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„Tatort“ aus Frankfurt : Kennen Hunde keine Gerechtigkeit?

Eben noch beim Abschlag, jetzt schon auf den Hund gekommen: Frederick Seibold (Helgi Schmid, Mitte) unter Tierfängern Bild: HR

Auf einmal gar nicht mehr so nett: Im Frankfurter „Tatort: Wer zögert ist tot“ nehmen Frauen Rache für männliche Unterdrückung.

          3 Min.

          Der Blick schweift über einen Golfplatz. Flirrende Hitze, man hört den Abschlag mit einem satten Plopp. Ein Kuckuck ruft. Ein in Beige-Farben gekleideter Mann eilt schwitzend dem Golfspieler entgegen. „Dein Vater, sagt, wenn du ihn kaputt machen willst, dann wirst du ihn kennenlernen.“ „Er soll zahlen“, sagt der Hipster mit der lila Sonnenbrille und setzt den nächsten Schlag in den Sand. Einen Augenblick später ist der Sekundant von eben verschwunden. Dafür umringen den Golfspieler vier schwarz gekleidete Gestalten mit Hundemasken auf dem Kopf und vorgehaltener Waffe. Er wird in einen Lieferwagen gezwungen. Eine Szene später gibt es einen Todesfall.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der fängt ja gut an, dieser „Tatort: Wer zögert, ist tot“, der erste neue nach elfwöchiger Sommerwiederholungspause, ein Fall für Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch): feinste Kameraarbeit (Jan Velten), eine Regie (Petra Lüschow) mit Stil-Willen, dazu ein vielversprechend verworren angelegter Fall. Was will man mehr? Vielleicht, dass es doch bitte schön so weitergeht. Geht es aber nicht, es zeigt sich vielmehr, dass dem Buch (ebenfalls Petra Lüschow) eine Idee zugrunde liegt – Frauen machen gemeinsame Sache im Kampf gegen männliche Unterdrückung –, aus der dann irgendwie ein „Tatort“ werden musste. Da wird dann alles hübsch eingepasst, was nicht wirklich zusammengehört, von der Klischeeparade ganz zu schweigen.

          Abgetrennte Finger im Kommissariat

          Frederick Seibold (Helgi Schmid), der lässige Golfspieler, den wir festgekettet auf einer Matratze in einem Kellerloch wiedersehen, ist der missratene Sohn des Immobilientricksers und Wirtschaftsanwalts Konrad Seibold (Bernhard Schütz). Auf dessen Geld haben es die Entführer abgesehen. Erst verschicken sie einen abgeschnittenen Finger, dann einen zweiten, doch zahlen will der Alte die geforderten vier Millionen Euro nicht. Er vermutet, dass sein Sohn selbst hinter der Entführung steckt. Die Kommissare Janneke und Brix fassen es nicht, wie Seibold senior reagiert. Auch das Auftreten von Fredericks Ex-Freundin Bille Kerbel (Britta Hammelstein), die zwei Kinder von ihm allein erzieht und am Hungertuch nagt, erscheint den beiden Frankfurter Ermittlern seltsam. Bille liefert den ersten abgetrennten Finger im Kommissariat ab. Als sich herausstellt, dass der Finger von einem Toten und nicht von Frederick Seibold stammt, sieht dessen Vater sich in seinem Verdacht bestätigt. Doch er wird noch einen dritten Finger erhalten, der zweifellos von seinem Filius stammt.

          Wäre Brixens Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) nicht, schleppte sich das für die doch recht ratlosen Kommissare so weiter und weiter. Wieso Fanny sich in eine Bar flüchten muss, weil sie einem Mann wiederbegegnet ist, von dem sie meint, er sei ein früherer Belästiger – worum es da geht, erfahren wir nicht –, bleibt ebenso offen wie die Frage nach der Wohnungssuche von Fanny und Brix, die es nur zu geben scheint, um eine Verbindung zur beruflichen Tätigkeit von Seibold senior herzustellen, in dessen Wohnzimmer Brix Wohnungsanzeigen auf Papier durchgeht, um vom Vater des Entführten prompt ein Angebot zu bekommen („Schweizer Straße, beste Lage“). Fanny hat sich derweil als Undercoveragentin in das Studio für Frauenselbstverteidigungskurse von Conny Kaiserling (Christina Große) eingeschlichen, auf welche die Kommissare über den Kontakt zu Bille Kerbel gestoßen sind. Und dann wäre da noch Leila el Mansouri (Tala Al-Deen), die als persönliche Assistentin für Seibold den Älteren arbeitet, obwohl sie ihrer Qualifikation nach sich Jobs der Spitzenklasse aussuchen könnte. Auch sie macht sich verdächtig, darauf kommen die beiden Kommissare allerdings reichlich spät.

          Wären wir im „Tatort“ aus Münster, der dezidiert als Comedy angelegt ist, könnte das alles passen, auch das „Ocean’s Eleven“-artige Ende der Geschichte. Doch sind dafür nötige Dialoge Mangelware. Sie schwanken zwischen dem Ausruf „Hunde kennen keine Gerechtigkeit“, den sich Seibold senior im Haustier-Streit mit seiner Nachbarin leistet, und ernsthaft gemeinten Einlassungen wie Connys Erkenntnis: „Wir Frauen sind zu nett erzogen. Wir müssen lernen, die Beißhemmung zu überwinden.“ Bei den Motivlagen der Beteiligten und Handlungssträngen sieht es nicht besser aus. Ob es sein könnte, dass am Sonntagabend mit dem „Triell“ bei RTL das spannendere Programm läuft? Mit diesem „Tatort“, bei dem die beiden Ermittler obendrein kaum zur Geltung kommen, verpasst man jedenfalls nichts.

          Der Tatort: Wer zögert, ist tot läuft am ­Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

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