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„Berliner Zeitung“ vs. „Zeit“ : Streit in der Hauptstadt

Beteiligt sich auch an Start-Ups, die in den Blättern seines Verlages mitunter lobend erwähnt werden: der Verleger Dieter von Holtzbrinck Bild: dpa

Verleger im Clinch: Nach einem „Zeit“-Artikel vom November, der sich mit finanziellen Nöten der „Berliner Zeitung“ beschäftigte, schlüsselt diese nun die Firmenbeteiligungen von Dieter Holtzbrinck auf.

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          Der Holtzbrinck-Verlag und die „Berliner Zeitung“ fühlen sich wechselseitig auf den Zahn. Zankapfel könnte ein Artikel der zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden „Zeit“ vom November 2021 sein. Der Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, hatte Mitte Januar versucht, gegen Passagen des Textes am Landgericht Hamburg eine Gegendarstellung zu erwirken, da er das Finanzierungsmodell seiner Zeitung falsch dargestellt wähnte. Laut dem Medienportal Kress, das aus einer Antwort der „Zeit“ zitiert, hat Friedrich den Antrag jedoch kürzlich wieder zurückgezogen, nachdem ihm das Gericht mitgeteilt habe, es bestehe wenig Aussicht auf Erfolg. Auf seinen zweiten Antrag hat das Landgericht Hamburg indes die „Zeit“ zum Abdruck einer Gegendarstellung verpflichtet, die sich auf die beiden Punkte des Artikels hinsichtlich des Finanzierungsmodells der „Berliner Zeitung“ bezog.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Auch nach dem Kauf der „Berliner Zeitung“ von DuMont im Jahr 2019 durch Silke und Holger Friedrich kam das durch diverse Sparmaßnahmen angeschlagene Blatt nicht zur Ruhe. Verschiedentlich wurden Vorwürfe laut, die Berichterstattung der Zeitung richte sich auch nach den wirtschaftlichen Interessen und Beziehungen des Verlegers. Dann machte die „Welt“ öffentlich, dass Holger Friedrich in der DDR als „Inoffizieller Mitarbeiter“ (IM) der Stasi geführt wurde – eine Untersuchung durch die ehemalige Stasiunterlagen-Beauftragte Marianne Birthler sowie den Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk entlastete ihn weitgehend. Der „Zeit“-Artikel aus dem November mit dem Titel „Ihr Erlöser. Oder ihr Untergang“ zeichnete ein Bild, demzufolge die finanzielle Not weiterhin groß sei, während sich die Spannungen zwischen Verleger und Redaktion verstärkten.

          Am vergangenen Samstag veröffentlichte die „Berliner Zeitung“ im Ressort Geld & Unternehmen dann auf vier Seiten ein Stück mit dem Titel „Schön & Kuschelig: Das Biotop Holtzbrinck“, das sich ausführlich mit den Firmenbeteiligungen des Verlegers Dieter von Holtzbrinck beschäftigt. Dabei geht es um Firmen, über die sich – wie beispielsweise über das Berliner Start-up LiveEO, das auf „Satelliten-basiertes Infrastruktur-Monitoring“ spezialisiert ist, und an dem von Holtzbrinck als Investor beteiligt sein soll – freundliche Unternehmensporträts im ebenfalls zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden „Tagesspiegel“ finden. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, sagte Holger Friedrich, der Bericht habe nichts mit dem „Zeit“-Artikel vom November zu tun. „Auch wenn der Gedanke naheliegend ist.“

          Auf Seiten des „Tagesspiegels“ will man laut SZ jedoch nun interne Abläufe und Transparenzrichtlinien überprüfen, wenngleich man erklärt, es sei „kein Fall bekannt, in dem es einen mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss der Gesellschafter, des Verlages oder der Geschäftsführung auf die Berichterstattung im Tagesspiegel“ gegeben habe.

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