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„Tatort“-Folge „Spiel auf Zeit“ : Pakt mit dem Bösen

  • -Aktualisiert am

Vorsicht, falsche Polizisten: Volker Zahn (Detlef Bothe) wird von Komplizen befreit Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Der Stuttgarter „Tatort“ eröffnet an diesem Sonntag Abend einen neuen Handlungsstrang und wirkt fast wie eine Action-Episode. Letztlich ist die Folge aber, wie der Titel verrät, nur ein „Spiel auf Zeit“.

          Der Stuttgarter „Tatort“ ist normalerweise solides Mittelmaß. Nicht sehr aufregend, nicht ganz schlecht, eben so, wie man es aus Stuttgart erwarten würde: Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) ist ein schweigsamer Geselle, von dem man dunkel erinnert, dass ihn der Verlust seiner Frau und seines Kindes quält, ein Schmerz, über den er kaum je ein Wort verloren hat. Sein Kollege Sebastian Bootz (Felix Klare) hatte es als Mann in der sogenannten rush hour des Lebens dagegen meist mit einer Ehefrau und zwei Kindern zu tun, deren Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie er nicht entsprechen konnte.

          Eine kompromisslose Action-Episode? Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, links) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln
          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Gerade das war, auch da diese Szenen nie länger als gefühlte drei Sekunden dauerten, so banal, dass man es als wichtigen Baustein der Figur Bootz kaum zur Kenntnis genommen hatte. Aber nun macht der neue „Tatort“ (Regie: Roland Suso Richter) aus Stuttgart genau daraus einen Handlungsstrang, der an Gefühlsausbrüchen und Schreiszenen viel mehr zu bieten hat als alle bisherigen Lannert/Bootz-Tatorte zusammen.

          Zusammen oder getrennt? Nicht nur mit der Rechnung lässt Julia Bootz ihren Mann Sebastian sitzen

          Denn Julia (Maja Schöne), die Ehefrau, geht. Sie wählt die abrupte Variante. Sagt drei Sätze der Art „Ich habe jemanden kennengelernt, ich verlasse dich, du hast nichts falsch gemacht“, steht auf und verlässt das Café. Fortan wandelt der Kommissar, der das alles natürlich nicht hat kommen sehen, auf gefährlich dünnem Eis durch das Geschehen, vergreift sich im Ton und an einem Mann, den er eigentlich auch verhaften könnte, ohne ihm vorher das Gesicht blau zu schlagen. Wenigstens, das ist das Gute, fordert der neue Fall die ganze Aufmerksamkeit der Kommissare und auch die der Staatsanwältin (Carolina Vera): Ein Gefangenentransporter ist überfallen und aufgesprengt worden, Viktor Zahn (Detlef Bothe), ein IT-Spezialist, konnte fliehen, ein Polizist musste sterben.

          Auf Augenhöhe: Thorsten Lannert (Richy Müller) hört sich an, was Viktor de Man (Filip Peeters) zu sagen hat

          Ein ehemaliger Mithäftling von Zahn, Viktor de Man (Filip Peeters), macht den Kommissaren daraufhin ein heikles Angebot: Wenn sie ihn für kurze Zeit aus dem Gefängnis lassen, verrät er ihnen, wo Zahn zu finden sein könnte. Bootz ist dagegen, Lannert dafür, weil er glaubt, de Man vertrauen zu können. Die beiden kennen sich, denn in grauer Vorzeit hat der eine den anderen verhaftet und der andere danach versucht, den einen umbringen zu lassen. Nun könnte man einander auf Augenhöhe begegnen, aber damit ist die Frage, ob es wirklich klug ist, einem Verbrecher zu vertrauen, nur theoretisch beantwortet.

          De Man und Lannert setzen einen Informanten unter Druck

          In der Praxis dieses Films versucht der für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Holger Karsten Schmidt, diese Ungewissheit bis zur letzten Minute aufrechtzuerhalten. Das macht diesen „Tatort“ in manchen Augenblicken wirklich spannend. In anderen ist er sogar ganz lustig, vor allem als der Bösewicht Viktor de Man dem armen Kommissar Bootz zu erklären versucht, wie die Sache mit den Frauen läuft.

          Aber am Ende, als man schon fast glauben wollte, dass dieser Film die Stuttgarter „Tatort“-Geschichte um eine wirklich kompromisslose Action-Episode bereichert haben könnte, gerade da bekommt er es mit der Angst vor der eigenen Courage zu tun. Das Ende lässt sich deswegen nur als ein Rückzieher bezeichnen, was schade ist. So bleibt Stuttgart, was es immer war: Durchschnitt.

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