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Zum Tod von Wilhelm Wieben : Klare Ansage

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Von 1973 bis 1998 Sprecher der „Tagesschau“: Wilhelm Wieben Bild: dpa

Stets seriös, kompetent und hoch professionell: Der ehemalige „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben ist tot. NDR-Intendant Lutz Marmor erklärt: Man werde ihn „vermissen“.

          Der ehemalige „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in Hamburg. Das teilte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit. Von 1973 bis 1998 stand Wieben als Sprecher in den Diensten der „Tagesschau“. Zuvor war der an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin ausgebildete Schauspieler am Theater aufgetreten und als Hörfunk-Sprecher sowie Ansager im Fernsehen im Einsatz. Der „Tagesschau“-Redaktion gehörte er schon einige Jahre als Off-Sprecher an, bevor er zu einem ihrer prominentesten Gesichter wurde. Nach seiner letzten „Tagesschau“ blieb der gebürtige Dithmarscher konsequent: „Es war für mich eine wunderschöne Berufszeit. Aber wenn es vorbei ist, ist es vorbei“, sagte er einmal. Da hatten ihn Musiker wie Falco („Jeanny“), Udo Lindenberg („Mein Ding“) und die Band Fettes Brot („Können diese Augen lügen“) bereits in Songs verewigt.

          NDR-Intendant Lutz Marmor sagte in einer Pressemitteilung: „Wilhelm Wieben hat über Jahrzehnte die Tagesschau geprägt. Stets seriös, kompetent und hoch professionell. Als Sprecher hat er Generationen begleitet. Wilhelm Wieben gehörte zu den prägenden deutschen Fernsehpersönlichkeiten, immer freundlich, zugewandt und nah bei den Zuschauerinnen und Zuschauern.“ Man werde ihn „vermissen.“

          Die Schauspielerin Inge Meysel brachte Wieben im Jahr 1995 in die Schlagzeilen, als sie 1995 in einem „Stern“-Interview öffentlich seine Homosexualität ansprach. „Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben“, sagte Meysel. Die Reaktionen danach seien einhellig positiv gewesen, erzählte Wieben später und erklärte: „Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht.“

          Der 1935 im schleswig-holsteinischen Hennstedt geborene Wieben hatte nach NDR-Angaben in den 50er und 60er Jahren zunächst eine Verwaltungslehre und dann eine Schauspielausbildung durchlaufen. Danach arbeitete er beim Radio bei den ARD-Anstalten Radio Bremen und NDR. 1966 wechselte er zu der beim NDR angesiedelten Redaktion ARD Aktuell, die für die „Tagesschau“-Sendung verantwortlich ist.

          Ab 1972 war er demnach im Bild zu sehen, 1974 erstmals als Sprecher der zentralen Ausgabe um 20.00 Uhr. 1998 verließ er die „Tagesschau“ auf eigenen Wunsch, die letzte Sendung mit Wieben als Sprecher war am 24. Juni 1998.

          Nebenher war Wieben unter anderem als Schauspieler aktiv. Er stand von 1981 bis 1990 unter anderem in der Mozart-Oper „Entführung aus dem Serail“ an der Hamburgischen Staatsoper auf der Bühne.

          Wieben hatte zudem eine Leidenschaft für die plattdeutsche Sprache. Er veranstaltete Lesungen und schrieb mehrere plattdeutsche Bücher. Nach seinem Ausscheiden bei der „Tagesschau“ moderierte er zwischen 1996 und 2002 Sendungen für den NDR, etwa die Reihe „Melodie der Meere“.

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