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Serdar Somuncu und Radioeins : Streng überwacht vom Programmchef

  • -Aktualisiert am

Serdar Somuncu, hier vor zwei Jahren im Theater Konstanz während einer Pressekonferenz. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) läuft der Podcast, den er gemeinsam mit Florian Schroeder bestreitet. Bild: dpa

Was ist denn nun mit Satire? Serdar Somuncu wird aufgrund politisch unkorrekter Aussagen in einem Podcast von radioeins angefeindet. Beim verantwortlichen Sender RBB versuchte man sich in Schadensbegrenzung. Das sorgte für noch mehr Verwirrung.

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          Am kommenden Sonntag werden die Zuschauer die zweite Ausgabe eines Podcast von Serdar Somuncu und Florian Schroeder hören. Das ist eigentlich nicht weiter erwähnenswert, angesichts der zahllosen vergleichbaren Formate. Sich über Gott und die Welt zu unterhalten, erfreut sich großer Beliebtheit. Aber wer hat schon die Zeit, sich das stundenlang anzuhören? In der ersten Ausgabe brachten es die beiden Comedians auf eine Sendezeit von mehr als drei Stunden. Sie erreichten mit ihrer Live-Übertragung auf Instagram an diesem 6. September wenige hundert Hörer. Reaktionen gab es nicht.

          Dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn diesen Podcast nicht radioeins vom RBB produziert hätte. Der Sender hatte das neue Format vollmundig angekündigt. Hier hätten sich „zwei Titanen des gesprochenen Wortes“ zusammengeschlossen, „streng überwacht von der Bundesregierung unter direkter Anleitung von Bill Gates und einem Gremium von Virologen und Impffanatikern.“ Dieser müde Witz sollte wahrscheinlich die Richtung vorgeben: Hier bekommen alle Saures, die gemeinhin unter Rechtspopulismus verbucht werden.

          So verstaubte der Podcast ungehört auf der Internetseite von radioeins. Das änderte sich am 15. September als ein Journalist aus dem 191 Minuten langen Gespräch zwei Minuten auf seinem Twitter-Account veröffentlichte. Somuncu äußerte sich dort beleidigend über Frauen. Der sexualisierte Sprachgebrauch hörte sich an, wie nach zu viel Alkoholgenuss am Stammtisch. Entsprechend wirbelte dieser Ausschnitt den Staub auf, den der bis dahin ignorierte Podcast angesammelt hatte. Es folgte ein Shitstorm gegen Somuncu. Die Vorwürfe lauteten Rassismus, Sexismus und Misogynie. 

          Hat es sich um „satirische Überspritzung“ gehandelt?

          So kam es zum Kampf der Titanen - anders als gedacht: Radioeins-Programmchef Robert Skuppin kämpfte mit den Comedians, den Kritikern und schließlich mit sich selbst. Er entschuldigte sich bei allen, die sich „beleidigt und herabgewürdigt fühlen“, nahm den Podcast aus dem Netz und veröffentlichte ihn anschließend wieder in einer bearbeiteten Fassung. Gleichzeitig bestand der Sender darauf, diese „aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate“ seien nur im Kontext zu verstehen. Es habe sich um „satirische Überspritzung“ gehandelt, womit die Verwirrung komplett war.

          Der Sender entschuldigte sich beim Gefühlsleben einiger Zuhörer für aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Zugleich wurde die Satire zum belanglosen Gerede degradiert, obwohl gerade die Zuspitzung verborgene Wahrheiten sichtbar machen soll. Im Kontext des Zitats ging es um Authentizitätswahn und Cancel Culture. Es sollte in der Überspitzung jenen Mechanismus sichtbar machen, der dem Sprachgebrauch eine Art magische Wirkung unterstellt. Jeder darf zwar alles sagen, aber nur im Rahmen des gerade herrschenden Gefühlslebens, versteht sich.

          In Wirklichkeit wird niemand wegen Somuncu seine Meinung über Frauen ändern. Auf die Idee, den größten Unsinn weiterhin einfach als größten Unsinn zu kritisieren, kommt niemand mehr. Somuncu wollte diese Logik sichtbar machen, und wurde mit den Reaktionen auf seiner Äußerungen groteskerweise genau darin bestätigt.

          Schroeder und Somuncu legten „mit der einen entscheidenden Frage, die so nie gestellt wurde, den Finger in die Wunde“, schrieb der RBB in einer Pressemitteilung zum neuen Format. Die überforderte nicht nur den Programmchef von radioeins. Die Comedians könnten es am kommenden Sonntag auch mit müden Witzen versuchen. Sie könnten es aber auch lassen.

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