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Tatort: „Freunde bis in den Tod“ : Seltsam, diese Kinder

Große Blicke und wenig Glaubwürdigkeit: die Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und das Mädchen Julia (Leonie Benesch) - eine Mitschülerin des ermordeten Jungen Bild: SWR/Alexander Kluge

Der „Tatort. Freunde bis in den Tod“ geht in die Schule. Ein bisschen Krimi-Nachhilfe hätte den Beteiligten nicht geschadet. So haben die Zuschauer das Nachsehen.

          Wer den Lena Odenthal-„Tatort“ sieht, den das Erste am Sonntag zeigt, kommt nicht umhin, sich einmal mehr zu fragen, wie das auf den Fluren des SWR wohl zugeht. Tritt man da zum Brainstorming zusammen und beschließt, man müsse mal irgendwas zu Jugend und den Gefahren des Internets machen? Und, weil es naheliegt, vielleicht auch gleich etwas zu bösen Videospielen? Und wo man gerade dabei ist, ließe sich doch bestimmt auch noch der Amoklauf eines verirrten Schülers ins Script schreiben.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Anders ist der seltsam überfrachtete und doch zusammenhanglose „Tatort. Freunde bis in den Tod“ (Regie: Nicolai Rohde; Drehbuch: Harald Göckeritz) nur schwer zu erklären. Es geht um den achtzehn Jahre alten Schüler Ron (Rick Okon), der aus nächster Nähe erschossen, am Rande einer Lichtung aufgefunden wird. Die Ermittlungen im Kreis seiner Mitschüler und Lehrer ergeben, dass er ein hochbegabter, aber eigenbrötlerischer Zeitgenosse gewesen sein muss.

          Sieht so die Begegnung zweier verlorener Teenager aus? Manu (Joel Basman) und Julia (Leonie Benesch)

          Er wusste mit der modernen Computertechnik besser umzugehen als alle anderen, was bedeutet, dass er nicht nur wusste, wie man mit dem Smartphone heimlich kompromittierende Videos seiner Mitmenschen dreht, sondern auch, wie man sie ins Netz stellt. Er konnte auch Computerspiele programmieren, blutige Kampfspiele natürlich, deren Örtlichkeiten denen seiner Schule bis ins Detail ähneln. Unnötig zu erwähnen, dass Rons ahnungslose Eltern von all dem natürlich nichts mitbekommen haben.

          Verdächtig sind somit zunächst alle, die Ron mit seinen Videos unter Druck gesetzt hat. Neben dem Informatiklehrer Haller (Anian Zollner) ist dies vor allem die Schülerin Julia (Leonie Benesch), die sich lange ebenso verbissen wie erfolgreich dagegen wehrt, ihr Ron-Geheimnis den Kommissaren preiszugeben. Über weite Teile des Films müssen sich die beiden Ermittler Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) , die hier routiniert bis zur Langeweile auftreten, also mit der Frage beschäftigen, wie sich das Mädchen und schließlich auch Rons bester Freund Manu (Joel Basman) aus der Reserve locken lassen.

          Das ist nicht ohne Reiz. So interessant die Spannung aber ist, die aus einem solchen Kabinettstück erwachsen könnte, so groß sind die Anforderungen, die eine derartige Konstellation an die Schauspieler stellt. Und so leid es einem für die jungen, tapferen Akteure auch tut, so muss doch gesagt werden: Wie ein flüchtendes Reh ständig die Augen von rechts nach links zu rollen und sich dabei auf die Lippen zu beißen (Julia) oder möglichst teilnahmslos in die Gegend zu starren (Ron) sind Gesten, die vor allem hilflos wirken. Hinzu kommt, dass dieses lange Ringen um Motive Zuschauer wie Kommissare letztlich auf eine Fährte lockt, die sich als falsch erweist. Bis dies aber erkannt wird, ist einem die Frage, wer es denn nun wirklich war, kurioserweise schon vollkommen egal.

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