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Streik der Drehbuchautoren : Jeder gegen alle im Filmparadies von Hollywood

  • -Aktualisiert am

In Hollywood kämpfen die Autoren um ihre Rechte im Internet. Doch das Online-Medium ist nicht nur Konkurrenz, sondern auch eine Chance für die Autoren: Sie müssen es nur als solche begreifen und nutzen.

          „Die Autoren haben das Angebot der Produzentenvereinigung abgelehnt, oder?“, fragte Tom Hanks am vergangenen Donnerstag auf einer Pressekonferenz zu seinem neuen Film „Charlie Wilson's War“ und warf einen Seitenblick auf seine Public-Relations-Leute. Die zuckten bloß mit den Schultern, woraufhin Hanks nachzog: „Niemand weiß etwas.“ Hanks ist als einer der ersten Schauspieler von den Auswirkungen des Autorenstreiks in Hollywood direkt betroffen: Seine „Da Vinci Code“-Fortsetzung „Angels and Demons“ wurde wegen halbfertiger Drehbücher in der vergangenen Woche auf Eis gelegt. In der Fernsehlandschaft sind seit dem Beginn des Ausstandes am 5. November bereits zahlreiche Produktionen zum Erliegen gekommen.

          Die Ratlosigkeit sogar vermeintlicher Insider wie Tom Hanks geht auf eine Informationssperre zurück, welche die Parteien über die Verhandlungen zum Autorenstreik verhängt hatten, nachdem wütende Autoren in Internet-Blogs pikante Dokumente veröffentlicht und in frechen Video-Persiflagen den Produzentenverband AMTPT der Lächerlichkeit preisgegeben hatten. Das eiserne Schweigen gebar erwartungsgemäß haltlose Spekulationen, die eine knapp bevorstehende Einigung ebenso heraufbeschworen wie eine unabsehbare Dauer des Ausstandes. Doch am Freitag wurde deutlich, dass aus der von den Parteien liebevoll so genannten „neuen wirtschaftlichen Partnerschaft“ erst einmal nichts wird: Die Autorengewerkschaft hat abgelehnt.

          „Erster Riss im Damm“

          Das Angebot hätte den Autoren Mehreinnahmen von rund 130 Millionen Dollar pro Jahr gebracht. Was nicht wenig sei, auch wenn das Wiederholunghonorar einer einstündigen Sendung im Internet gerade mal 250 Dollar sind - im Fernsehen selbst könne das bis zu 20.000 Dollar sein. Eine neue Verhandlungsrunde ist für Dienstag anberaumt.

          Autoren streiken in Kalifornien vor den NBC Studios

          Während Stars wie Tom Hanks die Sache in Ruhe abwarten können, steht für viele, die hinter den Kulissen wirken, die Existenz auf dem Spiel. Am Freitag schickte NBC die Mitarbeiter von Jay Lenos „Tonight Show“ und Conan O'Briens „Late Night“ nach Hause - ohne Aussicht auf Wiedereinstellung nach dem Ende des Streiks. Wie hoch der Druck inzwischen ist, zeigt auch die heftig kritisierte Entscheidung des Late-Night-Talkers Carson Daly aus der vergangenen Woche, die Produktion seiner Show „Last Call“ wiederaufzunehmen. Zwar ist der Mann kein Mitglied der Autorengewerkschaft und bestreitet seine Show im Augenblick ohne Hilfe von Autoren, doch wird sein Schritt von einigen als „erster Riss im Damm“ betrachtet.

          Internet füllt die Lücken

          Dass ausgerechnet NBC nun erste Mitarbeiter entlässt, gibt der Entrüstung über eine andere Meldung aus der vergangenen Woche erneut Feuer. Während die Produzenten die Forderungen der Autoren ablehnten, weil das Internetgeschäft noch viel zu wenig profitabel sei, sickerte durch, dass NBC sich die Rechte an einer Internetserie namens „Quarterlife“ gesichert hat. Die Entwicklung ist vor dem Hintergrund des Streiks nicht ohne Ironie: Vor drei Jahren waren die renommierten Filmemacher Marshall Herskowitz und Ed Zwick (“Thirtysomethings“, „Blood Diamond“) mit einem Pilotfilm über das Leben von sechs jungen Leuten aus der digitalen Generation beim Sender ABC abgeblitzt. Dort hatte man mit „Lost“ und „Desperate Housewives“ soeben auf zwei andere Formate gesetzt. Herskowitz und Zwick konfektionierten die Serie daraufhin mit acht Minuten langen Episoden für eine eigene Internet-Plattform namens „Quarterlife.com“. Und nun kommt die Serie doch noch ins Fernsehen: Während die Autoren um ihre Rechte im Internet kämpfen, besetzt das Internet ihre Plätze im Fernsehen - was für eine Ironie.

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