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Südafrika-Dokumentation : Den Gegner verstehen

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Nelson Mandela (1918-2013) Bild: Frank Röth

Der Abosender History zeigt einen beeindruckenden Film über das Ende der Apartheid: „Miracle Rising – Südafrikas Weg in die Freiheit“.

          2 Min.

          Als Nelson Mandela 1962 in einem südafrikanischen Gefängnis verschwand, konnte niemand ahnen, dass seine Freilassung am 11. Februar 1990 zu einem Ereignis werden sollte, dass die Welt veränderte. Innerhalb von vier Jahren handelte der ANC-Führer mit der  Regierung Frederik de Klerk eine neue Verfassung und freie Wahlen aus.

          „Unser Kampf, unsere Verfassung und unsere Demokratie sind mit Sicherheit vorbildlich“, sagt die Schauspielerin Charlize Theron in dem Dokumentarfilm „Miracle Rising – Südafrikas Weg in die Freiheit“, den der Abokanal History am heutigen Samstag zeigt.   Drei Jahre hat sich Regisseur Brett Lotriet Best Zeit genommen, vierzig Zeitzeugen wie den ehemaligen Geheimdienstchef Niel Barnaard und prominente Beobachter interviewt und bis dato unbekanntes  Archivmaterial zutage gefördert. Daraus entstanden ist ein Film, der  nie Partei ergreift, sondern darum bemüht ist, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Aus diesem Kaleidoskop schält sich dann das „Wunder“ heraus: kein Bürgerkrieg, sondern ein gemeinsamer Weg in die Zukunft.

          „Wir mussten nur Schwarze und Weiße vereinen“

          „Wir hatten Glück: Wir mussten nur Schwarze und Weiße vereinen und hatten keine religiösen Probleme“, sagte Roelf Meyer, der  ehemalige südafrikanische Verteidigungsminister und Verhandlungsführer der National-Partei, bei der  Premiere von „Miracle Rising“ in Johannesburg. „Was wir taten, war besser als alle anderen Alternativen“, ist sich Meyer sicher und lobt die Dokumentation, „weil noch niemand das Geschehen so umfassend dargestellt hat. Einige Szenen, zum Beispiel vom Trojan Horse-Massaker waren so noch nie zu sehen.“

          Am 15. Oktober 1985 hatten Polizisten von einem getarnten Lastwagen aus in einem Vorort von Kapstadt jugendliche Apartheid-Gegner beschossen. Drei Menschen starben, fünfzehn wurden verletzt. Kaum zu glauben, dass Nelson Mandela nach seiner Freilassung den Unterdrückern die Hand reichte und 1995 in der Wahrheits- und Versöhnungskommission weißen Mördern Straffreiheit zusicherte, wenn sie ihre Taten beichteten. Die Töchter der Mordopfer, etwa der gegen Apartheid engagierten Journalistin Ruth First, die durch eine Briefbombe der südafrikanischen Polizei ums Leben kam, hadern mit dieser Regelung bis heute – auch das macht die Dokumentation deutlich.

          „Wir bekämpfen ein System, nicht einzelne Leute“

          Seine Zeit im Gefängnis hatte Nelson Mandela in einen Friedenskämpfer verwandelt, der  seinen Mistreitern  empfahl, das verhasste Afrikaans zu lernen, um den Gegner besser zu verstehen. Seine Mitgefangenen auf Robben Island erinnern sich, wie er sie während der gemeinsamen Arbeit im Steinbruch überzeugte. Einer von ihnen, Mac Maharaj, war ein wichtiger Verhandlungspartner im Einigungsprozess und ist heute Sprecher des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. Im Gespräch sagte Maharaj: „Wir leben in einem Land, in dem klar war: Wir bekämpfen ein System und nicht einzelne Leute. Wir haben die Apartheid bekämpft.“

          Die Dokumentation „Miracle Rising“ lässt zahlreiche  Prominente von Robert de Niro bis Bono, Oprah Winfrey und das Ehepaar Clinton zu Wort kommen. Sie berichten, was die Nachricht von der Befreiung und Wahl Mandelas zum Präsidenten ihnen bedeutete. Das klingt an manchen Stellen schon wie ein Nachruf. Mandelas heutiges  Schweigen wird von vielen Südafrikanern auch als Missbilligung der aktuellen Politik seines Nachfolgers Jacob Zuma interpretiert. Ein Sprecher Mandelas sagte, man müsse „akzeptieren, das Mandela 95 Jahre alt ist und respektieren, dass er sich von der aktiven Politik zurückgezogen hat. Er ist nicht gegen den ANC. Die Leute, die das behaupten, träumen.“ Wie  es um Nelson Mandelas Gesundheit bestellt ist, verrät der Weggefährte auch. Als er ihn kürzlich besuchte,  habe Mandela  ihn zunächst nicht erkannt. „Beten Sie für Mandelas Leben. Wir wissen nicht, was passiert, wenn er nicht mehr ist“, sagt  der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen von Johannesburg.

          Miracle Rising – Südafrikas Weg in die Freiheit läuft an diesem Samstag, 16. Februar, um 20.15 Uhr bei History.

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