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SWR-Sparprogramm : Zwei Orchester minus eines ist keines

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Ein Spitzenensemble für die ältere wie für die neueste Musik: Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg spielt Hans Zenders „logos-fragmente“ Bild: Charlotte Oswald

Die geplante Fusion der beiden Klangkörper des SWR ist nicht durchdacht. Es gilt sie aufzuhalten. Der Rundfunkrat ist am Zug.

          In Stuttgart wird Mitte dieses Monats der Hörfunkausschuss des Südwestrundfunks zusammentreten. Anlass der Zusammenkunft: die Zukunft der beiden im SWR existierenden Rundfunksinfonieorchester - des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg.

          Durch den Zusammenschluss der vormals eigenständigen Rundfunkanstalten Süddeutscher Rundfunk (SDR) in Stuttgart und Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden, geregelt in einem Staatsvertrag von 1998 der beteiligten Länder, besaß der neue SWR gleich zwei Sinfonieorchester, zu denen dann in Kaiserslautern das SWR-Rundfunkorchester trat, das vornehmlich der gehobenen Unterhaltungsmusik diente und inzwischen mit dem Radio-Sinfonieorchester des benachbarten Saarlandes zur Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern vereinigt worden ist.

          Das ist die Ausgangslage. Sowohl bei der Fusion der beiden Sender als später auch vom derzeitigen Intendanten Peter Boudgoust bei dessen Amtsantritt gab es deutliche Bekundungen für die Fortexistenz der beiden Sinfonieorchester. Das scheint jetzt „Schnee von gestern“ zu sein. Der SWR will bis 2020 rund 25 Prozent seines Etats einsparen, die Kultur dabei nicht ausgenommen.

          Mit Hilfe einer Unternehmensberatung hat die SWR-Intendanz alles durchrechnen lassen und ist zu dem Ergebnis gekommen: Beide Sinfonieorchester müssen entweder verkleinert werden, oder sie müssen fusionieren zu einem größeren Orchester mit 110 bis 115 Mitgliedern. Derzeit gibt es bei den Stuttgartern 102, bei den Baden-Baden/Freiburgern 98 Planstellen. Die Reduktion beträfe etwa 80 bis 90 Musiker.

          Der Protest und seine guten Gründe

          Gegen diese Pläne erhob sich nach kurzem Erschrecken erheblicher Protest, sogar weltweit, von Musikern, Komponisten, Dirigenten, von Politikern und vor allem von Bürgern, für die die Teilnahme am Musikleben mehr bedeutet als nur Zerstreuung. Rund 25 000 Unterschriften (oder entsprechende „Klicks“) finden sich bis jetzt auf dem Verzeichnis orchesterretter.de. Die Mitglieder des Hörfunkausschusses hätten auf ihrer bevorstehenden Sitzung Entscheidendes zu bedenken.

          Wer zwei Orchester fusioniert, zerstört die Individualität beider, ihre künstlerische Identität. Ein daraus resultierendes „Großorchester“ wäre nur eine Ansammlung von hundert wurzellosen Musikern, die vielleicht in zwanzig Jahren zu einer eigenen Identität fänden. Will man das? Dann: Beide Orchester besitzen einen bemerkenswerten Rückhalt in ihrer jeweiligen Region, im Großraum Stuttgart und in der oberrheinischen Region von Freiburg bis Mannheim mit rund vier Millionen Bewohnern.

          Sie „versorgen“ nicht nur mit ihren Konzerten musikbegeisterte Menschen, sondern wirken mit ihren Musikern zugleich in vielerlei Hinsicht positiv auf ein lebendiges Musikleben ein - als Lehrer an Musikschulen, als musikalische Animatoren in Schulen (in denen der offizielle Musikunterricht verkümmert) und weiteren pädagogischen Initiativen, und das alles ehrenamtlich. Wäre das nicht einen staatlichen Zuschuss für die Orchester wert?

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