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Stimmungslagen vor der EM : Schaust du noch oder fieberst du schon?

  • Aktualisiert am

Bild: Illustration Kat Menschik

Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Unsere Kulturkorrespondenten geben einen Überblick über nationale Erwartungen und Befürchtungen.

          10 Min.

          Hätte man vor ein paar Wochen in Deutschland gefragt, wer Fußball-Europameister wird, hätte die Mehrheit vielleicht auf die eigene Nationalmannschaft getippt - nach dem lässigen drei zu null gegen die Niederlande. Die letzten Vorbereitungsspiele aber geben eher Anlass zur Demut. Diese pflegen die Spanier, obwohl sie die großen Favoriten sind. Die Italiener nehmen die sich häufenden bösen Omen als Ansporn, die Engländer üben sich in Zweckpessimismus, die Franzosen trauen sich mehr zu, als man denken sollte, und auch die Russen rechnen sich durchaus Chancen aus. Nur die Dänen und Schweden bleiben kühl bis zuletzt. So schildern unsere Korrespondenten die Stimmungslage vor dem Anstoß zur Euro 2012.

          ENGLAND
          Diesmal gehen die Elfmeter rein

          Dass der Sender ITV mit dem shakespeareschen Spruch „Woraus Träume gemacht sind“ für seine Euro-Berichterstattung wirbt, passt: Die englischen Fans räumen ihrer Mannschaft wenig Chancen ein - angesichts Trainerwechsel, Verletzungen, Rooneys Sperre für zwei Spiele und dem Verzicht auf Rio Ferdinand ist das kein Wunder. In einer Reihe von Fernsehspots mit manipulierten Ausschnitten aus früheren Spielen wird die Fußballgeschichte jedenfalls umgeschrieben.

          Die „Hand Gottes“: Mit diesem Tor brachte Diego Maradona England 1986 um den Weltmeistertitel - zumindest in der englischen Wahrnehmung

          Schmerzliche Niederlagen, die ins nationale Bewusstsein eingeätzt sind, verwandeln sich in Sternstunden: Maradonas „Hand Gottes“, die England 1986 um den Weltmeistertitel brachte, wird mit einer Roten Karte bestraft, England bleibt die Demütigung von Italia 1990 erspart und kehrt siegreich zurück, der schwedische Mittelfeldspieler Tomas Brolin schießt bei der Euro 1992 nicht das Tor, das Englands Schicksal in der 83. Minute besiegelt, und Gareth Southgate verwandelt den Elfmeter im Halbfinale gegen Deutschland bei der Euro 1996.

          Wie es diesmal wirklich ausgehen wird, zeigen die BBC und ITV in einem Wettkampf um die Zuschauer, bei dem das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus seinem neuen Medienzentrum in Salford bei Manchester den ehemaligen Nationalspieler Gary Lineker gegen den vor zwei Jahren zu ITV gewechselten Moderator Adrian Chiles ins Feld führt. Beide Sender übertragen das Endspiel live. Ansonsten scheint die BBC mit der Sicherung der Rechte für das erste und vierte Viertelfinalspiel und für beide Halbfinals auf das Fortkommen der Nationalelf zu setzen.

          Die flächendeckende Ausstrahlung auf den herkömmlichen Kanälen dürfte den Zulauf in den Bars und Kneipen mit Sky-Lizenz verringern. Eine Kneipe nahe der Paulskathedrale empfängt für die Deutschland-Spiele deutsches Fernsehen. Dort versprechen die Veranstalter das „Public Viewing“-Erlebnis aus der Bundesrepublik nach England zu transportieren, wo sich das Phänomen trotz des englischen Namens nicht durchgesetzt hat. David Beckham gab den England-Fans Mut mit der Äußerung, dass die geringen Erwartungen ein Vorteil sein könnten für die englische Mannschaft, die frei aufspielen könne. Trotz gedämpfter Hoffnungen: Es wird geträumt. (Gina Thomas)

          Italien
          Wetten werden noch angenommen

          Sehr viel schlimmer hätte es bei der Vorbereitung zur Europameisterschaft nicht kommen können. Bei einem normalen Turnier wäre eine hartnäckige Wadenzerrung, die Defensivspezialist Barzagli erlitt, gewiss eine Schreckensmeldung wert gewesen. Doch nach den schlimmeren Katastrophen der Vortage landete die Nachricht im Kleingedruckten. Eine sehr viel höhere Gewalt als das Verletzungspech hatte zuvor ein wichtiges Testspiel gegen Luxemburg verhindert; es musste wegen des Erdbebens in der Emilia abgesagt werden. Für abergläubische Italiener war das ein übles Vorzeichen, zumal Nationaltrainer Cesare Prandelli nun seine unerfahrene Mannschaft mit höchstens fünf Taktik-Einheiten gegen den Favoriten, Titelverteidiger und Weltmeister Spanien zum Eröffnungsspiel auf den Platz schicken muss.

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