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Street View : Googles windige Helfer

  • -Aktualisiert am

Google-Autos dürfen nicht alles ablichten Bild: dpa

Eine Gruppe von Internet-Euphorikern will sich mit den Lücken auf Google Street View nicht zufrieden geben und fotografiert jetzt eigenhändig Hausfassaden. Doch der Nutzen für das amerikanische Unternehmen bleibt wohl aus.

          Datenschützer, Politiker und besorgte Bürger haben immer wieder ihre Hand gegen Google Street View gehoben. Aber sie haben wohl nicht mit „The Wisdom of Crowds“ gerechnet, jener angeblichen Weisheit der vielen, die sich mittels Masse der Nutzer im Internet Bahn brechen soll. Denn mancher Netzbewohner plant, nun einfach Google zu spielen und auch zu fotografieren. Der sogenannte Socialmediaberater Jens Best will jedenfalls nicht hinnehmen, dass Street View einige Häuser nicht zeigen könnte. Er hat via Twitter aufgerufen, fehlende Häuser selbst zu fotografieren und unter Inanspruchnahme „unseres Rechts auf freie Fotografie“ zu veröffentlichen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was man zuerst für einen Scherz halten kann, scheint der Berater jedoch tatsächlich ernst zu meinen. Das sagt er zumindest. Google Street View sei ein richtiges Anliegen. „Ich sehe keine Argumente, die dagegen sprechen“, sagt Best dieser Zeitung. „Es kann nicht schlimm sein, wenn man die Fassade eines Hauses fotografiert.“ Man solle nicht unkritisch gegenüber Google oder Facebook sein, aber die „Stimmungsmache“ gegen das Web sei übertrieben. „Man muss einfach mal die Gegenmeinung zeigen“, meint er. „Vielleicht ist es eine kleine Provokation, aber eine, die auf jeden Fall durchgeführt wird“, sagt er. Einige haben seinen Aufruf auf Twitter weiterverbreitet. Einige Dutzend haben auf der Internetseite Doodle, einem Dienst für Terminplanungen, zugesagt, mitzumachen. Die Follower scheinen nichts Besseres zu tun zu haben, als anderer Leute Häuschen abzulichten.

          Rechtswidrig und unwahrscheinlich

          Der Plan lautet wie folgt: Wenn das deutsche Street View gestartet ist, will Best gemeinsam mit allen, die sich beteiligen wollen, Häuser fotografieren, die Google nicht abbildet. Die Aufnahmen sollen dann ins Internet gestellt werden, vielleicht auf Flickr, vielleicht auf einer anderen Plattform oder einer eigenen Internetseite. Die Fotos sollen mit genauer Position erkannt werden - und jeder dürfe sie verwenden. Sie dürften dann auch von Google Street View eingesetzt werden oder auf der nicht-kommerziellen Internetseite Open Maps erscheinen. Soll man das ernst nehmen?

          Dass die Bilder tatsächlich bei Street View erscheinen, ist unwahrscheinlich. Schließlich wird Google die Fotos nicht aufnehmen. „Derzeit können wir kein eingereichtes Bildmaterial zur Aufnahme in Street View annehmen“, heißt es auf Googles Internetseite. „Diesen Aufruf finde ich unmöglich“, sagt aber Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wenn jemand ganz gezielt den Widerspruch zu umgehen versucht, wäre das rechtswidrig.“

          Privates auf dem Präsentierteller

          Google scheint jedenfalls die Sorgen vieler inzwischen ernst zu nehmen und will sich an Widersprüche halten, in denen Bürger sagen, dass ihr Haus nicht in Street View gezeigt werden solle. Im Gespräch mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat das Unternehmen zudem gerade zugesagt, den Dienst auch erst zu starten, wenn alle von Bürgern eingereichte Widersprüche vollständig umgesetzt sind. Dies ist für Weichert selbstverständlich. „Das, was sie nun zusagen, haben wir ihnen schon vor einem Jahr ins Pflichtenheft geschrieben“, sagt er. „Das haben sie auch zugesagt.“

          „Privates muss privat bleiben“, sagt auch Verbraucherministerin Ilse Aigner. „Jeder Bürger muss das Recht behalten, über die Verwendung seiner persönlichen Daten selbst zu entscheiden.“ Wer nicht auf dem Präsentierteller der digitalen Welt landen wolle, könne jederzeit Widerspruch einlegen und seine Daten löschen. Ein Musterwiderspruch findet sich auf der Internetseite ihres Ministeriums unter www.bmelv.de. Auch Sammelwidersprüche von Städten und Gemeinden wolle Google akzeptieren. Die Ministerin Ilse Aigner schlägt vor, dass Gemeinden vorformulierte Widerspruchslisten in Rathäusern auslegen, die sie gebündelt weiterleiten. Ganze Straßenzüge könnten damit unkenntlich gemacht werden, wenn die Bewohner oder Eigentümer dies wünschen. Das hilft zumindest gegen Google, für deren mutmaßliche Erfüllungsgehilfen muss sich die Ministerin wohl noch etwas einfallen lassen.

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