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SWR-„Tatort“ im Ersten : War sie es, oder war sie es nicht?

  • -Aktualisiert am

Sarah (Ruby O. Fee) hat ein Geständnis abgelegt. Doch soll man ihr glauben? Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) und Kollege Bootz (Felix Klare; nicht im Bild) haben Zweifel Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Das Leben des Kommissars Bootz ist anstrengend. Wie erleichternd könnte das Geständnis eines Mädchens sein, doch der Ermittler zweifelt - kein Wunder bei dieser Tatort-Geschichte.

          2 Min.

          Stuttgart, das zeigen gleich die ersten Szenen in diesem „Tatort“, hat eine dunkle Seite. Zuerst ahnt man sie nur hinter den funkelnden Lichtern, die, aus der Vogelperspektive aufgenommen, der abendlichen Stadt tatsächlich einen morbid-mondänen Schimmer verleihen. Dann sieht man diese Seiten aus der Nähe: Jugendliche, die auf Spielplätzen ihre Zeit totschlagen; Wohnsilos, die sich, man weiß nicht wo, jedenfalls weit weg von der gemütlichen Hanglage, befinden müssen; dazwischen ein paar mit Geldsorgen und Überforderung kämpfende Sozialarbeiter in „Klaus Haus“, die diejenigen zu retten versuchen, die noch zu retten sind.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          In diesem Milieu ist der Fall angesiedelt. Die Umstände des Mordes, den es zu lösen gilt, spiegeln sich ein wenig in den Verhältnissen, in denen sich der Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) seit einiger Zeit zurechtfinden muss. Wir erinnern uns: Seine Frau hat ihn verlassen, weil sie sich in einen an den Rollstuhl gefesselten Mann verliebte. Seither gibt es in seinem Leben, so beschreibt er das beim Bier seinem Partner Thorsten Lannert (Richy Müller), „gerade Wochen“, in denen er Single, und „ungerade Wochen“, in denen er „alleinerziehender Vater“ ist. Die Kinder leiden natürlich unter diesem Spagat. Und selbst wenn das Elend, mit dem es die Jugendlichen in „Klaus Haus“ in ihrem Alltag zu tun haben, weit weg von Bootz’ Kindern ist, weiß man doch, wovor der Kommissar die Seinen bewahren will.

          In der Toilette „erdrunge“

          Die Fallhöhe zwischen den Milieus ist beträchtlich, und der „Tatort. Happy Birthday, Sarah“ (Regie: Oliver Kienle, Drehbuch: Wolfgang Stauch) kann sie nicht immer glaubwürdig überbrücken. Besser wäre es wohl gewesen, man hätte den neuen Leiden des Kommissars etwas weniger Platz eingeräumt und sich stattdessen auf den Fall konzentriert.

          Der Ermittler mit seinen Kindern: Die Familie von Sebastian Bootz (Felix Klare) ist ein Fall für sich Bilderstrecke
          Der Ermittler mit seinen Kindern: Die Familie von Sebastian Bootz (Felix Klare) ist ein Fall für sich :

          Zumal dessen Darsteller, allen voran die junge Ruby O. Fee, ihre Sache ganz ausgezeichnet machen. Sie spielt Sarah Baumbach, die jüngste Tochter einer Familie, deren Mitglieder alle schon im Gefängnis saßen. Halt gibt ihr allein das besagte Jugendzentrum, in dem der Sozialarbeiter Andreas Haber (Nikolaj Brucker) eines Morgens tot aufgefunden wird. Er wurde in der Toilette ertränkt - „er isch erdrunge“, wie der schwäbische Gerichtsmediziner präzisiert. Sarah sagt, sie sei es gewesen.

          Weil sie aber erst dreizehn Jahre alt und nicht strafmündig ist (und weil auch die restliche Sendezeit gefüllt werden muss), stellt sich die Frage, wen sie decken könnte. Das Bemerkenswerte in Ruby O. Fees Darstellung liegt darin, dass sie die verschiedenen Möglichkeiten im Spiel hält. Sarah könnte es gewesen sein, man traut es ihr zu. Genauso aber nimmt man ihr ab, dass sie jemanden schützt. Denn dass ihr nichts mehr fehlt als eine Person, an die sie glauben und zu der sie halten kann, spricht ebenfalls aus ihren Gesten. Ruby O. Fee versteift sich in ihrer Rolle nicht auf eine Haltung, sie schwankt zwischen Trotz, Coolness, Zerbrechlichkeit und Mut und hilft dem Film über die Schwäche eines Drehbuchs hinweg, das zu viele Geschichten auf einmal erzählen will.

          Darüber lassen sich auch jene kleinen Szenen beinahe übersehen, in denen sich der Film, in guter alter „Tatort“-Tradition, darum bemüht, die Beziehung seiner beiden Kommissare Lannert und Bootz zueinander zu entwickeln. Deren anfängliche Skepsis gegenüber dem jeweils anderen ist jedenfalls gewichen. Sie hat mehr und mehr einem Bündnis Platz gemacht, das leise und loyal ist und zu dem Getöse, mit dem Stuttgart hier inszeniert wird, nicht recht passen will.

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