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Strafanzeige gegen Böhmermann : Die ganze Welt ist Satire

Verfolgt Jan Böhmermann einen Plan? Wenn ja, könnte dieser nach hinten losgehen. Bild: dpa

Der türkische Präsident Erdogan stellt Strafanzeige gegen Jan Böhmermann wegen Beleidigung. Auch das gehöre zum tollen Plan des Moderators, sagen seine Bewunderer. Wenn das mal nicht ein großer Irrtum ist. Ein Kommentar.

          Man kann das alles für genial halten. Da sagt der ZDF-Moderator Jan Böhmermann einen Text auf, von dem er weiß, dass er den türkischen Präsidenten Erdogan maximal provoziert. Nicht nur das. Er löst eine Kettenreaktion aus, die da lautet: Das ZDF löscht den Beitrag, es gehen Anzeigen wegen Beleidigung ein, die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Bundesregierung gerät in die Zwickmühle, und die türkische Regierung zieht blank.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wäre das der Schlachtplan, den Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ vor knapp zwei Wochen im Kopf hatte, könnte man beim aktuellen Stand der Entwicklung sagen, da Erdogan jetzt auch noch persönlich Strafanzeige gestellt und zuvor die türkische Regierung ihr Ansinnen formuliert hat, die Bundesregierung möge den besonderen Gerichtsweg nach dem Paragraphen 103 Strafgesetzbuch zulassen: Es läuft alles wie am Schnürchen.

          Alle tanzen nach Böhmermanns Pfeife und er pfeift sich eins. Der Intendant des ZDF eiert herum, Kanzleramtsminister Altmaier muss mitmachen, Regierungssprecher Seibert auch, die Bundeskanzlerin sowieso, es gibt Solidaritätsadressen und dann springt auch noch der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis wie aufs Stichwort auf die Bühne und sagt: „Hände weg von Böhmermann.“

          Die Frage ist nur: Um was geht es bei dieser Satire? Es gehe darum, heißt es, die deutsche Außenpolitik zu desavouieren und dem türkischen Präsidenten zu zeigen, dass in diesem Land Presse-, Satire- und Kunstfreiheit herrschen. Die kann so weit reichen, dass jemand, der uferlose Beleidigungen von sich gibt, vor Gericht nicht an deren Wortlaut gemessen wird, wenn er sie zuvor in Anführungszeichen gesetzt hat. Es kann aber auch sein, dass ein Richter dies anders sieht.

          Wie es auch ausgeht – Böhmermann kann sich seiner Sache sicher sein und der türkische Präsident kann gar nicht verlieren. Würde er nämlich vor einem deutschen Gericht unterliegen, wäre das für seine Propaganda nur ein weiterer Beweis der Schmähung, Herabsetzung und Unterdrückung nicht bloß seiner selbst, sondern aller, für die Erdogan zu stehen glauben und die sich von Böhmermanns „Gedicht“ - das so ziemlich sämtliche Stereotype und Injurien aufruft, die zu Muslimen und Menschen aus der Türkei in Umlauf sind - getroffen fühlen können.

          Hinter diesem Getöse verschwindet Erdogan und verschwindet, was er so anrichtet, dahinter verschwindet einfach alles, so ähnlich wie es bei der Scharade „Varoufake“ auch war. Denn mit einem Mal erscheint alles als Satire und die Politik als ein einziger, schlechter Witz. Den erzählt uns Jan Böhmermann. Er lotet die Grenzen der Satire tatsächlich aus. Aber auf ganz andere Weise, als diejenigen denken, die meinen, es ginge darum, ob man über seinen Text lachen kann oder nicht.

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