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Tatort-Kommissarin Eva Mattes : Beim Spielen geht es vor allem um Zuneigung

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Zu Peter Zadek, für den sie Jahrzente lang am Theater spielte, sagte Eva Mattes auch schon mal: „Du spinnst wohl, das mache ich nicht.“ Bild: Foto Matthias Lüdecke

Eva Mattes spielt seit zehn Jahren im Bodensee-„Tatort“ des SWR. Was reizt eine Theaterfrau wie sie am Fernsehen, und wieso musste der erste Partner ihrer Figur so schnell sterben?

          5 Min.

          Ich stelle mir vor, dass man Sie einen glücklichen Menschen nennen darf. Sie gehören zu den wenigen, die schon immer wussten was sie werden wollen, und sind es auch geworden.

          Da ist etwas dran. Ob das jetzt Glück ist? Ich finde, ich habe es gut getroffen und fühle mich privilegiert und - in gewisser Weise - bestrahlt von guten Sternen.

          Als Synchronsprecherin kann man sie immer noch im Kinderprogramm hören. Da waren Sie zwölf Jahre alt.

          Dreizehn. Mit zwölf habe ich zum ersten Mal Theater gespielt, in München in der Kleinen Komödie.

          Mit siebzehn hatten Sie epochemachende Auftritt, unbekleidet im „Stallerhof“ von Franz Xaver Kroetz. Wo nahmen Sie die Kraft her?

          Ich war gar nicht besonders selbstbewusst, zu dem Zeitpunkt war ich sehr depressiv und alleine. Aber ich wollte arbeiten, ich wollte spielen. Das wollte ich bedingungslos, immer. Wahrscheinlich hole ich daher meine Kraft - aus der Spielfreude.

          Sie haben mit Regisseuren gearbeitet, die das geschätzt haben.

          Ich war der richtige Typ zur richtigen Zeit. Das war gerade der Umbruch, weg vom Heimatfilm zu sozialkritischen, politischen Filmen, die andere Darsteller brauchten und andere Regisseure hatten wie Rainer Werner Fassbinder, Reinhard Hauff, Werner Herzog und Michael Verhoeven, mit dem ich den Vietnam- und Antikriegsfilm „o.k.“ gemacht habe, der 1970 die Berlinale sprengte.

          Den Zuschauern, die Sie im „Tatort“ sehen, dürfte die Theater- und Kinoschauspielerin Eva Mattes weniger präsent sein.

          Das mag sein, aber vielleicht kann man in der „Tatort“-Kommissarin Klara Blum etwas von der Kraft meiner früheren Rollen erkennen.

          Ist Fernsehen nicht für Schauspieler, die vom Theater kommen, langweilig?

          Sagen wir mal: Erholsam.

          Auf dem Theater haben Sie großen Text, stehen vorm Publikum, den ganzen Abend. Präsenz pur. Bei Fernsehdreharbeiten warten sie lange auf den Einsatz, der ist kurz, dann wird auf die nächste Einstellung gewartet. Das finden Sie „erholsam“? Aber ist es auch erfüllend?

          Unbedingt. Es kommt immer auf die Rolle an, das Fernsehen, das Kino sowieso, kann einen genauso herausfordern wie das Theater. Es ist eine andere Projektionsfläche. Auf der Bühne muss ich improvisieren und reagieren. Beim Film wird sofort unterbrochen. Insofern ist man nicht ganz so auf dem Drahtseil. Aber ich bin bei der ersten Aufnahme eh immer am besten. Meistens wird ja wegen Kamera, Ton oder Licht wiederholt. Beim Spiel vor der Kamera geht es genauso wie im Theater um Reibung und vor allem - um Zuneigung.

          Zu einigen der Regisseure, mit denen sie gearbeitet haben, hatten sie ein besonders inniges Verhältnis, das hatte mit Reibung nichts zu tun.

          Nö. Eher mit Zuneigung. Selbst, wenn Sie mich nicht wollten. So wie Peter Zadek für Ibsens „Wildente“, für die er ein zartes, ätherisches Pflänzlein suchte und dann - mich bekam. Weil er die Elfe nicht fand. Stattdessen habe er, sagte er mir, einen schwitzenden, stampfenden, kleinen Elefanten bekommen. Und hat dann dreißig Jahre lang mit mir zusammengearbeitet. Zunächst habe ich gedacht: Wer mich nicht will, der kriegt mich auch nicht. Aber das habe ich keine zehn Minuten durchgehalten, weil ich Zadek als Regisseur einfach umwerfend fand.

          Bei der Entwicklung des Bodensee-„Tatorts“ sollen Sie, vielleicht mehr als dies für Schauspieler üblich ist, sehr stark mitgewirkt haben - bei der Frage, wer diese Klara Blum ist und wo die Geschichte spielt. Stimmt das?

          Ja, das stimmt. Aber ich glaube, manche andere machen das noch sehr viel mehr. An der Entwicklung der Figur war ich schon sehr beteiligt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich soviel Spaß an der Sache bekam. Die Arbeit mit dem Redakteur Ulrich Herrmann, der mich vorgeschlagen hat, war und ist sehr spannend. Er kennt sich im Theater aus, ist ein sehr guter Dramaturg und schreibt sehr gute Drehbücher. Und zu den Überlegungen: Wie heißt die Figur? Was ist das für eine Frau? Hat sie keinen Mann, hat sie einen, hat sie viele? Wie tritt sie auf? Dazu ist mir viel eingefallen. Auch vieles, das nie umgesetzt wurde.

          Das können Sie jetzt loswerden, mit schönen Grüßen an den Südwestrundfunk.

          Das wissen die doch alles, das habe ich zum Teil auch in meinem Buch geschrieben. Anfangs haben wir herumgesponnen. Zunächst sollte der „Tatort“ zum Beispiel in Freiburg spielen. Ich dachte, Klara Blum hat eine Mutter, die ist Ungarin und arbeitet in einem alten, schönen Schwimmbad. Und Klara Blum taucht dort nachts durchs Becken, um abzuschalten und die zündende Idee zu bekommen. Das wäre ein schönes Bild. Oder dass es einen Schäfer gibt und Klara Blum mit diesem befreundet und er ihr Ratgeber ist. Das passt zur Region und zu Klara Blum.

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