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Tagesspiegel gesteht Fehler : Alles nicht gemacht

So sah das aus: Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Aktion #allesdichtmachen. Bild: dpa

Der Tagesspiegel hatte früh über vermeintliche Hintermänner der Aktion #allesdichtmachen berichtet. Inzwischen rudert das Blatt zurück und entschuldigt sich öffentlich für handwerkliche Fehler.

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          Wenn der Verdacht einer querdenkenden Elitenverschwörung im Raum steht und Fernsehdeutschlands Lieblinge sich daran beteiligt haben sollen, ist die Aufregung groß, wird mit dem Finger gezeigt, werden Fehler gemacht.

          Auch deshalb hat die Chefredaktion des Tagesspiegels hat eine Erklärung in eigener Sache zur Berichterstattung über die Social-Media-Aktion #allesdichtmachen veröffentlicht, bei der 53 prominente Schauspieler in kurzen Videos die Corona-Politik der Regierung und die Medien angingen. Als sich Kritik regte, die der Aktion eine Nähe zur Querdenker-Szene unterstellte, zogen einige ihre Beiträge zurück.

          Der Tagesspiegel – Motto, nach Vergil: „Rerum cognoscere causas“ (Die Ursachen der Dinge erkennen) – hatte aufgrund von Hinweisen eine Berichterstattung aufgelegt, die sich auf die Mitarbeit eines, erst nachträglich als „Juniorpartner“ deklarierten, Recherchenetzwerks namens „Antischwurbler“ stützte. Die Zeitung stellte unter anderem den Arzt und Mitgründer des Vereins „1bis19“, Paul Brandenburg, und den Regisseur Dietrich Brüggemann als Drahtzieher von #allesdichtmachen dar.

          Politische Einordnung aufgrund von „Kontaktschuld“

          Aussagen von Brandenburg wurden als „antidemokratisch“, in einer späteren Fassung online als „populistisch“ bezeichnet. In einem zweiten Text hieß es, der „Babylon Berlin“-Schauspieler Volker Bruch und Moritz Bleibtreu hätten sich federführend beteiligt und Kollegen rekrutiert. Daraufhin meinte die „Welt“, der Tagesspiegel sei Hinweisen einigermaßen blind gefolgt, ohne Stellungnahmen von den als vermeintliche Drahtzieher ausgemachten Personen einzuholen. Zudem gründe die politische Einordnung der Aktion (die sicher einige fragwürdige Elemente enthält) vornehmlich auf „Kontaktschuld“ und dem „Beifall aus der falschen Ecke“.

          In der Erklärung in eigener Sache distanzierte sich der Tagesspiegel von der Bezeichnung „antidemokratisch“. Das sei nicht „durch Brandenburgs Äußerungen gedeckt“. Auch ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben – was unterblieb – sei „eigentlich ein journalistisches Muss“. Bei dem erwähnten Recherchenetzwerk handele es sich um acht Personen, die Demonstrationen der Querdenker-Szene besucht und zu „extremistischen Tendenzen“ recherchiert hätten. Die Mitglieder wollten anonym bleiben. Ihre Identitäten seien der Redaktion bekannt.

          In einem Video der Reihe „Tagesspiegel Live“ saßen sich am Dienstagabend nun Paul Brandenburg und drei Tagesspiegel-Redakteure gegenüber. Die stellvertretende Chefredakteurin Anna Sauerbrey entschuldigte sich zu Beginn bei Brandenburg. Der wiederum nutzte die Gelegenheit nicht nur, um die eingestandenen „handwerklichen“ Fehler hart zu kritisieren, sondern sich zugleich als informierter Freiheitskämpfer zu inszenieren – was ihm zum Teil leider so gut glückte, dass man den Eindruck bekam, er moderiere den Abend. Hätte man ihn doch bloß vorher gefragt.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

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