Die Entscheidung, für meine Rolle im hessischen Tatort den Namen Selma Jacobi zu nehmen, war eine ganz persönliche“, sagte Margarita Broich an diesem Montag. „Ich wollte damit niemanden verletzen. Offenbar gibt es aber Menschen, deren Gefühle ich dadurch verletzt habe. Das tut mir leid, und dafür möchte ich mich entschuldigen. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, einen anderen Namen für meine Rolle zu wählen.“

          Die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, Liane Jessen, sagte: „Die Diskussion um die Namensgebung unserer Kommissarin hat uns überrascht. Der Rollenname war als eine kleine Geste gegen das Vergessen gemeint. Uns tut es leid, mit der angestoßenen Diskussion die Gefühle einzelner verletzt zu haben“. Nach dieser Diskussion ist die Namensänderung aber auch aus künstlerischer Sicht notwendig geworden: „Die Rolle wäre immer mit dem Holocaust-Opfer Selma Jacobi in Verbindung gebracht worden. Eine freie Weiterentwicklung der Figur wäre unter diesem Aspekt nicht mehr möglich.“

          An der Entscheidung für den Namen von Selma Jacobi hatte vor allem der Schöpfer der „Stolpersteine“, Gunter Demnig, Kritik geübt. Er empfand die Verbindung zwischen einem realen Opfer und der Kunstfigur des Films als unpassend.

          Weitere Themen

          „Solos“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Solos“

          „Solos“ läuft bei Amazon Prime Video

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Probleme des DFB-Teams : Höggschde Fahrigkeit

          Der Unterschied zur WM 2018, als Deutschland krachend vom hohen Ross fiel, besteht in erster Linie darin, dass sich „die Mannschaft“ nun wehrte. Das Grundproblem aber hat sich nicht verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.