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Stummer Sender Friesen TV : An der Küste macht ein Sender wenig Worte

  • -Aktualisiert am

Leicht bitter klingt der Senderchef, wenn er berichtet, dass er viel Lehrgeld zahlen musste. Zeitweilig fand Sünkenberg regelmäßig gerichtliche Abmahnungen in der Post, wenn ihm oder seinen Mitarbeitern Verstöße gegen das Mediengesetz unterlaufen waren, Bagatellen wie ein eingeblendetes Dankeschön an einen lokalen Friseurmeister. Ein andermal wurde in einer pfiffig als „Teleshopping“ ausgewiesenen Sendung pro forma eine Tasse Kaffee nebst Brötchen feilgeboten, jedoch vergessen, das Segment als Werbung auszuweisen. Nichtigkeiten, deren kostenträchtige Ahndung bald existenzbedrohende Formen annahm: „Ich habe hier viel investiert. Wenn das in die Hose gegangen wäre, hätte ich zum Sozialamt gehen können“, sagt Sünkenberg.

Solidarität in der Bevölkerung

Lokale Gewährsleute sind der Meinung, dass man im Kreis örtlicher Zeitungsverleger die an sich lässlichen Sünden des Senders akribisch registrierte und weiterleitete, weil man den FRF als Konkurrenz betrachtet. Für Sünkenberg eine unbegründete Annahme. Seiner Ansicht nach können lokale Print- wie Telemedien wirtschaftlich ohne weiteres nebeneinander bestehen. Sünkenberg entschloss sich zu einem Schritt, der die ohnehin sehr bunte Sendergeschichte um eine schillernde Anekdote bereicherte: Er stellte dort, wo er die Quelle des Ungemachs vermutete, den Sendebetrieb ein und ließ 55.000 Haushalte ohne Versorgung.

Spätestens jetzt zeigte sich, dass die Friesen dieses seltsame Fernsehangebot nicht nur akzeptiert hatten, sondern sich sogar für dessen Erhalt in die Bresche warfen. Die Website des FRF wurde mit Solidaritätsbekundungen überflutet. Es fielen Worte wie Abonnementskündigung und Anzeigenboykott, mehr als fünfhundert FRF-Anhänger fanden sich auf dem Wittmunder Marktplatz zu einer Sympathiedemonstration ein. Daraus hätten, so Sünkenberg, alle Seiten gelernt. „Wir auch“, betont er.

Wüster Schabernack

Heute kann Sünkenberg den zahlreichen Rückschlägen sogar Gutes abgewinnen. „Dadurch hat der Sender einen wahnsinnigen Schub bekommen“, sagt er. Sein Unternehmen erreicht 525.000 Haushalte und ist damit einer der größeren unter den Kleinsendern. Der FRF schreibt schwarze Zahlen. Das Verhältnis zu den Zuschauern gestaltet sich familiär. Wenn die Moderatorin Kerstin Walczik verschnupft ist, wird die Redaktion mit Gesundheitstipps überschwemmt. Und als Sünkenberg erwähnte, dass er Mohnkuchen möge, erreichten den Sender ganze Paletten des Gebäcks. Freiweg bezeichnet Sünkenberg seinen FRF als „Heile-Welt-Sender“: „Wir liefern Wellness für die Augen.“

Manchmal aber treibt er in echter Bagalutenmanier wüsten Schabernack. Am 1. April blieb der FRF-Kanal ohne Bild. Man habe, so bekam das unfreiwillig schwarz sehende Publikum zu hören, endlich die lang erhoffte Radiolizenz erhalten und werde aus Kostengründen künftig auf der Fernsehfrequenz nur noch Hörfunk veranstalten. Eine mit frappanter Konsequenz durchgehaltene Eulenspiegelei mit Happening-Qualitäten, die selbst Harald Schmidt alle Ehre gemacht hätte - und die dem FRF Berge an Zuschauerpost eintrug.

Karl-Heinz Sünkenberg will sein bisheriges Konzept allenfalls behutsam variieren, auch wenn das Verbot kommerziellen Lokalfunks eines Tages fallen sollte. In der aktuellen Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP ist dies als vages Vorhaben formuliert: „Die Koalitionspartner wollen prüfen, ob lokaler kommerzieller Rundfunk die einheimische Medienlandschaft zusätzlich beleben könnte.“ Geplant ist je ein Pilotprojekt fürs Radio und für das Fernsehen. Auf die folgende Ausschreibung wird sich jeder Interessierte bewerben können. Auch der Friesische Rundfunk. Der die im Koalitionsvertrag anklingende Frage doch eigentlich bereits beantwortet hat.

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