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Streamingdienste im Vormarsch : Wer soll das alles bezahlen?

  • -Aktualisiert am

Netflix treibt die Nachfrage nach Fernsehen auf Abruf voran. Bild: AFP

Das Angebot von Streamingdiensten wächst und wächst. Die Frage ist nur, wer was bietet und wer sich das als Nutzer noch leisten kann. Es gäbe eine Lösung. Ein Gastbeitrag.

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          Streaming 2020 ist insbesondere durch Covid-19 schneller im Mainstream angekommen als von vielen Marktforschern prognostiziert. Laut einer aktuellen Studie von Goldbach Media haben 41 Millionen Menschen in Deutschland Zugang zu Streamingdiensten und nutzen die vielfältigen Angebote. Dreizehn Millionen Abonnenten verfügen über 26 Millionen Abos, das entspricht durchschnittlich 2,2 Streaming-Abos pro Person.

          Ein Ende des rasanten Wachstums ist in Deutschland nicht abzusehen. Im Gegenteil – eine Beschleunigung wird vorhergesagt: Goldbach Media schätzt, dass der Streaming-Umsatz von 2,85 Milliarden Euro auf 4,12 Milliarden Euro wächst, also um rund 45 Prozent. Insofern ist dies eine beachtliche Leistung in Relation zu den Erträgen von zirka acht Milliarden Euro aus de Rundfunkbeitrag für die Öffentlich-Rechtlichen.

          Dabei ist Fernsehen 2020 wie ein Besuch im Restaurant: Entscheidet man sich für das Büfett „All you can eat“ oder isst man „à la carte“? Die Antwort liegt im Preis, den man dafür zu zahlen hat. Es stellt sich die Frage: Können wir uns Fernsehen „à la carte“ leisten?

          Konsumieren auf jeder Plattform, zu jeder Tages- und Nachtzeit, wo immer wir uns gerade aufhalten, ist zum Hype eines neuen Fernseherlebnisses geworden. Das führt zu tektonischen Verschiebungen des Nutzungsverhaltens und der Geschäftsmodelle. Die Verschmelzung von Fernsehen und Internet macht es möglich, unser Sehverhalten individuell zu gestalten, losgelöst von starren Programmangeboten eines linearen Fernsehens. Non-lineare Bewegtbild-Inhalte auf Smart-TVs, mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets sowie Laptop und PCs bestimmen schon heute den Bewegtbild-Konsum junger Zielgruppen. Das Bedürfnis nach zeit- und ortsunabhängiger Mediennutzung wird bald den linearen Fernsehkonsum eingeholt haben. Das „Fernsehen à la carte“ bietet neue, einzigartige Inhalte, darunter preisgekrönte Serien wie „Games of Thrones“ und „Breaking Bad“, die mit einem Oscar ausgezeichneten Netflix-Produktionen wie „Roma“, „Marriage Story“ und „American Factory“ oder die kürzlich auf Amazon Prime erschienenen Serien „Upload“ und „Tales from the Loop“, alles zu jeder Zeit, an jedem Ort.

          Für einen scheinbar unerschöpflichen Bewegtbild-Nachschub – allein in diesem Jahr waren in den Vereinigten Staaten (vor der Corona-Krise) 600 neue Serien geplant – sorgen die großen Anbieter Netflix, Amazon Prime, Apple TV+ sowie Disney+, Bezahlanbieter wie Sky, Dazn und das Magenta TV der Deutschen Telekom. Weitere Hollywood-Studios und Streamingdienste stehen in den Startlöchern, um ihre Neuproduktionen und Archive für ein weltumspannendes Streaming zu öffnen.

          Doch stellt sich nun die Frage nach der finanziellen Belastbarkeit. Wie viel sind wir bereit zu zahlen oder, besser gefragt, wie belastbar ist unsere Haushaltskasse für diese Art unbegrenzten TV-Genusses? Wer soll und wer kann dies alles bezahlen? Wie viel sind wir bereit, im Monat über die Zwangs-Haushaltsabgabe für öffentlich-rechtliches Fernsehen hinaus auszugeben? Der monatliche Beitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio liegt zurzeit bei 17,50 Euro und ist für viele Haushalte eine nicht unerhebliche Belastung. Wird damit die Nutzung von Streamingdiensten zum Privileg für Besserverdienende? Am Beispiel eines Kabel-Haushalts (44,7 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen über einen Kabelanschluss) zeigt sich, dass bei aller Euphorie der non-linearen Fernsehnutzung Grenzen gesetzt sind.

          Beispiel eins (Zahlen pro Monat): Kabel-Haushalt und Öffentlich-Rechtliche: Haushaltsabgabe für ARD, ZDF, Deutschlandradio 17,50 Euro (geplante Erhöhung auf 18,36 Euro in 2021) plus die Kabelgebühr, etwa VFKabel D Unitymedia (20,99 Euro) plus HD+-Empfang ( 8,50 Euro) ergibt in Summe 46,99 Euro. Selbst konservativ gerechnet, gibt ein durchschnittlicher Kabel-Haushalt in Deutschland also knapp fünfzig Euro im Monat für seinen linearen Rundfunkempfang aus (öffentlich-rechtliche und private Free-TV-Sender).

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