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Stummer Sender Friesen TV : An der Küste macht ein Sender wenig Worte

  • -Aktualisiert am

Schweigend genießen: Friesen TV braucht nicht viel Worte Bild: dpa

Fernsehen ohne Wortbeiträge? Dem Sender Friesen TV sind per Gesetz Texte und Moderationen untersagt. Der Fernsehkanal macht die Not zur Tugend und sendet ein Programm, das nur aus impressionistischen Bilderfolgen besteht. Das Konzept findet Anklang in der Bevölkerung.

          Schwere Lastwagen zwängen sich durch die Ortsdurchfahrt von Schwagstorf. Das Dorfgasthaus kommt ins Bild. Ein Pkw biegt ab. Sensationell. Kameramann Michael Kenning begleitet den Vorgang mit einem Schwenk. Ein Schnitt zurück auf die zuckelnden Fahrzeuge. Dann endet der von sanfter Musik begleitete Fernsehbeitrag.

          Regelmäßig gelangen in Teilen des niedersächsischen Kabelnetzes unspektakuläre Ortsansichten aus Weilern wie Menslage, Belm und Löningen zur Ausstrahlung. Manchmal wird der meditativ anmutende Sendefluss von einem Gewinnspiel unterbrochen. Die eingeblendete Frage lautet: „Die Stadt Wilhelmshaven liegt am wunderschönen: Jadekopf, Jadebein Jadebusen?“ Zu gewinnen gibt es einen Eimer Matjes oder gar das „Matjes-Rundum-sorglos-Paket“.

          Bilder in stummer Folge

          Diese Mischung aus dem holprigen Charme naiven Bürgerfernsehens und der übermütigen Experimentierfreude des frühen RTL plus verdankt sich dem Friesischen Rundfunk (FRF). Täglich schwärmen die Kameraleute des bei Wilhelmshaven ansässigen Lokalsenders aus, um einen Steingarten in Bippen oder die Textilproduktion in der Nordhorner Museumsfabrik zu filmen und ihre Impressionen in Form stummer Bildfolgen auf die Mattscheibe zu bringen. Nur so geht es - journalistische Präsentationsformen sind ihnen verboten, selbst Moderationen nur unter bestimmten Modalitäten möglich.

          Karl-Heinz Sünkenberg hatte ursprünglich anderes im Sinn. Der gebürtige Niedersachse drehte ehedem als freier Produzent Beiträge für Magazinsendungen großer Sender, Image- und Schulungsfilme und vieles mehr. Bis ihn der Beruf an die Gestade Frieslands führte. Beim Überfliegen der Landschaft kam ihm spontan die Idee, direkt an der Küste eine Regionalstation aufzubauen, wie es gleich mehrere in Bayern gibt. Doch während südlichere Bundesländer lokale Hörfunk- und Fernsehsender mit Blick auf die Meinungsvielfalt fördern, untersagt Niedersachsen regional begrenzten Rundfunk, sofern er auf kommerzieller Basis betrieben wird.

          Kuriose Vorschriften, gewitzte Lösungen

          Gerade der Standort aber lag Karl-Heinz Sünkenberg am Herzen. „Erst habe ich mich in das Land verliebt, dann das Konzept zusammengebaut, dann bin ich zur Landesmedienanstalt“, sagt er. Er nutzte ein Schlupfloch des Mediengesetzes, das den Betrieb eines sogenannten „Telemediums“ wie etwa eines Verkaufskanals ohne weiteres erlaubt. Das setzt jedoch den Verzicht auf „meinungsbildende lippensynchrone Inhalte“ voraus, erklärt Christian Krebs von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt. Über das Filmbild hinausgehende Informationen dürfen nur durch Schrifteinblendungen gegeben werden. Wortbeiträge sind nur zulässig, wenn sie sich auf das eigene Programm beziehen oder dem Handel dienen.

          „Ich dürfte Honig verkaufen“, sagt Karl-Heinz Sünkenberg, „aber ich dürfte den Bienenzüchter nicht fragen, ob er schon mal gestochen worden ist.“ Kuriose Vorschriften, die beim Friesischen Rundfunk zu gewitzten Lösungen geführt haben. So bietet der FRF Mitschnitte einzelner Sendungen an, um etwa eine in Doppelmoderation präsentierte Programmübersicht gesetzeskonform als Verkaufssendung annoncieren zu können.

          Sag niemals Dankeschön

          Fernsehen ohne Wortbeiträge - jedermann riet Sünkenberg anfangs davon ab, einen Sender zu gründen. Er selbst hegte massive Zweifel. Und nahm das Projekt mit typisch norddeutscher Dickköpfigkeit dennoch in Angriff. Nach zehn Monaten Vorbereitung mit Anfangsinvestitionen von 225000 Euro ging der FRF im September 2005 auf Sendung, zunächst unter dürftigsten Umständen. Eine deutliche Verbesserung brachte im Dezember 2007 der Umzug von Hinte nach Sande, wo das inzwischen fünfzehn Mitarbeiter umfassende Unternehmen einen Studiokomplex mit tausend Quadratmeter Fläche bezog. In einem Bereich arbeitet FRF noch immer geradezu archaisch: Das tägliche Programm wird auf Festplatten aufgespielt und per Bote zu den Kopfstationen der Kabelanbieter gefahren. Eine preiswerte, aber riskante Lösung, auch wenn für Notfälle immer ein zweiter Datenträger vorgehalten wird. „Wir glauben, das sei ausgeklügelt“, witzelt Sünkenberg, „aber ob es das ist, weiß ich nicht, weil wir noch nie so richtig gefordert wurden.“

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