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Talkshow „Bei Brender“ : „Ich bin nicht der Typ Pickelhaube“

Gruppenbild mit Schäuble - die Gäste der Premierensendung Bild: dapd

Am Donnerstag ist Nikolaus Brender bei n-tv mit seiner Talkshow „Bei Brender!“ auf die Fernsehbühne zurückgekehrt. Die Premiere ist gelungen. Denn sein erster Gast, Finanzminister Schäuble, musste tatsächlich Rede und Antwort stehen.

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          Man hatte Nikolaus Brender lange nicht mehr im Fernsehen gesehen, zum letzten mal richtig bewusst am Wahltag 2009 als Dompteur der „Elefantenrunde“. Kurz zuvor hatte die Union im Verwaltungsrat des Zweiten verkündet, dass sie seinen Vertrag als Chefredakteur nicht verlängern will. Und nach dem Sieg von Angela Merkel stand dem Ansinnen, Brender aus dem ZDF zu katapultieren, nichts mehr im Weg.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dass er zweieinhalb Jahre später wieder die Fernsehbühne betreten würde, hatte Nikolaus Brender sich damals wohl selbst kaum ausgemalt. Vor allem aber hatte er sich sicherlich nicht vorstellen können, dass ihm bei seinem Comeback ausgerechnet einer der bedeutendsten Unionspolitiker Rede und Antwort stehen würde. Als den Mann, der derzeit auf der Beliebtheitsskala deutlich vor Bundeskanzlerin Angela Merkel liege, stellte Brender seinen ersten Gast, Finanzminister Wolfgang Schäuble, vor. Die gehässige Bemerkung, dass die Bundeskanzlerin wahrscheinlich wegen dieser schlechten Umfrageergebnisse so überraschend nach China gereist sei, konnte er sich nicht verkneifen.

          Doch um politisches Appeasement soll es in Brenders Talkshow „Bei Brender!“, auch gar nicht gehen – das entspräche nicht dem Temperament des Moderators: „Wir zeigen ihnen, was klare Fragen und was klare Antworten sind“, formulierte Brender das Motto der Sendung. Und konnte dabei, was sympathisch wirkte, sein Lampenfieber nicht ganz überspielen. Flankiert von drei weiteren Journalisten wird er von nun an immer am ersten Donnerstag jeden Monats mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur bei n-tv über aktuelle Fragestellungen diskutieren.

          „Bei Brender“ im Studio am Donnerstag

          Die Premiere, die vor allem um die Euro-Rettung kreiste, gelang. Bisweilen wirkte die Talkshow jedoch eher wie ein Interview, das immer wieder zu einem Kreuzverhör mutierte. Die Sitzordnung im Studio legte das auch nah – mit seinen roten Stühlen, einer seltsamen roten Rampe und ellipsenförmigen Lichtspiegelungen an den Wänden erinnert es ein wenig an eine Miniaturausgabe der Kommandobrücke von Raumschiff Enterprise. Brender sitzt als Chef der Talkshow allein an einem Pult, am Tisch daneben seine drei Adjutanten – an diesem Abend in Gestalt der Journalisten Marc Beise („Süddeutsche Zeitung“), Ulrike Herrmann („taz“) und Jan Hildebrand („Welt“). Ihnen gegenüber wird der Gast an einem rot umrandeten Tisch plaziert.

          Zum Glück keine Scheingefechte mit anderen Gästen

          Der Finanzminister parierte die Fragen tapfer. Anders als bei anderen Talkshows kann sich der Gast bei „Bei Brender!“ zum Glück nicht in Scheingefechten mit anderen Gästen verlieren. Ob die europäische Idee nicht immer mehr an der Euro-Debatte zerrieben werde, wollte Brender wissen. Davon aber wollte der Finanzminister nichts hören und verwies auf die politischen Erfolge der EU. Ob er tatsächlich der Ansicht sei, dass eine Fiskalpolitik, die mit deutscher Pickelhaube daherkomme, nachhaltig sei, formulierte Brender seine Frage schärfer. „Ich bin nun Wirklich nicht der Typ Pickelhaube, und Frau Merkel schon gar nicht“, sagte Schäuble.

          Er bestritt, dass der von Deutschland durchgesetzte Fiskalpakt den Schuldenländern die Möglichkeit zu wirtschaftlichem Wachstum nehme. Bei Griechenland sei eher das Problem, dass die Verwaltung nicht in der Lage sei, die europäischen Investitionsmittel abzurufen. „Der Einfluss des Staates in Griechenland ist so hoch, wie einst der Einfluss des Staates in der DDR.“ Strukturelle Reformen seien die Voraussetzung, dass es wieder aufwärts gehe, auch in anderen EU-Ländern. Er sehe noch Chancen, dass die griechische Regierung es schaffe. Auch Irland und Portugal machten große Fortschritte.

          Wird es 2012 noch 17 Euro-Länder geben? „Ich hoffe ja.“

          Eine Beteiligung Deutschlands und anderer öffentlicher Gläubiger an einem Forderungsverzicht für Griechenland lehnte er ab. Die öffentlichen Gläubiger seien schon genug beteiligt und er könne nicht erkennen, dass der deutsche Anteil ein zu geringer sei. Auf die Frage, ob es Ende 2012 noch siebzehn Euro-Länder geben werde, antwortet Schäuble: „Ich hoffe ja.“

          Spekulationen über einen 1,5 Billionen Euro umfassenden Rettungsschirm wurden von Schäuble relativiert. Die „Financial Times Deutschland“ hatte berichtet, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sei über eine Kombination von Hilfen der Europäer und des IWF beraten worden, um auf diese Summe zu kommen. Dazu sagte Schäuble: „Es wurde von 1,5 Billionen geredet, aber die meinen dann Dollar: Wenn Sie das umrechnen und wenn Sie die Hälfte auf den IWF nehmen, dann sind die Zahlen nicht so dramatisch weit auseinander.“
          Für das Frühjahr kündigte Schäuble entweder eine Finanztransaktionssteuer für den Euroraum oder eine Abgabe nach dem Modell von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle an, sollte es nicht gelingen, eine EU-weite Steuer durchzusetzen.

          „Wir haben im Moment einen Bundespräsidenten“

          Anders als im ZDF bei der „Elefantenrunde“, wo am Ende der Sendung jeder der fünf Gäste eine letzte Frage von Brender gestellt bekam, schloss man bei n-tv mit vier Fragen. Jene, die sehr viele Menschen im Moment beschäftigen dürfte, stellte Ulrike Hermann von der „taz“: Ob er es ausschließen könne, jemals Bundespräsident zu werden, fragte sie. „Das kann man wohl ausschließen, wir haben im Moment einen Bundespräsidenten“ antwortete Schäuble. Und verwies charmant auf sein Alter.
           

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