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TV-Film zu Hannelore Kohl : War sie die Frau im Schatten?

Er habe „große Achtung“ vor ihrem Lebenswerk, sagt Filmproduzent Nico Hofmann: Hannelore und Helmut Kohl im Sommer 1998 am Wolfgangsee. Bild: dpa

Der geplante Film über Hannelore Kohl fällt aus und sorgt doch weiter für Streit. Sohn Walter Kohl meint, seine Mutter wäre als „Dummchen ohne eigene Meinung“ gezeigt worden. Die Produzenten kontern: Kohl wisse nicht, was Objektivität ist.

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          Dass ein geplantes Dokumentardrama über Hannelore Kohl nicht gedreht wird, hatte der NDR Anfang des Monats mitgeteilt. Warum – das glaubt Walter Kohl zu wissen, dessen Mutter und Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl sich im Juli 2001 das Leben genommen hatte. Das Projekt, sagte er in der Zeitschrift „Bunte“, bewege sich „auf dem Qualitätsniveau einer Soap“, es sei „völlig inakzeptabel.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dafür sind der Drehbuchautor und Regisseur Raymond Ley und der Produzent Nico Hofmann freilich nicht gerade bekannt. Sie weisen sie die Kritik „aufs Schärfste“ zurück. Die Geschäftsführung der Ufa Fiction, teilt die Produktionsfirma mit, distanziere sich „von den unzutreffenden und unsachlichen Äußerungen“ Kohls. „Die subjektive Geschichtsinterpretation der Kohl-Söhne und eine objektive Perspektive, die einem Doku-Drama zugrunde liegt“, hätten sich nicht miteinander vereinbaren lassen, so die Ufa.

          Mit den Kohl-Söhnen war nichts zu machen

          Den Plan, den Zweiteiler „Hannelore Kohl – Eine Frau im Schatten“ zu drehen, habe man folglich aufgegeben, „da mit ihrem Sohn Peter Kohl keine einheitliche Sichtweise auf die Anlage der Hauptfigur gefunden werden konnte“. Am Drehbuch hätten nicht nur Raymond Ley, „einer der angesehensten und preisgekrönten Dokumentarfilmer, sondern auch namhafte Berater und Experten“ mitgewirkt. Der NDR hat zwischenzeitlich stattdessen eine Dokumentation in Auftrag gegeben.

          „Unsere Mutter wird durchgängig als kleinbürgerliches Dummchen ohne eigene Meinung dargestellt“: Peter (links) und Walter Kohl.
          „Unsere Mutter wird durchgängig als kleinbürgerliches Dummchen ohne eigene Meinung dargestellt“: Peter (links) und Walter Kohl. : Bild: dpa

          „Unsere Mutter wird durchgängig als kleinbürgerliches Dummchen ohne eigene Meinung dargestellt,“ klagte Walter Kohl in der „Bunte“. Er mache nicht bei einem Projekt mit, „für das ich mich am Grab meiner Mutter schämen muss“. Der Vorwurf, Hannelore Kohl werde als „kleinbürgerliches Dummchen ohne eigene Meinung dargestellt wird“, sei sachlich nicht zu halten, entgegnet die Ufa Fiction. Sie werde im Drehbuch „als autonomer Charakter gezeichnet, der eigenständig und stark agiert und deren Wirken und Wirkung“ auf den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl „vor allem im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung deutlich wird“.

          „Die geäußerten Schmähungen“, sagte der Produzent Nico Hofmann, überraschten ihn, zumal sie sich auf eine Drehbucharbeit bezögen, die noch nicht abgeschlossen war. Raymond Ley zähle zu den angesehensten deutschen Dokumentarfilmern, „seine herausragende Fähigkeit“ liege „darin, Interviews, Dokumentarisches und inszenierte Szenen zu kontrastieren und zu verweben. Die Schwierigkeit in der Trennschärfe zwischen persönlichem Erlebnis, historischer Recherche und der speziellen Verfahrensweise bei dokufiktionalen Filmen, sind auf Seiten der Brüder Kohl nicht verstanden worden.“ Er habe „große Achtung vor dem Lebenswerk von Helmut und Hannelore Kohl“, sagte Hofmann. Nichts liege ihm „ferner, als ein solches Lebenswerk klischeehaft zu denunzieren.“

          Als Experten hatte die Ufa unter anderem den Historiker Gottfried Niedhart und den Journalisten Jörg Hafkemeyer engagiert. Walter und Peter Kohl seien durch einen Beratervertrag in das Projekt eingebunden gewesen. Zudem habe man die Rechte an Peter Kohls und Dona Kujacinskis Buch „Hannelore Kohl – Ihr Leben“ erworben.

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