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Suchmaschine : Macht Google glücklich?

Suche in Büchern: Das neue Projekt von Google Bild: AP

Jede Neuheit von Google wird als Innovation angepriesen. Doch was bringt es, den eigenen Namen zu googeln oder das eigene Haus in Google Maps zu überfliegen? Vielleicht schafft es das neueste Projekt, die Welt etwas zufriedener zu machen.

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          Es gehört längst zum guten Ton, bei allem, was mit Google zusammenhängt, in Begeisterungsstürme auszubrechen und jedes neue Google-Projekt als Innovation, besser, als „kleine Revolution“ der Medienwelt zu begrüßen.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und natürlich ist das von Larry Page und Sergey Brin gegründete Unternehmen eine sehr nützliche und gar nicht mehr wegzudenkende Sache, solange man nicht gerade den falschen Informationen auf den Leim geht. Trotzdem macht die ganze Googelei eben auch unendlich müde.

          „Guck mal, unser Haus!“

          Wenn man mal ehrlich ist, googeln wir uns ständig am eigenen Leben vorbei. Da kommt einer morgens ins Büro, googelt erst mal den eigenen Namen (je mehr Einträge, desto besser seine Laune); wenn gerade nichts zu tun ist, den von Ex-Freundinnen oder Freunden von früher; gerne wird auch die Bekanntschaft vom gestrigen Abend überprüft, was, wenn sie denn drinsteht, immer nur ratlos stimmen kann; dann geht's weiter zu Google Earth, um die liebe Heimatstadt zu besichtigen („Guck mal, unser Haus!“) oder zu Google Bilder, auf der Suche nach Fotos, die so etwas wie das neue Familienalbum sind. Glücklicher ist man deshalb nicht.

          Seit dieser Woche gibt es nun „Google Books“, wieder unbestrittenermaßen eine Mini-Revolution: Tausende von Büchern, deren Urheberrecht erloschen ist (nach US-Recht Titel, die vor 1923 erschienen), wurden aus dem Bestand der großen angloamerikanischen Bibliotheken eingescannt und können unter dem Link „Volltextsuche in Büchern“ kostenlos im pdf-Format heruntergeladen und ausgedruckt werden.

          Spuren des Lebens

          Schneller und billiger ist man an Bücher nie gekommen, was vor allem für die universitäre Forschung von großem Wert ist. Auch wenn Jean-Noel Jeanneney, Direktor der französischen Nationalbibliothek, grollt - er sollte sich, wie auch die europäischen Verlagshäuser, die jetzt gegen Google klagen wollen, der Herausforderung lieber stellen.

          Immerhin sind es papierne Büchereien, die eingescannt den Datenbestand der digitalen Bibliotheken sichern. Google Books ist super, so wie Google Earth und überhaupt Google super sind. Es ist aber nur Google.

          Den ganzen Tag will man damit nicht verschwenden - und jetzt betritt gerade ein Kollege den Raum und fängt an, furchtbar über Google zu schimpfen: Walter Benjamin hätte gesagt, daß wohnen heiße, Spuren zu hinterlassen, im Netz könne man aber nicht wohnen, und, gemessen an den Spuren des Lebens, seien digitale Spuren, ipod statt CD, Google Books statt Hardcover, gar nichts. „Wo steht das denn bei Benjamin?“ - „Weiß nicht, kannst du ja mal googeln.“

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