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SWR-Chef Kai Gniffke : Von Wuhan bis Mainz

Seit dem 1. September des vergangenen Jahres Intendant des SWR: Kai Gniffke. Bild: obs

In Mainz sagt der SWR-Intendant Kai Gniffke, warum er die Dokumentation „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ aus dem Programm nahm. Ein paar Fragen sind aber noch offen. Digital stellt der SWR sich derweil groß auf.

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          Optimal sei das nicht gelaufen, sagte der Intendant des Südwestrundfunks, Kai Gniffke, bei einer Pressekonferenz des Senders in Mainz. Gemeint ist der Umgang mit der abgesetzten Dokumentation „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“. Der Film war fertig, für Journalisten vorab zwei Tage zu sehen, am Vorabend der geplanten Ausstrahlung vor zwei Wochen zog ihn der SWR zurück. Warum? Weil, wie Intendant Gniffke sagte, unklar gewesen sei, ob man die nötigen Senderechte an dem Filmmaterial besaß, das die Produktionsfirma „Gebrueder Beetz“ vom China Intercontinental Communications Center (CICC) bezogen hatte. Angesichts dessen habe er entschieden: „Das Risiko ist mir zu hoch.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Geklärt sind die Fragen nach den Verträgen, die der SWR und die auch über den Fall berichtende Journalisten den Produzenten gestellt haben, noch immer nicht. Unklar ist nach den Worten von Kai Gniffke auch, ob die Produzenten den Vertrag mit dem CICC, das zum Informationsbüro des chinesischen Staatsrats gehört, überhaupt unterschrieben haben. Man sei noch dabei, den Fall aufzuarbeiten, sagte Gniffke. Man sei jedoch nicht im Begriff gewesen, chinesische Propaganda zu verbreiten. Es sei auch nicht generell ausgeschlossen, Material des chinesischen Rundfunks zu verwenden, wenn dies ausgewiesen sei. Genau das macht der Film, sogar sehr deutlich, wie sich aus der Warte eines der wenigen, die den Film sehen konnte, sagen lässt.

          Im Programm, in der Organisation und beim Personal setzt der SWR indes auf Innovation. Thomas Dauser, der seit 2011 die Intendanz leitete, hat am 1. Juni die neue Einheit „Innovationsmanagement und Digitale Transformation“ übernommen. Diese soll, nach Dausers Worten, gewissermaßen ein „virtuelles Netzwerk“ über den SWR werfen und im Verein mit den Redaktionen digitale journalistische Produkte entwerfen, die im besten Fall dem Markt „um ein Jahr voraus“ seien. Am 1. September nimmt das neue Innovationslabor des Senders, das „SWR X Lab“, in Baden-Baden seine Arbeit auf. Es wird geleitet von Vanessa Wormer, die zuletzt das Datenjournalismus-Team der „Süddeutschen Zeitung“ führte. Die Nachfolge des legendären SWR-Justitiars Hermann Eicher, der in Ruhestand geht und für die ARD unter anderem in Sachen Rundfunkbeitrag ein hochgeachteter Chefdiplomat war, treten zum 1. September gemeinsam Alexandra Köth und Katrin Neukamm an.

          Seinem Angebot nach setzt der SWR darauf, mit allen in der Gesellschaft in Dialog zu treten. Das Programm „Bock auf Medien“ ermöglicht Jugendlichen und jungen Erwachsenen, den Sender kennenzulernen; Formate wie „Die Scheune“ und „Handwerkskunst“ setzen auf Entschleunigung, die Doku-Serie „Bayreuther Straße“ wirft den Blick auf Menschen, die in einem sozialen Brennpunkt leben, und mit der Reihe „Nachtstreife“, die Polizistinnen und Polizisten in Mainz begleitet, zeigt sich der SWR auf der Höhe der Aktualität.

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