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Tagesschau-App : Das falsche Versprechen

Andere Gestalt, gleicher Inhalt: Tagesschau-App Bild: ard

Die Tagesschau-App ist da. Der Download ist umsonst. Kostenlos ist sie selbstverständlich nicht, sie wird von allen Gebührenzahlern finanziert. Nach Mehrwert sucht man vergeblich. Der Vergleich der App mit „tagesschau.de“ ist ernüchternd.

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          Als die designierte ARD-Vorsitzende Monika Piel Anfang des Monats Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden von Springer traf, schien sie zu etwas Unerhörtem aufgelegt. Sie äußerte sich zu den „Apps“, den Applikationen für Smartphones, auf welche die Verlage große Hoffnungen setzen und bei denen sie die Konkurrenz der gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender besonders fürchten. „WDR-Intendantin für kostenpflichtige Apps“, meldete anschließend die Deutsche Presse-Agentur. Das war vor zwei Wochen. Gestern wurde die hochumstrittene „Tagesschau“-App der ARD freigeschaltet. Sie ist – kostenlos.

          Marco Dettweiler
          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Kostenlos ist sie selbstverständlich nicht, sie wird von allen Gebührenzahlern finanziert, ob sie ein Smartphone haben oder nicht. Die Medienpolitiker der Länder, angeführt vom Ministerpräsidenten Kurt Beck aus Rheinland-Pfalz, haben den Rundfunkauftrag von ARD und ZDF auf sämtliche Empfangsgeräte ausgedehnt, die Sender können funken, senden, übertragen, twittern, wie sie wollen, auch dem Appetit auf Apps ist keine Grenze gesetzt.

          Eine Verschlankung mit Mehrwert

          Doch unabhängig davon: Auch bei der App eines öffentlich-rechtlichen Senders stellt sich die Frage nach dem Mehrwert gegenüber seinen Online-Angeboten. Der Vergleich der Smartphone-Anwendung mit „tagesschau.de“ ist ernüchternd. Die ARD bietet letztlich die Inhalte der Webseite in reduzierter Form an. Diese Verschlankung erzeugt allerdings auch einen Mehrwert. Vom Ballast der linken und rechten Spalte der Webseite befreit, fällt der Blick des Nutzers sofort auf die aktuellen Meldungen, das Navigieren fällt leichter. Die Beiträge sind in gewohnter Weise multimedial mit Video- und Audiomaterial der Sender aufbereitet. Der aktuelle Bericht über das Winterchaos enthält den ARD-„Brennpunkt“ vom Vortag ebenso wie den Bericht aus der „Tagesschau“. Der Beitrag zum Winterwetter unterscheidet sich aber dadurch in keiner Weise von dem, der auf „tagesschau.de“ zu finden ist. Innovativ ist das nicht. Einer inhaltlichen Herausforderung hat sich die ARD somit nicht gestellt. Dafür hat sie die technische vorbildlich gemeistert. Videos und Audios starten ohne Verzögerung, Bild und Ton sind von brillanter Qualität, der Live-Stream ist ruckelfrei. Auch die Bedienoberfläche der App ist gelungen. Doch eine technisch einwandfreie App durfte man von einem öffentlich-rechtlichen Sender auch erwarten.

          Und die Einlassung der WDR-Intendantin Monika Piel zu dem nun doch kostenlosen Auftritt der „Tagesschau“? Die muss man schon ganz genau lesen. „Wenn alle kommerziellen Apps kostenpflichtig werden“, hatte sie gesagt, „würde ich mich in der ARD dafür einsetzen, dass keine kostenlosen mobilen Anwendungen angeboten werden.“ Auf die „Tagesschau“-App bezogen, hatte Piel gesagt, sie würde sich für eine Entgeltpflicht einsetzen, „wenn alle journalistischen Apps kostenpflichtig wären“. Die Verlage müssten versuchen, journalistische Inhalte gegen Bezahlung zu verbreiten. Das, mit Verlaub, tun die Verlage und müssen sie auch, sie bekommen für ihre journalistischen Leistungen ja keine Gebühren. Aber es wird auch bei den Apps immer – wie im Augenblick – jemanden geben, der ein Geschäftsmodell darin zu erkennen glaubt, dass er seine Inhalte verschenkt. Dies zu unterbinden, ist eine ebenso große wie wahrscheinlich aussichtslose Aufgabe für die Verlegerverbände, die sie gleichwohl mit Vehemenz annehmen müssen. Monika Piel muss derweil nicht fürchten, dass sich bei der „Tagesschau“-App etwas ändert.

          Sie hat ihr Versprechen so formuliert, dass sie es im Zweifel nie einlösen muss. Im Gespräch mit dieser Zeitung lautet ihre aktuelle Einschätzung wie folgt: „Da die ,Tagesschau‘-App ausschließlich bereits im Internet vorhandene Inhalte anbietet, ist sie selbstverständlich kostenfrei. Kostenpflichtige Apps der ARD müssten einen deutlichen Mehrwert bieten.“ Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisiert die kostenlose App als rechtswidrig (weil nicht allein Sendungen aus Fernsehen oder Radio begleitend) und wettbewerbsverzerrend.

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