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Schumachers House of Love : Suche Drecksau fürs Leben

Wer eine Challenge gewinnt, bekommt von Cora Schumacher einen goldenen Knochen. Und das ist nicht das Sonderbarste am „House of Love“. Bild: Joyn

Schon eine Stunde dieser Sendung leiert einem die Kriterien für Fernsehen völlig aus: Rennfahrerin Cora Schumacher geht im Container auf Partnersuche und gibt nebenbei denkwürdige Sätze von sich.

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          Hätte es nicht wenigstens eine der hübschen Villen sein können, die MTV für vergleichbaren Trash anmietet? Damit das Interieur und die Gartenanlagen einen darüber hinwegtrösten, dass im Zentrum der Aufmerksamkeit angeprollte Typen in Jogginghosen stehen? Aber nein, auf Sat 1 findet die Partnersuche in einer Bude statt, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Big-Brother-Container hat und ganz erstaunliche Mengen von textilem Tiger- und Leopardenprint aufbietet. „Cora Schumachers House of Love“ heißt das Ganze, und man möchte mit einem halb vergessenen Popsong fragen: Wenn das Liebe ist, was ist dann Hass?

          Aber die Hauptperson scheint es ernst zu meinen, womöglich als Einzige. Cora Schumacher, Model, Rennfahrerin und Exfrau von Ralf Schumacher, möchte sich verlieben. Das gestaltete sich seit ihrer Scheidung eher schwierig, oder wie sie es ausdrückt: „Ich fahre seit zwanzig Jahren Autorennen – für manche Männer ist das wie Eier ab.“ Nur einer der vielen denkwürdigen Sätze, mit denen sie aufwartet; sofort kommt das dringende Bedürfnis auf, alles mitzuschreiben, um es später noch einmal indigniert betrachten zu können. Sie sei eine sehr starke Frau, suche aber trotzdem einen Beschützer, „’ne Drecksau im Bett und ’n Ass am Schreibtisch“. Kein Problem, möchte man da sagen, dann soll sie sich eben drei von den zehn Kandidaten aussuchen, aber Cora Schumacher will wirklich nur einen, das Kandidatenfeld macht sie sogar eher nervös.

          „Stück Brot dazu?“

          Zum Glück muss sie dieser Herausforderung nicht allein entgegentreten, sondern hat ihr Hündchen Jeannie dabei, an dem sie sich zu Beginn festhält wie eine Ertrinkende. Dabei läuft das Kennenlernen ganz gut, wenn man davon absieht, dass sie bei einem Schweizer mehrmals nachfragen muss, als der seinen Beruf mit „Aussteiger“ angibt und auch „Privatier“ nicht so über die Lippen bekommt, dass Schumacher ihn verstehen würde. Kann ihre Liebe diese Sprachbarriere überwinden? Auch nicht ganz ideal scheint der Kandidat zu sein, der siebzehn Jahre jünger als sie ist. Man befindet sich ja doch an unterschiedlichen Punkten im Leben, man hat nicht den gleichen Schatz an Erfahrungen gesammelt und vielleicht noch ganz andere Bedürfnisse, das gilt es alles zu bedenken – Cora Schumachers Sorge allerdings ist eine ganz andere: „Ich möchte ja als Frau gucken, dass ich auch so ein bisschen geführt werde.“

          Acht Tage hat sie Zeit, um die Kandidaten im Container zu prüfen, bis am Ende das große Finale mit drei Kandidaten ansteht. Man lernt sich näher kennen bei Einzeldates, die fürchterlicherweise ebenfalls im Container stattfinden, während die anderen Kandidaten sich in die Schlafhöhle zurückziehen müssen und nichts vom selbstgerollten Sushi abkriegen. Jeden Tag gibt es sogenannte Challenges – zu Beginn müssen die Herren die übermenschliche Aufgabe bewältigen, ihre eigenen Betten zusammenzuschrauben, während Cora Schumacher ihre Performance und ihre Hintern genau beobachtet. Einer rülpst laut, sie ruft ihm jovial zu: „Stück Brot dazu?“ Voll Sympathie zwinkern die beiden sich zu. Romantisch, wie sich hier das Herz zum Herzen findet.

          Der Gewinner dieser Schraubaktion bekommt Immunität für den abendlichen Rausschmiss, versinnbildlicht durch einen goldenen Hundeknochen, den Cora Schumacher ihm überreicht. Da wundert einen allerdings schon längst nichts mehr, es hätte sich auch um eine silberne Ananas handeln können, die hier verliehen wird. Schon eine Stunde dieser Sendung leiert einem die Kriterien für unterhaltsames Fernsehen völlig aus, obwohl der ironische Kommentator aus dem Off ein guter Begleiter durch dieses dunkle Höllenloch ist. Am Ende grillt die ganze Bagage in Schluffiklamotten, einer muss gehen, die anderen müssen bleiben. Aber zugucken muss man nur, wenn man wirklich ein großes Herz für Trash hat.

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