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„Tatort“ aus Hannover : Sie wollen nur fliegen

  • -Aktualisiert am

Unter Fliegern: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit Oberst Andreas Friedrichs (Richard van Weyden) Bild: NDR/Frederic Batier

In gewohnt unterkühlter Manier sucht Kommissarin Lindholm auf einem Luftwaffenstützpunkt nach dem Mörder einer jungen Frau. Wird sie fündig in der „Bankrottarmee“, als die ein Oberst seine Truppe bezeichnet?

          2 Min.

          Es ist schon dunkel, als das Liebespaar in dem einsam gelegenen Haus ankommt. Die junge Frau geht auf den Dachboden, um mit Jan, ihrem eifersüchtigen Ex-Mann, zu skypen. Die Dielen knarzen. Ob noch jemand anderes in der Wohnung sei, will er wissen. Sie kappt die Verbindung. Als Jan am nächsten Morgen in das Haus kommt, ist alles still. Er entdeckt einen roten Tropfen. Dann noch einen. Aus der verschlossenen Dachluke rinnt Blut. Seine frühere Frau liegt erschlagen da.

          Wie der Hannoveraner „Tatort. Spielverderber“ in den ersten Minuten grausige und sonnige Bilder, Licht und Schatten einfängt (Kamera: Andreas Doub), ist beachtlich. So könnte der Auftakt zu einem guten Film ausschauen. Doch dann sehen wir die Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) beim Autofahren auf ihrem Navigationsgerät tippen, ein Auto kreuzt, sie schubst es in den Straßengraben - und sogleich wähnt man sich in einer Romanze aus Cornwall, in der die blonde Schöne den Weg zum Herrenhaus sucht und dabei auf einen verwegenen Mann mit Dreitagebart trifft.

          Verkorkste Gefühlshaushalte

          Ihm begegnet Charlotte Lindholm bald wieder. Der verärgerte Autofahrer ist Oberst Andreas Friedrichs (Richard van Weyden) und verantwortlich für den Luftwaffenstützpunkt der Bundeswehr, auf dem Charlotte Lindholm sich umsieht, weil der tatverdächtige Jan Körner (Gerdy Zint) dort stationiert ist. Oberst Friedrichs nimmt seine Männer in Schutz, und auch vom Staatsanwalt kann die Kommissarin kaum Unterstützung erwarten. Denn wenn man im Umfeld der Luftwaffe ermittele, habe „man es gleich mit dem ganzen Apparat zu tun“. Charlotte Lindholm recherchiert trotzdem in ihrer gewohnt unterkühlten Manier weiter und deckt eine Liebesirrung und -wirrung nach der anderen auf. Eifersucht scheint das nächstliegende Mordmotiv zu sein.

          Fernsehtrailer : "Tatort: Spielverderber"

          Eigentlich wollte das Erste an den kommenden beiden Sonntagen eine Doppelfolge des „Tatorts“ mit Til Schweiger zeigen, in denen es um einen terroristischen Angriff gehen sollte. Nach den Anschlägen in Paris sah der Sender davon ab. Im nun ersatzweise ins Programm gehobenen Film von Hartmut Schoen geht es um verkorkste Gefühlshaushalte in einer verunsicherten Truppe, die zwar an ihre Mission glaubt, aber der Rechtfertigungen müde geworden ist. Der Oberst spricht von einer Bankrottarmee und schaut doch mit Begeisterung jeder Transall-Maschine nach. Damit kann er sogar die Kommissarin aus der Reserve locken, sprich: verführen.

          Aber all die Flugzeuge in diesem „Tatort“ dienen nur als Kulisse für ein Beziehungsdrama, in dem Ex-Männer Liebhaber verprügeln und Frauen treulose Typen anschreien und das in jedem beliebigen Unternehmen hätte spielen können. Dass der „Bild“-Chef Kai Diekmann als Leiche in der Gerichtsmedizin auftaucht, was für die Klärung des Falles ohne Bedeutung ist, fügt sich ins Bild. Da ist man froh über den Schluss. Der zumindest ist furios und wirkt nach.

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