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Tatort im Ersten : Diesen Kommissar rettet keine Nachhut

  • -Aktualisiert am

Devid Striesow als Hauptkommissar Jens Stellbrink im Tatort "Eine Handvoll Paradies" von Hannu Salonen. Bild: Saarlaendischer Rundfunk

Hoppeln, moppeln, Phrasen dreschen: Nach dem missglückten Start des neuen „Tatort“-Kommissars Devid Striesow in Saarbrücken, scheitert auch die Fortsetzung.

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          Als der Saarländische Rundfunk im Januar einen neuen „Tatort“ präsentierte, der sich für seine Region so gar nicht interessierte, konnte man das noch als Fehlstart verbuchen, die schwache Ensembleleistung abhaken und auf Tage hoffen, in denen sich Devid Striesow dank eines besseren Buches als Kommissar Stellbrink profilieren darf. Nun allerdings, mit dem zweiten Fall, wird die Akte Stellbrink für den Sender offenbar zu einem Problem. Denn „Eine Handvoll Paradies“, eine Geschichte aus dem Rockermilieu, ist derart müde und schlapp in der Figurenzeichnung, dass man vergeblich zu ergrübeln sucht, weshalb der Sender nur auf die Idee verfallen konnte, seinem zuletzt recht authentisch gewordenen Ermittlerduo Deiniger/Kappl einen Fußtritt zu verpassen.

          Das scheußliche Outfit und die aufgesetzte Fröhlichkeit wird man Jens Stellbrink, dem von Devid Striesow krampfhaft überdreht gezeichneten Kriminalhauptkommissar, noch durchgehen lassen. Doch spätestens wenn er in einer Traumsequenz in die Lederkluft eines Motorradclubs rutscht und pennälerhafte Grimassen schneidet, ist der Punkt erreicht, an dem wir dem Neuen eine kleine Abreibung gönnen würden. Eine peinliche Schießbudenfigur, mehr würdelos als kauzig, mehr dümmlich denn liebenswürdig - und unglaubwürdig, das ist das Schlimmste.

          Phrasendräscherei und Substanzlosigkeit

          Dieser Mann zerrt an den Nerven, weil er lustig sein will anstatt lustig zu sein. Hoppelt hilflos über die Felder, moppelt gedankenlos durch die Gegend, plappert phrasenprustend drauflos. Und fertig, Fall gelöst. Für eine Genreparodie, wie sie Drehbuchautor Felice Götze, Regisseur Hannu Salonen und der bei sensiblen Rollen eigentlich sonst immer so überzeugende Devid Striesow im Sinn gehabt mögen, ist das zu substanzlos und auch zu mutlos.

          Einer der rockenden Spießbürger, die sich eben noch Würste am Lagerfeuer brutzelten, ist jedenfalls tot, und der Verdacht liegt nahe, sein ungelenkes Ende am Rande der Landstraße, gleich neben der Harley, könne mit den Geschäftsfeldern der „Dark Dogs“, dem Schnaps, einem verschmusten „Prospect“ oder jenem Alleinunterhalter zu tun haben, der in der Nacht 52 Kugeln auf das Vereinsheim abschoss, ohne einen einzigen Kuttenträger ernsthaft zu verletzten.

          Auf schicksalhafte Weise kreuzen sich damit die Wege einer Roller fahrenden „Partybremse“, die stets von der Nachhut mit Blaulicht und quietschenden Reifen gerettet werden muss, mit denen der von „Mutti“ beherrschten Moped-Mafia, die einer unterqualifizierten Mordkommission mit denen eines überforderten Landeskriminalamts, das einem Drogengeschäft auf der Spur zu sein glaubt. Fast alle Beteiligten sagen Sätze auf wie beim Filmkurs der VHS. Und schließlich versteht der Sonderling Stellbrink sogar das Geheimnis der androgynen Thailänderin, die bereits in der ersten Filmszene als Schlüssel zum Ganzen erkennbar war. Für diesen „Tatort“ aber ist es von Anfang bis Ende zu spät.

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