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25 Jahre Münchner „Tatort“ : Du kriegst einen Krimi, und wir kriegen den Mörder

  • -Aktualisiert am

Sie sind ein eingespieltes Team und haben selbst nach 25 Jahren noch lange nicht genug: Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec. Bild: Roxy Film/Regina Recht

Dass sie so lange als „Tatort“-Kommissare Dienst täten, hätten die Schauspieler selbst nicht gedacht. Ans Aufhören denken sie nicht. Aber sie haben eine Idee für ein furioses Ende.

          8 Min.

          Welche Fragen hören Sie zurzeit in jedem Interview?

          Udo Wachtveitl: Was ist denn Lustiges passiert? Wie lange noch? Seid ihr wirklich befreundet? Welche wollten Sie nicht stellen?

          Alle. Welchen Modeerscheinungen ist man als „Tatort“-Kommissar ausgeliefert?

          Miroslav Nemec: Daran haben wir uns nicht orientiert, eher an uns selbst. Wir Schauspieler treten auf eine gewisse Weise an, unser Leben exhibitionistisch zu verarbeiten, nicht nur äußerlich. Es gibt einen Drang, sich zu zeigen. Im Laufe der Jahre verändert man sich persönlich und damit die Figur, weil man an Erfahrung gewonnen hat.

          Wachtveitl: Persönliche Reife spielt auf jeden Fall hinein. Wenn man mit Anfang dreißig eine solche Rolle angeboten bekommt, dann will man diese Jacke ausfüllen, die da und dort eine Nummer zu groß ist, also pumpt man ein bisschen. Der eine mehr, der andere weniger. Aber da haben sich feine Regulative entwickelt. In 25 Jahren ist eine gewisse Selbstverständlichkeit gewachsen. Man muss jetzt nicht mehr in jedem „Tatort“ zeigen, was für ein toller Kommissar-Darsteller man ist, wie grimmig man schauen kann. Man sieht ja gerade bei der großen Zahl der neuen Teams, dass alle das Problem haben, das wir am Anfang auch hatten: Man denkt, man muss da eine Mords-Duftmarke setzen. Es gibt gute und schlechte Routine. Die schlechte: Wenn man sagt, habe ich schon in Folge 48 so gespielt, und die Metzgersfrau, oder besser - denn ich esse kein Fleisch mehr - die Bäckersfrau hat mir am Montag auf die Schulter geklopft, das machen wir jetzt wieder so. Die gute erlaubt dir, viel selbstverständlicher am Set zu sein. So ein Set hat zu Beginn etwas Einschüchterndes. Der Maschinenpark, die alten Hasen - all das kann einen von der künstlerischen Wahrheit ein Jota schon abbringen.

          Von welchem Zeitpunkt an ist denn die An- einer Entspannung gewichen?

          Wachtveitl: Nach vier, fünf „Tatorten“, als die ersten guten gesendet worden waren, fing das an. Aber man ist nicht davor gefeit, dass man auch wieder in peinliche Situationen gerät.

          Nemec: „Die chinesische Methode“, der vierte „Tatort“, war ein guter Ansatz, weil wir in eine fremde Welt eintauchen und interessante Szenen spielen konnten.

          Aber gibt es auch „Tatorte“, für die Sie sich im Nachhinein schämen?

          Wachtveitl: Sie werden von mir keine Liste bekommen mit unseren schlechtesten, aber einen nenne ich doch: „Wer zweimal stirbt“.

          Nemec: Und ich sage: „Sommernachtstraum“.

          Wachtveitl: Die beiden waren wirklich daneben, und mir fällt noch dieser Esoterik-„Tatort“ ein, „Gesang der toten Dinge“. Aber man muss Gerechtigkeit walten lassen. Das ist zwar eine künstlerische Anstrengung, aber eben auch ein Industrieprodukt mit enger Taktung und begrenzten Ressourcen. Ein Maler kann ewig an einem Bild malen, das er im schlechtesten Fall wegschmeißt. Die Möglichkeit haben wir nicht. Selbst Spitzenkonzernen wie Mercedes und VW passieren doofe Sachen. Wenn man einen misslungenen „Tatort“ sieht, muss man diese Messlatte anlegen.

          Dabei müssen Sie das Gesicht hinhalten für Fehler der anderen.

          Wachtveitl: Genau. Auch der legendären Redakteurin Silvia Koller, der wir alles verdanken, die uns als gleichberechtigte Kommissare erfunden hat, sind ein paar „Tatorte“ passiert, bei denen ich nichts dagegen hätte, wenn jemand mit einem starken Magnet durchs Archiv ginge.

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