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Mangelnde Medienkompetenz : Studie zeigt: Viele erkennen Fake News nicht

  • -Aktualisiert am

Eine Studie hat untersucht, wie anfällig Nutzer für Desinformation sind: Über soziale Medien verbreiten sich Falschnachrichten besonders schnell. Bild: AP

Wäre der Umgang mit Informationen im Internet ein Schulfach, hätten nur wenige Nutzer bestanden. Eine jüngst erschienene Studie zur Medienkompetenz macht deutlich, wie schwer es vielen fällt, Falschnachrichten zu erkennen.

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          Nachrichten zu verbreiten ist heutzutage leicht. Ob es sich dabei um tatsachengestützte Information oder um Desinformation handelt, spielt keine Rolle. Letztere verbreitet sich im Netz bekanntlich mit größerer Geschwindigkeit als Berichterstattung, die sich um objektive Darstellung bemüht. Die Stiftung Neue Verantwortung wollte herausfinden, wie kompetent Nutzerinnen und Nutzern mit der Informationsgebung im Internet umgehen. In Zusammenarbeit mit der Firma Pollytix Strategic Research hat die Stiftung einen Test entwickelt, um dies herauszufinden. Eine funktionierende Demokratie sei auf gut informierte Bürger angewiesen, heißt es im Paper zur Studie. Folgt man dieser, sind die Deutschen doch ein Stück weit davon entfernt, „gut informiert“ zu sein.

          Nur 13,3 von dreißig möglichen Punkten erreichten die Teilnehmer im Durchschnitt beim Online-Test zur digitalen Nachrichtenkompetenz. Defizite gab es an vielen Stellen: bei der richtigen Einordnung von Informationen, beim Erkennen von Kommunikationsabsichten und Interessenkonflikten und bei Kenntnissen zum journalistischen Arbeiten sowie den Funktionsweisen von Algorithmen und Suchmaschinen. Den 4191 Befragten im Alter von achtzehn Jahren an aufwärts gelang es zum Teil nicht, Falschnachrichten von Nachrichten und Meinungsbeiträge von tatsachenorientierten Artikeln zu unterscheiden oder ein Advertorial zu erkennen, also eine als Artikel aufgemachte Werbeanzeige, trotz Hinweis.

          Männer schnitten beim Test mit durchschnittlich 14,2 Punkten besser ab als Frauen (12,5), Teilnehmer mit niedriger formaler Schulbildung erzielten weniger Punkte (11,2) als solche mit höherem Bildungsgrad (16,2). Die Altersgruppe von achtzehn bis neunundzwanzig erwies sich mit einem Mittelwert von 15,2 Punkten medienkompetenter als die Generation über sechzig, die mit 12,4 Punkten unter dem Durchschnitt lag. Deutliche Unterschiede zeigten sich auch mit Blick auf die politische Ausrichtung der Befragten: FDP-nahe Teilnehmer schnitten mit durchschnittlich 15,8 Punkten am besten ab, AfD-Anhänger (11,4 Punkte) am schlechtesten, wobei Faktoren wie Alter und Bildungsniveau auch hier hätten berücksichtigt werden müssen.

          Viele glauben, Medien lügen systematisch

          Mit einem in der Studie eingeführten „Citoyen-Index“ sollte neben der Medienkompetenz der Teilnehmer auch ihr Vertrauen in Politik, Demokratie und Medien geprüft werden sowie die Wertschätzung für unabhängigen Journalismus und die Fähigkeit, Meinungen zu tolerieren, die von der eigenen abweichen. Wer einen hohen Citoyen-Index hatte, erzielte auch im Test zur Medienkompetenz verhältnismäßig viele Punkte. Wer kaum Vertrauen in die Medien hat, weiß der Studie zufolge auch wenig über die journalistische Arbeitspraxis. Nur 71 Prozent der Befragten kannten den Pressekodex, fast jeder Vierte nahm fälschlicherweise an, Nachrichten über einen Bundesminister müssten vom entsprechenden Ministerium genehmigt werden. Ähnlich viele Befragte meinten, die Medien belögen die Bevölkerung systematisch.

          Die Macher der Studie, die vom Büro der Kulturstaatsministerin, der Bundeszentrale für politische Bildung und den Landesmedienanstalten von Berlin-Brandenburg und Nordrhein-Westfalen unterstützt wird, führen die ernüchternden Testergebnisse auf eine unzureichende digitale Bildung zurück. Auch der Journalismus müsse mehr leisten. Er sei gefordert, den Nutzern bei der Orientierung im Meinungslabyrinth des World Wide Web zur Seite zu stehen. Meinungsbeiträge müssten noch deutlicher als solche gekennzeichnet werden, sonst könne die Medienskepsis steigen. Wenn Falschnachrichten aber in Messenger-Diensten oder auf Social-Media-Plattformen die Runde machen, seien Journalisten nahezu machtlos und schon lange keine Gatekeeper mehr.

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