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„Tagesthemen interaktiv“ : Ein doppelter Testfall

Im Internet am Start: „Tagesthemen interaktiv” Bild: ARD aktuell

Die ARD hat eine Testversion von „Tagesthemen interaktiv“ ins Netz gestellt, bei der die Nutzer die Sendung unterbrechen können, um Hintergrundinformationen abzurufen. Die Sendung ist ein formales Experiment. Und sicher nicht nur das.

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          Kaum ist der neue Rundfunkänderungsstaatsvertrag in Kraft, schickt die ARD ihren ersten großen Testballon aus, um herauszufinden, was im Internet so alles möglich ist: Seit diesem Samstag steht das Projekt „Tagesthemen interaktiv“ im Netz, die Probesendung einer mediengerechten Umsetzung der Nachrichtensendung im Ersten.

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Im Unterschied zu den klassischen „Tagesthemen“ kann der Nutzer dabei Nachrichtensprecherin Caren Miosga unterbrechen, um Hintergrundberichte oder ältere Beiträge zu den einzelnen Themen abzurufen. Die Probeversion, betont „Tagesschau“-Chef Kai Gniffke im Blog, sei „sicher kein neues Format, das demnächst an den Start geht“, sondern diene dazu, der Redaktion „mehr Klarheit darüber verschaffen, in welche Richtung wir weiterdenken sollten.“

          Was ist hier Sendung, was darauf bezogen?

          Den Testcharakter der Sendung macht schon die Inaktualität der behandelten Themen deutlich: es geht um die amerikanische Präsidentschaftswahl (mit interaktiven Prognosen und Karten), die Waldbrände (im allgemeinen sowie besonders in Kalifornien) und irgendwie ums Weiße Haus, wobei die Nachricht im letzten Fall eben darin zu bestehen scheint, dass man bei den interaktiven „Tagesthemen“ auf virtuelle Besichtungstour gehen kann. Es sei denn, es liegt irgendein heimlicher Nachrichtenwert in der Tatsache, dass die Spaßvögel der „Tagesschau“ ausgerechnet einen Uralt-Bericht von Claus Kleber über den Auszug des scheidenden Präsidenten Clinton dafür verwendet haben.

          Womöglich hilft ja der Dialog mit den Nutzern der ARD tatsächlich, herauszufinden „auf welche Weise künftig Menschen Informationsangebote nutzen möchten“. Auf welche Weise aber die ARD Informationen anbieten darf, müssen andere beantworten. Insofern ist der Test auch ein medienpolitischer, Probecharakter hin oder her. „Sendungsbezogen“ lautet dafür der entscheidende Begriff. Die Frage aber, was hier Sendung ist, und was darauf bezogen, lässt sich schon formal kaum noch beantworten.

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