https://www.faz.net/-gqz-6xxwf

„Tatort: Der traurige König“ : Stell dich auf den Kopf

  • -Aktualisiert am

Ihre Freundschaft wird auf eine harte Loyalitätsprobe gestellt: Die Münchner Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) Bild: BR/Kerstin Stelter

Der neue „Tatort“ aus München ist bereits die 61. Folge mit den Kommissaren Leitmayr und Batic. Dieses Mal steht ihre Freundschaft massiv auf der Probe. Auf Leitmayr lastet ein schwerer Verdacht.

          2 Min.

          Zum einundsechzigsten Mal ermitteln Leitmayr und Batic, kaum zu glauben. Ihre Einsätze im bayerischen „Tatort“ sind, gerade in der letzten Zeit, überdurchschnittlich. Mal steht der Fall im Fokus, mal sind es die Polizisten selbst. Einmal verlor Batic sein Gedächtnis, und er stand schon unter Mordverdacht.

          Nicht selten geht es um Fragen der Loyalität, um die berufliche Partnerschaft der Hauptkommissare und die Tragfähigkeit ihrer Freundschaft. „Der traurige König“, ihr neuer Fall, ist ein „Tatort“, der sich nun ganz der Freundschaft zwischen Leitmayr und Batic widmet. Sie steht vor der Zerreißprobe. Dabei beginnt alles so scheinharmlos, dass man sofort merkt - es kommt knüppeldick.

          Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) hat Zahnschmerzen. Mit Ivo Batic (Miroslav Nemec) ist er auf dem Weg zur Fortbildung „Gewaltprävention im Dienst“ (die zynische Ironie, die das Drehbuch von Magnus Vattrodt und Jobst Christian Oetzmann durchwebt, erschließt sich erst später, dafür umso gewaltiger), als ihr Vorgesetzter Brandner ihnen eine junge Kollegin unter die Fittiche schiebt.

          Der gefeierte Held wird demontiert

          Dank des Übereifers jener Julia (Sylta Fee Wegmann) stehen die Kollegen plötzlich auf einem verlassenen Gutshof vor einem brennenden Auto, in dem ein Mensch sitzt. Hinter der Glasscheibe eines Gebäudes lugt ein Mann hervor. Bevor sie es recht realisieren, ist der Mann tot. Erschossen von Franz Leitmayr, in Notwehr, wie er dem internen Ermittler Maus (Torsten Michaelis) klarzumachen sucht. Der Tote habe bei der Verfolgung auf ihn und Batic gezielt und Julia als Geisel genommen. Beim Versuch, sie zu befreien, sei es zu den tödlichen Schüssen gekommen.

          Aber warum drei Schüsse in die Brust des Angreifers? Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Waffe des Toten um ein Spielzeug handelt. Ein Replikat. Täuschend echt, wie Leitmayr meint, oder leicht als Attrappe zu identifizieren, wie die Untersuchungskommission vorab zu urteilen scheint?

          Batic (Miroslav Nemec) nimmt die Jungpolizistin Julia (Sylta Fee Wegmann) aus der Schusslinie
          Batic (Miroslav Nemec) nimmt die Jungpolizistin Julia (Sylta Fee Wegmann) aus der Schusslinie : Bild: BR/Kerstin Stelter

          Für kurze Zeit als Held gefeiert, schnell gründlich demontiert, ist Leitmayr erst recht daran gelegen, mit Batic und Julia, die Puzzlesteinchen für Puzzlesteinchen zusammenträgt, den Fall der Verbrannten aus dem Auto zu lösen. Als der Erschossene als Juniorchef eines alteingesessenen Eisenwarenladens in Leitmayrs Nachbarschaft identifiziert wird, setzt der interne Ermittler den Kommissar noch mehr unter Druck. Schmerztabletten habe er an jenem Tag genommen, das stehe im Bericht des Kollegen Batic.

          Für den schlaflosen Leitmayr wird die Ermittlung zum Albtraum dessen, der in die Mühlen einer unbarmherzigen Bürokratie gerät, in der jedes Faktum umgedreht und gegen ihn verwendet wird, wo jeder Hinweis zum Beleg seiner Schuld gerät. In grauen Vernehmungsräumen sitzt er vor einer Phalanx von Anklägern und beginnt an Batic zu zweifeln.

          Das Märchen vom traurigen König

          Der Regisseur Thomas Stiller inszeniert die Verunsicherung Leitmayrs als Entfremdungsprozess punktgenau. Statt mit der Psychologin zu reden, liegt der schließlich auf der Couch vor Batic, um sich das Märchen vom traurigen König erzählen zu lassen. Dem empfiehlt der Hofnarr, Kopfstand zu machen, um die Dinge aus anderer Perspektive zu sehen.

          Wie das den Ermittlungen neuen Schwung gibt und die Polizisten auf das Drama der Familie von Elisabeth (Elisabeth Orth) und Schorsch Aumeister (Wolfgang Hübsch) führt, ist selbst für die bayernüblichen „Tatort“-Verhältnisse bemerkenswert gespielt.

          Weitere Themen

          Gespaltene Staaten

          FAZ Plus Artikel: Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

          Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung

          Donald Trump : „Deutschland will mich abgewählt sehen“

          Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich unter Donald Trump erheblich verschlechtert. Der amerikanische Präsident ist sich sicher, dass seine Niederlage nicht nur von China und Iran, sondern auch von Deutschland begrüßt werden würde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.