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„Tatort“ aus Bremen : Die hundertundeins Straftaten des Hassan Nidal

  • -Aktualisiert am

Hassan Nidal (Dar Salim) schreckt weder vor Gewalt gegen Polizisten noch gegenüber seiner Ehefrau (Christine Heim) zurück Bild: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Um Bremen steht es schlecht in diesem „Tatort“, denn die Polizei fürchtet sich vor den Verbrechern. Für die Zuschauer ist das gut, denn die hanseatische Malaise verwickelt die Kommissare in einen packenden Kampf an zwei Fronten.

          In Bremen herrschen jetzt die Nidals. Familie Nidal, die in den achtziger Jahren aus der Osttürkei nach Deutschland kam, kontrolliert den Drogenmarkt der Hansestadt, und sie tut das mit aller Härte: Allein Hassan Nidal (Dar Salim), der tonangebende Sohn des Clans, kann auf mehr als hundert Straftaten zurückblicken, und weil von räuberischer Erpressung bis zu schwerer Körperverletzung alles dabei ist, fürchtet ihn auch die Polizei.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das ist schlecht für Bremen - aber gut für uns. Denn sosehr man die beiden Streifenbeamten bedauert, die Hassan Nidal nachts auf verlassenem Feld begegnen, so wohltuend ist die Geschichte über eine Stadt im Würgegriff skrupelloser Paten für die Zuschauer: Endlich, man muss es so sagen, ist in Bremen mal wieder was los.

          In besagter Nacht wird eine Polizistin von Hassan und seinen Brüdern halb totgeprügelt. Ihr Kollege David Förster (Christoph Letkowski) könnte sie retten, ergreift aber die Flucht. Das ist nicht sein einziger Fehler. Später will er, der eigentlich allen als „guter Bulle“ gilt, sein Versagen nicht einmal zugeben und behauptet stattdessen, sich an nichts erinnern zu können.

          Schnelligkeit, Komplexität, Wagemut

          Die Kommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) haben es also mit mehreren Gegnern zu tun: mit Gangstern, die gleichermaßen verwegen wie bis in höchste Kreise vernetzt sind, und mit einem Kollegen, den Angst und Stolz auf die falsche Fährte locken. Und dieses Ringen an zwei Fronten ergibt einen Film, der vieles von dem, was wir in den vergangenen Wochen sonntags über uns ergehen lassen mussten, an Schnelligkeit, Komplexität und Wagemut weit übertrifft.

          Das liegt vor allem daran, dass die Drehbuchautoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabler ein eisernes „Tatort“-Gebot außer Kraft setzen. Uns beschleicht nämlich bald das Gefühl, die Staatsgewalt könnte dieses Mal tatsächlich das Nachsehen haben. Wie tief sich Angst und Schrecken in die Stadt gefressen haben, erzählt der Film (Regie: Florian Baxmeyer) immer wieder auch in kleinen, feinen Szenen: Wie etwa der querschnittsgelähmte Zeuge, der zu Beginn noch mutig zu Protokoll gibt, was er gesehen hat, schweigt und vor Scham zu Hause mit seinem Rollstuhl im Kreis fährt; wie zwei Streifenpolizisten reglos im Wagen verharren, statt ihren Job zu tun - das sind Augenblicke, die wir im „Tatort“ nur noch selten sehen.

          Die aber in schönster Stille mehr über das Wesen der Gewalt erzählen, als viele versatzstückhafte Kommissaren-Dialoge es zuletzt getan haben.

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